Putsch, Putschisten

Niger schließt Luftraum - Ecowas will weiter beraten

07.08.2023 - 15:25:16 | dpa.de

Das Ultimatum der westafrikanischen Staatengemeinschaft Ecowas an die MilitÀrjunta ist verstrichen. Die weiteren Schritte bleiben ungewiss. Die Machthaber im Niger beugen einer Intervention vor.

  • Die Situation im Niger spitzt sich weiter zu. - Foto: Sam Mednick/AP/dpa
    Die Situation im Niger spitzt sich weiter zu. - Foto: Sam Mednick/AP/dpa
  • Mohamed Toumba, einer der Soldaten, die den nigrischen PrĂ€sidenten Mohamed Bazoum gestĂŒrzt haben, spricht zu AnhĂ€ngern der nigrischen Junta. - Foto: Sam Mednick/AP/dpa
    Mohamed Toumba, einer der Soldaten, die den nigrischen PrĂ€sidenten Mohamed Bazoum gestĂŒrzt haben, spricht zu AnhĂ€ngern der nigrischen Junta. - Foto: Sam Mednick/AP/dpa
Die Situation im Niger spitzt sich weiter zu. - Foto: Sam Mednick/AP/dpa Mohamed Toumba, einer der Soldaten, die den nigrischen PrĂ€sidenten Mohamed Bazoum gestĂŒrzt haben, spricht zu AnhĂ€ngern der nigrischen Junta. - Foto: Sam Mednick/AP/dpa

Angesichts einer drohenden militĂ€rischen Intervention durch die westafrikanische Staatengemeinschaft Ecowas hat die MilitĂ€rjunta in Niger den Luftraum des Landes geschlossen. In einer Mitteilung des Sprechers der Junta im nationalen Fernsehen gestern Abend hieß es, jeder Versuch, den Luftraum zu verletzen, werde sofort und energisch beantwortet.

Grund fĂŒr den Schritt seien die immer deutlicher werdenden Drohungen einer Intervention aus den NachbarlĂ€ndern.

Am Wochenende war ein Ultimatum der Ecowas an die seit einem Staatsstreich Ende Juli in Niger regierende MilitĂ€rjunta ausgelaufen. Nach Ablauf dieses Ultimatums will die Ecowas am Donnerstag ĂŒber das weitere Vorgehen beraten. Die Staats- und Regierungschefs der Mitgliedsstaaten sollen in Nigerias Hauptstadt Abuja zusammenkommen, wie Ecowas-Sprecher Amos Lungu der Deutschen Presse-Agentur bestĂ€tigte.

Die Gruppe hatte den neuen Machthabern am Sonntag vor einer Woche ein siebentĂ€giges Ultimatum gestellt und die neue Junta aufgefordert, den gewĂ€hlten PrĂ€sidenten Mohamed Bazoum wieder einzusetzen. Andernfalls werde Ecowas Maßnahmen ergreifen, die auch Gewalt beinhalten könnten, hieß es.

Die Ecowas-MilitĂ€rchefs haben bei einem dreitĂ€gigen Treffen bereits einen Plan fĂŒr eine mögliche militĂ€rische Intervention als Antwort auf den Putsch im Niger entworfen. Die Staats- und Regierungschefs wollen anhand der Empfehlung ĂŒber ihr Vorgehen entscheiden.

Putschisten mit RĂŒckhalt in der Bevölkerung

Ein möglicher MilitĂ€reinsatz ist in der Region umstritten. Zudem wĂ€re ein solcher Einsatz der Gruppe im Niger, mit seinen 26 Millionen Einwohnern und etwa der dreifachen FlĂ€che Deutschlands, wohl eine große Herausforderung. Die Junta teilte ihrerseits am Wochenende mit, wichtige Positionen bei den StreitkrĂ€ften mit eigenen Gefolgsleuten neu besetzt zu haben.

In der Bevölkerung wĂ€chst indes die UnterstĂŒtzung fĂŒr die Putschisten. Berichten des französischen Senders RFI zufolge versammelten sich am Sonntag rund 30.000 Menschen im General-Seyni-KountchĂ©-Stadion in der Hauptstadt Niamey, um gegen die Ecowas-Sanktionen zu protestieren. Bereits in der Nacht zum Sonntag schlossen sich Jugendliche zu BĂŒrgerwehren zusammen, wie ein Reporter der Deutschen Presse-Agentur berichtete.

Am 26. Juli hatten Offiziere der PrĂ€sidialgarde im Niger den demokratisch gewĂ€hlten PrĂ€sidenten Bazoum fĂŒr entmachtet erklĂ€rt. Der Kommandeur der Eliteeinheit, General Abdourahamane Tiani, ernannte sich im Anschluss zum neuen Machthaber. Kurz nach Tianis MachtĂŒbernahme setzten die Putschisten die Verfassung außer Kraft und lösten alle verfassungsmĂ€ĂŸigen Institutionen auf.

Warnung vor militÀrischer Intervention

Algeriens PrÀsident Abdelmadjid Tebboune warnte am Wochenende nach Angaben der Zeitung El-Bilad und der Nachrichtenseite Ennahar, ein militÀrisches Eingreifen im Niger könnte die gesamte Sahel-Zone destabilisieren. Eine Teilnahme Algeriens an einer militÀrischen Intervention schloss Tebboune demnach strikt aus.

Trotz der Zuspitzung der Lage steht nach Aussage der französischen Außenministerin Catherine Colonna ein Abzug der französischen Soldaten aus dem Niger nicht auf der Tagesordnung. Sie warnte die Machthaber im Niger, die Drohung der Ecowas ernstzunehmen. Die neue Junta hatte zuvor die militĂ€rische Zusammenarbeit mit der einstigen Kolonialmacht am Donnerstag aufgekĂŒndigt.

Noch immer hat Frankreich dort rund 1500 Soldaten stationiert. Die USA sind mit rund 1000 Soldaten vor Ort, die Bundeswehr mit rund 100. Der Niger war einer der letzten westlichen VerbĂŒndeten in der von islamistischen Terrorgruppen destabilisierten Sahel-Zone.

Ecowas-Operation nicht unrealistisch

UnbegrĂŒndet ist Colonnas Warnung vor dem Handeln der Ecowas nicht. Die Gruppe hat bereits in der Vergangenheit mehrfach militĂ€rische Eingreiftruppen aufgestellt. Zuletzt griff die Gruppe 2017 in Gambia ein. MilitĂ€rische Ecowas-Operationen erfolgten bislang jedoch immer auf Einladung der betroffenen Regierung.

Die MilitĂ€rregierungen in Mali und Burkina Faso hatten sich hingegen schnell auf die Seite der neuen Machthaber im Niger gestellt. Die Mitgliedschaft der beiden LĂ€nder in der Ecowas ist ausgesetzt. Das französische Außenministerium kĂŒndigte am Sonntag an, bis auf Weiteres alle Entwicklungshilfe- und Budgethilfemaßnahmen fĂŒr Burkina Faso auszusetzen.

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