Kosovo: Serbische Armee kommt aus drei Richtungen
30.09.2023 - 21:13:41Der Konflikt zwischen Serbien und dem Kosovo nimmt bedrohliche AusmaĂe an. Pristina warf Belgrad vor, mit MilitĂ€r in Richtung des Kosovos vorgerĂŒckt zu sein - und zwar «aus drei verschiedenen Richtungen».
Das geht aus einer Mitteilung der kosovarischen Regierung vom Abend hervor, die auch der Deutschen Presse-Agentur per E-Mail vorliegt. Das VorrĂŒcken diene «einer möglichen militĂ€rischen Aggression gegen die Republik Kosovo».
Einheiten der Zweiten Brigade der serbischen Armee seien aus Richtung Raska in Richtung der Nordgrenze Kosovos gezogen, Einheiten der Dritten Brigade aus der Region Nis in Richtung der nordöstlichen Grenze und Einheiten der Vierten Brigade aus der Region Vranje in Richtung der Ostgrenze, schrieb die Regierung in Pristina weiter.
Serbien habe am Freitag MilitĂ€r und Polizei in 48 vorgeschobene Operationsbasen entlang der Grenze zum Kosovo geschickt, im serbischen Hoheitsgebiet, einige Kilometer von der kosovarischen Grenze entfernt. Dabei habe Serbien Flugabwehrsysteme und schwere Artillerie in Stellung gebracht. Kosovo sei in Abstimmung mit internationalen Partnern «entschlossener denn je, die territoriale IntegritĂ€t zu schĂŒtzen», hieĂ es in der ErklĂ€rung der Regierung.
Serbien dementiert militÀrische Absichten
Serbiens PrĂ€sident Aleksander Vucic dementierte im GesprĂ€ch mit der «Financial Times» jede Absicht zu einem militĂ€rischen Schlag gegen das Kosovo. Er werde vielmehr den Befehl zum RĂŒckzug serbischer Truppen geben, da eine Eskalation bei Belgrads EU-Aspirationen «kontraproduktiv» wĂ€re. Serbien werde nicht seine eigenen jahrelangen BemĂŒhungen zerstören. «Serbien will keinen Krieg», sagte er dem Blatt.
Das AuswĂ€rtige Amt in Berlin rief die serbische Regierung in Belgrad zur Deeskalation auf. «Wichtig, dass Serbien unverzĂŒglich Truppen an der Grenze reduziert», schrieb das Amt auf der Internetplattform X (vormals Twitter). Berlin stehe mit seinen Partnern «in intensivem Kontakt» mit allen Seiten. Der politische Prozess mĂŒsse «dringend» fortgesetzt werden.
USA besorgt wegen Lage
Am Freitag hatte sich Washington besorgt ĂŒber den serbischen Truppenaufmarsch an der Grenze zum Kosovo geĂ€uĂert. US-AuĂenminister Antony Blinken telefonierte mit Vucic, der den Aufmarsch starker Truppenteile jedoch bestritt und von «Unwahrheiten» sprach.
Auslöser der neuen Spannungen war am vergangenen Sonntag der Angriff eines 30-köpfigen, schwer bewaffneten serbischen Kommandotrupps in der Ortschaft Banjska bei Mitrovica im Nordkosovo auf kosovarische Polizisten. Dabei waren drei serbische Angreifer sowie ein kosovarischer Polizist getötet worden.
Der kosovo-serbische Spitzenpolitiker und GeschĂ€ftsmann Milan Radoicic bekannte sich zu diesem Ăberfall. Er behauptete, die Aktion auf eigene Faust ausgefĂŒhrt und keine offiziellen Stellen in Serbien darĂŒber informiert zu haben. Die Regierung in Pristina hĂ€lt einen Alleingang Radoicic' fĂŒr ausgeschlossen.
Das heute fast ausschlieĂlich von Albanern bewohnte Kosovo hatte sich 1999 mit Nato-Hilfe von Serbien abgespalten und 2008 fĂŒr unabhĂ€ngig erklĂ€rt. Mehr als 100 LĂ€nder, darunter auch Deutschland, erkennen die UnabhĂ€ngigkeit an, nicht aber Serbien, das seine einstige Provinz zurĂŒckfordert.







