Selenskyj, Putin-Reaktion

Selenskyj: Putin-Reaktion auf US-Vorschlag ist Manipulation

14.03.2025 - 03:52:55

Den Vorschlag einer 30-tÀgigen Feuerpause im Ukraine-Krieg beantwortete Putin vage. Selenskyj und Experten werfen dem Kremlchef vor, kein Interesse an einem Kriegsende zu haben.

  • Bei einem Drohnenangriff auf Charkiw wurden mindestens sieben Menschen verletzt. (Archivbild) - Foto: Yevhen Titov/ZUMA Press Wire/dpa

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  • Selenskyj wirft Putin Tricksereien vor. (Archivbild) - Foto: Efrem Lukatsky/AP/dpa

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  • Russlands PrĂ€sident Putin hat eine Waffenruhe in der Ukraine an Bedingungen geknĂŒpft. - Foto: Alexander Zemlianichenko/AP/dpa

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  • Der US-Sondergesandte Steve Witkoff sollte Putin am Abend in Moskau treffen. (Archivbild) - Foto: Matt Rourke/AP/dpa

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  • US-PrĂ€sident Trump zeigte sich mit ersten GesprĂ€chen einer US-Delegation in Moskau zufrieden.  - Foto: -/Pool/AP/dpa

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Bei einem Drohnenangriff auf Charkiw wurden mindestens sieben Menschen verletzt. (Archivbild) - Foto: Yevhen Titov/ZUMA Press Wire/dpaSelenskyj wirft Putin Tricksereien vor. (Archivbild) - Foto: Efrem Lukatsky/AP/dpaRusslands PrĂ€sident Putin hat eine Waffenruhe in der Ukraine an Bedingungen geknĂŒpft. - Foto: Alexander Zemlianichenko/AP/dpaDer US-Sondergesandte Steve Witkoff sollte Putin am Abend in Moskau treffen. (Archivbild) - Foto: Matt Rourke/AP/dpaUS-PrĂ€sident Trump zeigte sich mit ersten GesprĂ€chen einer US-Delegation in Moskau zufrieden.  - Foto: -/Pool/AP/dpa

Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj bezeichnet die von Kremlchef Wladimir Putin genannten Bedingungen fĂŒr eine Zustimmung zu einer Waffenruhe als Manipulation. Putin traue sich nicht, US-PrĂ€sident Donald Trump offen zu sagen, dass er den Krieg fortsetzen wolle, sagte Selenskyj in seiner abendlichen Videobotschaft. Auch andere Experten bewerteten Putins Reaktion skeptisch. Dagegen zeigte sich Trump mit ersten GesprĂ€chen einer US-Delegation in Moskau zum Ukraine-Krieg zufrieden. Über ein am Abend geplantes und mit Spannung erwartetes GesprĂ€ch des US-Sondergesandten Steve Witkoff mit Putin gab es bis zum Morgen zunĂ€chst keine Informationen. 

Putin hatte die Zustimmung zu einer von den USA vorgeschlagenen Waffenruhe im Krieg gegen die Ukraine an Bedingungen geknĂŒpft. Bei einer Pressekonferenz am Donnerstag forderte er eine dauerhafte friedliche Lösung des Konflikts - rĂŒckte aber nicht von bereits geĂ€ußerten Maximalforderungen ab. So betonte er noch einmal AnsprĂŒche auf ukrainisches Gebiet. Putin forderte zudem, es mĂŒssten Fragen zur Kontrolle ĂŒber die Waffenruhe geklĂ€rt werden. So sei unklar, wie die Lage entlang der sich Â«ĂŒber fast 2.000 Kilometer» erstreckenden Frontlinie beobachtet werden solle. Die Ukraine dĂŒrfe darĂŒber hinaus eine Waffenruhe nicht zur Wiederbewaffnung nutzen. 

Selenskyj wirft Putin Tricks vor

Selenskyj kritisierte die von Putin genannten Bedingungen fĂŒr eine Zustimmung zu einer Waffenruhe. In Moskau wĂŒrden die Idee einer Waffenruhe mit solchen Bedingungen verknĂŒpft, damit insgesamt nichts herauskommen oder so lange wie möglich nichts gelingen könne. Nach Angaben Selenskyjs ist dies ein hĂ€ufiger Trick Putins, der statt klar «Nein» zu sagen alles tue, um eine praktische Umsetzung entweder hinauszuzögern oder unmöglich zu machen.

Selenskyj betonte hingegen noch einmal die Bereitschaft der Ukraine zur befristeten Einstellung der Kampfhandlungen. Kiew habe den Vorschlag zu einer Waffenruhe angenommen, weil die USA ihre Bereitschaft erklĂ€rt hĂ€tten, dies zu ĂŒberwachen. Mit den Möglichkeiten, die das Land besitze, sei das auch real.

Auch andere Experten beurteilten Putins Reaktion auf den US-Vorschlag skeptisch. So schrieb George Barros vom Institut fĂŒr Kriegsstudien auf der Plattform X, man falle auf die Sprache und die Gedankenspiele des Kremls herein, wenn man glaube, Putins ErklĂ€rung bedeute, dass er das 30-tĂ€gige Waffenstillstandsabkommen zwischen den USA und der Ukraine akzeptiert habe. «TatsĂ€chlich hat Putin die Bedingungen des Vorschlags von PrĂ€sident Trump abgelehnt und versucht nun, den Inhalt des Vorschlags zu verĂ€ndern.» 

MilitĂ€rexperte Carlo Masala schrieb auf X: «Viele Worte um Nein zu sagen.» Und Politologe Thomas JĂ€ger meint auf derselben Plattform: «Wie sagt man, dass man den Waffenstillstand nicht will, ohne zu sagen, dass man den Waffenstillstand nicht will.» Putin wolle Krieg gegen Ukraine und EU weiter fĂŒhren. 

Trump sieht «gute Signale» bei GesprÀchen in Moskau

Trump zeigte sich mit ersten GesprĂ€chen einer US-Delegation in Moskau zum Ukraine-Krieg zufrieden. «Wir hören, dass es okay lĂ€uft in Russland», sagte Trump zu den Verhandlungen ĂŒber eine Waffenruhe. Das bedeute aber noch nichts, solange kein endgĂŒltiges Ergebnis vorliege, ergĂ€nzte Trump bei einem Treffen mit Nato-GeneralsekretĂ€r Mark Rutte. Der US-Sondergesandte Witkoff sei in Moskau und fĂŒhre ernsthafte GesprĂ€che, sagte Trump. «Wir bekommen gute Signale.» 

Witkoff war bereits im Februar nach einer langen Funkstille zwischen Moskau und Washington zu ersten Verhandlungen in die russische Hauptstadt gekommen - und hatte damals einen US-Amerikaner aus russischer Gefangenschaft mitgebracht. Nun sollte er den US-Vorschlag einer 30-tĂ€gigen Waffenruhe im Kreml vorstellen. Obwohl der Sondergesandte bereits am Mittag in Moskau landete, musste er lange auf einen Termin warten. Putin empfing zuvor noch den Machthaber von Belarus, Alexander Lukaschenko, der als engster VerbĂŒndeter des Kremls gilt. 

SpĂ€ter telefonierte Putin mit dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman. Die saudische Nachrichtenagentur SPA berichtete, der Kronprinz habe das Engagement des Königreichs fĂŒr die Förderung des Dialogs und die UnterstĂŒtzung aller Initiativen, die auf eine politische Lösung des Ukraine-Kriegs abzielen, bekrĂ€ftigt. 

Kinder in der Ukraine bei russischem Drohnenangriff verletzt

WĂ€hrenddessen geht der Krieg in der Ukraine weiter. Bei einem Drohnenangriff auf die Großstadt Charkiw im Nordosten der Ukraine wurden nach Behördenangaben mindestens sieben Menschen verletzt. Unter den Opfern seien auch vier Kinder, teilte Charkiws BĂŒrgermeister Ihor Terechow bei Telegram mit. EinschlĂ€ge habe es in mehreren Stadtbezirken gegeben. Die Drohnen lösten demnach mehrere BrĂ€nde aus.

Charkiw ist eine der am schwersten von dem seit mehr als drei Jahren wÀhrenden russischen Angriffskrieg betroffenen StÀdte in der Ukraine. Da sie nur rund 30 Kilometer von der russischen Grenze entfernt liegt, versuchten russische Truppen sie gleich zu Kriegsbeginn einzunehmen. Der Versuch misslang, allerdings liegt Charkiw bis heute unter schwerem Beschuss von Drohnen und Raketen, teilweise auch Artillerie. Immer wieder kommen bei den Angriffen Zivilisten zu Schaden.

Brand in russischer Ölraffinerie

Eine Attacke von ukrainischer Seite gab es wiederum in der Nacht auf Freitag nach Angaben des Gouverneurs des sĂŒdrussischen Gebiets Krasnodar, Wenjamin Kondratjew, auf die große Ölraffinerie in der Hafenstadt Tuapse. Ein Reservoir mit Benzin fing demnach Feuer. Die BrandflĂ€che umfasse mehr als 1.000 Quadratmeter, schrieb Kondratjew auf Telegram. Verletzte gab es nach ersten Erkenntnissen nicht.

Ukraine an der Front unter Druck

Auch an der Front gehen die KĂ€mpfe weiter. Der Generalstab in Kiew schrieb in seinem abendlichen Lagebericht von etwa 130 ZusammenstĂ¶ĂŸen entlang der Front. Einmal mehr war die Stadt Pokrowsk dabei mit mehr als 40 russischen Angriffen Schwerpunkt der KĂ€mpfe.

Über die Lage in Kursk machte der Generalstab nur vage Angaben. Mehrere Gefechte halten demnach dort noch an. In der westrussischen Region war das ukrainische MilitĂ€r zuletzt in BedrĂ€ngnis geraten und musste etwa die Kleinstadt Sudscha rĂ€umen. Sudscha war die grĂ¶ĂŸte Ortschaft, die die Ukrainer im vergangenen Sommer im Zuge eines ĂŒberraschenden Gegenstoßes nach Russland erobern konnten.

Das wird heute wichtig

Die Außenminister der G7-LĂ€nder bemĂŒhen sich um Abschluss ihres Treffens in Kanada um Geschlossenheit. Teilnehmern zufolge ist es unklar, ob sich die Gruppe der wirtschaftsstarken Demokratien auf ein gemeinsames Abschlussdokument einigen kann. Die Konferenz in Charlevoix im Osten Kanadas, die heute endet, steht unter dem Eindruck des Kurswechsels, den US-PrĂ€sident Donald Trump fĂŒr sein Land eingeschlagen hat. Insbesondere die Hinwendung zu Kremlchef Putin beunruhigt die Partner. Es wird mit Spannung erwartet, ob und wie stark sich US-Außenminister Marco Rubio bei der Konferenz von den westlichen Staaten abgrenzen wird. Neben Kanada und den USA gehören Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und Japan zu der Runde.

@ dpa.de