Niger schlieĂt Luftraum - Ecowas will weiter beraten
07.08.2023 - 15:25:16 | dpa.deAngesichts einer drohenden militÀrischen Intervention durch die westafrikanische Staatengemeinschaft Ecowas hat die MilitÀrjunta in Niger den Luftraum des Landes geschlossen. In einer Mitteilung des Sprechers der Junta im nationalen Fernsehen gestern Abend hieà es, jeder Versuch, den Luftraum zu verletzen, werde sofort und energisch beantwortet.
Grund fĂŒr den Schritt seien die immer deutlicher werdenden Drohungen einer Intervention aus den NachbarlĂ€ndern.
Am Wochenende war ein Ultimatum der Ecowas an die seit einem Staatsstreich Ende Juli in Niger regierende MilitĂ€rjunta ausgelaufen. Nach Ablauf dieses Ultimatums will die Ecowas am Donnerstag ĂŒber das weitere Vorgehen beraten. Die Staats- und Regierungschefs der Mitgliedsstaaten sollen in Nigerias Hauptstadt Abuja zusammenkommen, wie Ecowas-Sprecher Amos Lungu der Deutschen Presse-Agentur bestĂ€tigte.
Die Gruppe hatte den neuen Machthabern am Sonntag vor einer Woche ein siebentĂ€giges Ultimatum gestellt und die neue Junta aufgefordert, den gewĂ€hlten PrĂ€sidenten Mohamed Bazoum wieder einzusetzen. Andernfalls werde Ecowas MaĂnahmen ergreifen, die auch Gewalt beinhalten könnten, hieĂ es.
Die Ecowas-MilitĂ€rchefs haben bei einem dreitĂ€gigen Treffen bereits einen Plan fĂŒr eine mögliche militĂ€rische Intervention als Antwort auf den Putsch im Niger entworfen. Die Staats- und Regierungschefs wollen anhand der Empfehlung ĂŒber ihr Vorgehen entscheiden.
Putschisten mit RĂŒckhalt in der Bevölkerung
Ein möglicher MilitĂ€reinsatz ist in der Region umstritten. Zudem wĂ€re ein solcher Einsatz der Gruppe im Niger, mit seinen 26 Millionen Einwohnern und etwa der dreifachen FlĂ€che Deutschlands, wohl eine groĂe Herausforderung. Die Junta teilte ihrerseits am Wochenende mit, wichtige Positionen bei den StreitkrĂ€ften mit eigenen Gefolgsleuten neu besetzt zu haben.
In der Bevölkerung wĂ€chst indes die UnterstĂŒtzung fĂŒr die Putschisten. Berichten des französischen Senders RFI zufolge versammelten sich am Sonntag rund 30.000 Menschen im General-Seyni-KountchĂ©-Stadion in der Hauptstadt Niamey, um gegen die Ecowas-Sanktionen zu protestieren. Bereits in der Nacht zum Sonntag schlossen sich Jugendliche zu BĂŒrgerwehren zusammen, wie ein Reporter der Deutschen Presse-Agentur berichtete.
Am 26. Juli hatten Offiziere der PrĂ€sidialgarde im Niger den demokratisch gewĂ€hlten PrĂ€sidenten Bazoum fĂŒr entmachtet erklĂ€rt. Der Kommandeur der Eliteeinheit, General Abdourahamane Tiani, ernannte sich im Anschluss zum neuen Machthaber. Kurz nach Tianis MachtĂŒbernahme setzten die Putschisten die Verfassung auĂer Kraft und lösten alle verfassungsmĂ€Ăigen Institutionen auf.
Warnung vor militÀrischer Intervention
Algeriens PrÀsident Abdelmadjid Tebboune warnte am Wochenende nach Angaben der Zeitung El-Bilad und der Nachrichtenseite Ennahar, ein militÀrisches Eingreifen im Niger könnte die gesamte Sahel-Zone destabilisieren. Eine Teilnahme Algeriens an einer militÀrischen Intervention schloss Tebboune demnach strikt aus.
Trotz der Zuspitzung der Lage steht nach Aussage der französischen AuĂenministerin Catherine Colonna ein Abzug der französischen Soldaten aus dem Niger nicht auf der Tagesordnung. Sie warnte die Machthaber im Niger, die Drohung der Ecowas ernstzunehmen. Die neue Junta hatte zuvor die militĂ€rische Zusammenarbeit mit der einstigen Kolonialmacht am Donnerstag aufgekĂŒndigt.
Noch immer hat Frankreich dort rund 1500 Soldaten stationiert. Die USA sind mit rund 1000 Soldaten vor Ort, die Bundeswehr mit rund 100. Der Niger war einer der letzten westlichen VerbĂŒndeten in der von islamistischen Terrorgruppen destabilisierten Sahel-Zone.
Ecowas-Operation nicht unrealistisch
UnbegrĂŒndet ist Colonnas Warnung vor dem Handeln der Ecowas nicht. Die Gruppe hat bereits in der Vergangenheit mehrfach militĂ€rische Eingreiftruppen aufgestellt. Zuletzt griff die Gruppe 2017 in Gambia ein. MilitĂ€rische Ecowas-Operationen erfolgten bislang jedoch immer auf Einladung der betroffenen Regierung.
Die MilitĂ€rregierungen in Mali und Burkina Faso hatten sich hingegen schnell auf die Seite der neuen Machthaber im Niger gestellt. Die Mitgliedschaft der beiden LĂ€nder in der Ecowas ist ausgesetzt. Das französische AuĂenministerium kĂŒndigte am Sonntag an, bis auf Weiteres alle Entwicklungshilfe- und BudgethilfemaĂnahmen fĂŒr Burkina Faso auszusetzen.
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