Taiwan, Wahlbeeinflussung

Taiwan sieht verstÀrkte Wahlbeeinflussung durch China

14.11.2023 - 04:24:22

Das VerhÀltnis zwischen Peking und Taipeh ist seit Jahren extrem angespannt. Die Wahl eines neuen PrÀsidenten und Parlaments in Taiwan im Januar könnte richtungsweisend sein.

Rund zwei Monate vor den Wahlen in Taiwan sieht der Nationale Sicherheitsrat des Inselstaates immer grĂ¶ĂŸere BemĂŒhungen Chinas, den Ausgang zu seinen Gunsten zu beeinflussen. Peking fĂŒhre eine Desinformationskampagne, drohe mit dem MilitĂ€r und setze Taiwans Wirtschaft unter Druck, teilte die Behörde in Taipeh mit.

Die FĂŒhrung der Volksrepublik wolle verhindern, dass Vize-PrĂ€sident William Lai von der regierenden Demokratischen Fortschrittspartei DPP die Wahl gewinne, sagte der GeneralsekretĂ€r des fĂŒr nachrichtendienstliche Arbeit zustĂ€ndigen Sicherheitsrats, Wellington Koo. China betrachtet die demokratische Inselrepublik als Teil seines Territoriums und hat mehrfach unverhohlen mit einer gewaltsamen MachtĂŒbernahme gedroht.

In Taiwan werden am 13. Januar 2024 das Staatsoberhaupt und das Parlament neu gewĂ€hlt. Die Partei von Lai und Amtsinhaberin Tsai Ing-wen, die nach zwei Amtszeiten nicht mehr antritt, fĂŒhrt in Umfragen mit deutlichem Abstand. Dahinter liegen die Taiwanische Volkspartei (TPP) und die chinesisch-nationalistische Kuomintang (KMT), die wieder GesprĂ€che mit China fĂŒhren will und deshalb aus Sicht Pekings der bevorzugte Wahlsieger sein dĂŒrfte. Bislang konnten sich die KMT und die TPP allerdings nicht einigen, ein BĂŒndnis zu formen, um der DPP gefĂ€hrlich zu werden.

Peking nimmt taiwanischen Unternehmer ins Visier

China und Taiwan sind durch eine Meerenge voneinander getrennt. Die Kommunistische Partei in Peking sieht den Inselstaat als Teil Chinas an, was historisch auf den chinesischen BĂŒrgerkrieg in der ersten HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts zurĂŒckgeht. Taiwan hat seit Jahrzehnten eine unabhĂ€ngige Regierung. China droht mit einer Invasion und demonstriert immer wieder mit großen MilitĂ€rĂŒbungen seine Macht.

Laut dem Regierungsbeamten Koo will Peking den GrĂŒnder des taiwanischen Großunternehmens Foxconn durch Druck auf seinen Konzern von einer Kandidatur bei der PrĂ€sidentenwahl abbringen. Damit solle verhindert werden, dass der in Umfragen weit abgeschlagene MilliardĂ€r Terry Gou, dessen Firma einer der grĂ¶ĂŸten privaten Arbeitgeber in China ist, anderen Oppositionskandidaten Stimmen abnehme. Die chinesischen Behörden hatten am 22. Oktober bekanntgegeben, dass der Apple-Zulieferer Foxconn einer SteuerprĂŒfung unterzogen wird. Die endgĂŒltige Wahlkandidatenliste wird am 24. November bekanntgegeben.

Desinformation in sozialen Medien

Außerdem verbreitet China laut Koo in sozialen Medien wie Tiktok gezielt Falschinformationen ĂŒber die Lebensbedingungen in Taiwan. Damit sollten taiwanische WĂ€hler gegen die regierende DPP aufgebracht werden. Statt die Plattformen zu sperren, versuchten die taiwanischen Behörden die Falschbehauptungen zu korrigieren, sagte Koo. «Wir vertrauen auf die demokratische WiderstandsfĂ€higkeit und die Medienkompetenz taiwanischer BĂŒrger.»

@ dpa.de