UN nach Luftangriff: Furchtbare Lage in Gazas KrankenhÀusern
14.07.2024 - 15:41:51Nach einem israelischen Luftangriff auf den MilitĂ€rchef der Hamas mit zahlreichen Toten weist UN-Vertreter Scott Anderson auf das Leid palĂ€stinensischer Zivilisten und die Not in KrankenhĂ€usern hin. Der Direktor des UN-Hilfswerks fĂŒr PalĂ€stina-FlĂŒchtlinge in Gaza sprach von einigen der schrecklichsten Szenen, die er in den vergangenen neun Monaten gesehen habe.
In dem Krankenhaus von Chan Junis, das er besucht habe, gebe es nicht genĂŒgend Betten, viele Patienten wĂŒrden auf dem Boden und ohne ausreichende Desinfektionsmöglichkeiten behandelt, sagte Anderson. «Die Luft war voller Blutgeruch.»
Verzweifelte Eltern hĂ€tten ihm gesagt, dass sie in die humanitĂ€re Zone gezogen seien in der Hoffnung, dass ihre Kinder dort sicher wĂ€ren, sagte Anderson. Er forderte dazu auf, Zivilisten jederzeit zu schĂŒtzen. Eine Waffenruhe sei dringend notwendig, und die im Gazastreifen verbliebenen Geiseln mĂŒssten freigelassen werden.
Luftangriff galt Hamas-MilitÀrchef
Die israelische Armee hatte am Samstag im Gazastreifen den AnfĂŒhrer des militĂ€rischen Arms der Hamas, Mohammed Deif, angegriffen und dabei Dutzende andere Menschen getötet. Ob auch Deif bei dem Luftangriff getötet oder verletzt wurde, blieb ungewiss.Â
Am Sonntag bestĂ€tigte das israelische MilitĂ€r, dass bei dem Angriff der Kommandant der Chan-Junis-Brigade der Hamas, Rafa Salama, getötet wurde. Er galt als enger Mitarbeiter Deifs, der sich zum Zeitpunkt des Angriffs an seiner Seite befunden haben soll. Ăber das Schicksal des Hamas-MilitĂ€rchefs Ă€uĂerte sich die Armee am Sonntag nicht.Â
Ein Hamas-Vertreter in Beirut bestritt am Sonntag, dass Deif getötet worden sei. «Mohammed Deif geht es gut, und er befiehlt weiterhin den Widerstand gegen den israelischen Feind», sagte der Hamas-FunktionÀr Ali Barakeh der Deutschen Presse-Agentur in Beirut.
Deif ist der Chef der Kassam-Brigaden und Stellvertreter des Gaza-Chefs der Hamas, Jihia al-Sinwar. Israel hat sich als ein Ziel im Gaza-Krieg gesetzt, Sinwar und Deif gefangenzunehmen oder zu töten.Â
Deif wird oft das «Phantom» genannt. Die israelische Zeitung «Haaretz» bezeichnete ihn als «wandelnden Geist», der mindestens sieben israelische AnschlĂ€ge ĂŒberlebt habe. Der 58-JĂ€hrige gilt als einer der von Israel meistgesuchten Terroristen. Seit den 1990er Jahren kĂ€mpft er in den Reihen der Hamas. Bis vor gut einem halben Jahr ging man in Israel davon aus, dass Deif mehrere GliedmaĂen verloren und eine Vielzahl körperlicher Behinderungen hat. Bis schlieĂlich Aufnahmen auftauchten, die Deif mit beiden Armen und beiden Beinen zeigten.
Trotz Luftangriff sollen Verhandlungen weitergehen
PalĂ€stinensischen Angaben zufolge wurden bei dem israelischen MilitĂ€reinsatz mindestens 90 Menschen getötet. Mindestens 300 weitere Menschen seien zudem in der humanitĂ€ren Zone Al-Mawasi verletzt worden, teilte die von der Hamas kontrollierte Gesundheitsbehörde mit. Diese Angaben konnten zunĂ€chst nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒft werden.
Ein Vertreter des politischen FlĂŒgels der islamistischen Hamas dementierte Berichte, wonach die indirekten Verhandlungen mit Israel ĂŒber eine Waffenruhe und die Freilassung von Geiseln abgebrochen werden. Es treffe nicht zu, dass die Hamas eine solche Entscheidung nach dem israelischen Luftangriff getroffen habe, hieĂ es in einer Mitteilung auf dem Hamas-Kanal bei Telegram.
Israelischen Medienberichten zufolge will der Chef des israelischen Auslandsgeheimdienstes Mossad, Daniel Barnea, in den kommenden Tagen zu einer weiteren Runde der Geisel-GesprÀche in die katarische Hauptstadt Doha reisen.
Bei den seit Monaten laufenden Verhandlungen geht es um den Austausch der verbliebenen Geiseln in der Gewalt der Hamas gegen palĂ€stinensische HĂ€ftlinge in israelischen GefĂ€ngnissen sowie eine Waffenruhe im Gaza-Krieg und die Lieferung humanitĂ€rer HilfsgĂŒter. Die indirekten GesprĂ€che verlaufen schleppend. Israel lehnt bislang die Forderung der Hamas nach einer dauerhaften Waffenruhe ab.
Drei Verletzte bei Terroranschlag
Bei einem mutmaĂlichen Terroranschlag sind drei Menschen nahe der israelischen Stadt Ramla zum Teil schwer verletzt worden. Nach Angaben von Polizei und Rettungsdienst fuhr der TĂ€ter mit einem Auto in eine Gruppe von FuĂgĂ€ngern an einer Bushaltestelle. Die Haltestelle liegt an einer Kreuzung in unmittelbarer NĂ€he einer Kaserne. Ein Polizeisprecher sagte, der aus Ost-Jerusalem stammende Fahrer des Wagens sei «neutralisiert» worden - dabei blieb unklar, ob er getötet oder verletzt wurde.
In Hebron im Westjordanland nahmen Grenzpolizisten Medienberichten zufolge eine 37 Jahre alte PalÀstinenserin fest, in deren Tasche ein Messer gefunden worden war. Sie wird verdÀchtigt, einen Messerangriff geplant zu haben. Den Berichten zufolge gab sie nach ihrer Festnahme an, ihr Mann sei als Mitglied der islamistischen Hamas in einem israelischen GefÀngnis inhaftiert.
Weitere Demonstrationen fĂŒr Geisel-Deal in Israel
In Israel demonstrierten am Samstagabend erneut Tausende Menschen. Sie forderten Regierungschef Benjamin Netanjahu auf, die noch rund 120 Geiseln in der Gewalt der Hamas nach Hause zu bringen. «Wir fordern, dass Sie aufhören, das Abkommen zu sabotieren, wir fordern, dass Sie das Abkommen unterzeichnen», wurde die Mutter einer Geisel von israelischen Medien zitiert.Â
Israel reagiert auf Beschuss durch Hisbollah
Die israelische Luftwaffe griff am Samstag nach Beschuss durch die proiranische Hisbollah Stellungen der Miliz im SĂŒdlibanon an. Wie die israelische Armee mitteilte, sei die Anlage bombardiert worden, von der aus zuvor Geschosse auf den Norden Israels abgefeuert worden seien.Â
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