Steinmeier und Duda ehren Opfer des Warschauer Aufstands
01.08.2024 - 14:44:10BundesprÀsident Frank-Walter Steinmeier und der polnische PrÀsident Andrzej Duda haben gemeinsam die Opfer des Warschauer Aufstands 1944 geehrt. 80 Jahre nach der verzweifelten Erhebung gegen die deutsche Besatzung legten sie KrÀnze an einem Denkmal im Stadtteil Wola nieder. Direkt nach dem 1. August 1944 war dieser ein Schauplatz schwerer deutscher Kriegsverbrechen. Zur Abschreckung ermordeten Soldaten dort binnen weniger Tage etwa 30.000 polnische Zivilisten.
«Sie wurden aus den HĂ€usern geholt, ihre HĂ€user wurden niedergebrannt, sie selbst wurden auf den StraĂen erschossen, ihre Leichen verbrannt», sagte Duda ĂŒber das sogenannte Massaker von Wola. Insgesamt wurden bei dem 63 Tage wĂ€hrenden Aufstand gegen die deutsche Besatzung etwa 200.000 polnische MĂ€nner, Frauen und Kinder getötet. Die polnische Untergrundarmee hatte mit der Erhebung versucht, ihre Hauptstadt aus eigener Kraft von der deutschen Besatzung zu befreien.
BundesprÀsident kniet vor Kranz
Duda nannte es einen symbolischen Moment, dass der BundesprĂ€sident am Gedenken an den Warschauer Aufstand teilnehme. Steinmeier stand vor dem Kranz erst still und ging dann in die Knie, um die Schleife zu richten. Er hatte bei einer Rede am Mittwochabend um Vergebung fĂŒr die von Deutschen begangenen GrĂ€ueltaten gebeten. Gleichzeitig hatte er Deutsche und Polen aufgerufen, sich fĂŒr ein gemeinsames Europa einzusetzen und die Ukraine zu unterstĂŒtzen.Â
Mit Duda traf der BundesprĂ€sident auch zu einem politischen GesprĂ€ch zusammen. Dabei ging es nach Angaben aus dem BundesprĂ€sidialamt unter anderem um den Stand des geplanten Deutsch-Polnischen Hauses in Berlin, das fĂŒr beide Seiten ein Erinnerungs- und Begegnungsort werden soll. AuĂerdem tauschten sich die PrĂ€sidenten ĂŒber die sicherheitspolitische Lage in Europa, ĂŒber die Ukraine sowie die kommenden Wahlen in den USA aus.
Forderungen nach Wiedergutmachung
Bei der Kranzniederlegung wie schon bei Steinmeiers Rede am Aufstands-Denkmal am Vorabend forderten einige Demonstranten Reparationen fĂŒr die von Deutschland im Zweiten Weltkrieg angerichteten SchĂ€den. Sie riefen auf Polnisch «Reparacje» oder skandierten auf Deutsch «Wir fordern Kriegsreparationen».
Angesichts der enormen Menschenverluste und SchĂ€den ist diese Frage auch beim heutigen EU- und Nato-Nachbarn Polen aktuell. Vor allem die frĂŒhere nationalkonservative Regierung hat gegenĂŒber Deutschland eine Milliardenrechnung aufgemacht. Die jetzige Mitte-Links-Regierung gibt sich zurĂŒckhaltender. Aus Sicht der Bundesregierung gibt es keinen Rechtsanspruch mehr auf Reparationen. Berlin möchte eher mit Warschau an gemeinsamen Projekten arbeiten, die auch ĂŒberlebenden Opfer zugutekommen.
Tausende singen die alten Kampflieder
Der 80. Jahrestag des Aufstands wird in Polen in diesem Jahr mit besonders vielen Veranstaltungen begangen - auch eingedenk der Tatsache, dass es eine der letzten Gelegenheiten zur Begegnung mit Zeitzeugen ist. Selbst die MĂ€nner und Frauen, die schon als Kinder kĂ€mpften oder als SpĂ€her oder Kuriere dienten, sind heute ĂŒber 90 Jahre alt. Das Gedenken hat seine eigenen Rituale. Immer am 1. August um 17.00 Uhr nachmittags hĂ€lt ganz Warschau inne, der Verkehr ruht, weil um diese Zeit der Aufstand begann. Abends versammeln sich Tausende Menschen auf dem Pilsudski-Platz, um gemeinsam Lieder der Aufstandszeit zu singen. In Deutschland ist der polnische Warschauer Aufstand von 1944 weniger bekannt als der jĂŒdische Aufstand im Warschauer Ghetto und wird oft verwechselt.Â
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