Milan Radoicic, Aleksandar Vucic

Kosovo: Serbische Armee kommt aus drei Richtungen

30.09.2023 - 21:13:41

Der Dauerkonflikt zwischen Serbien und dem Kosovo lÀsst den Balkan nicht zur Ruhe kommen. Sticheleien gehören zur Tagesordnung, doch dabei scheint es jetzt nicht mehr zu bleiben. Dennoch bestreitet Belgrad böse Absichten.

  • Der serbische PrĂ€sident Aleksandar Vucic (Archivbild). Die USA haben ein «beispielloses» Aufgebot von serbischer Artillerie und Panzern an der Grenze zum Kosovo ausgemacht. - Foto: Darko Vojinovic/AP/dpa

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  • Die kosovarische Polizei zeigt nach den KĂ€mpfen mit dem Kommandotrupp beschlagnahmte Waffen und militĂ€rische AusrĂŒstung. - Foto: Visar Kryeziu/AP/dpa

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  • Kosovo-Polizisten durchsuchen ein Restaurant und ein GebĂ€ude im nördlichen Teil der Stadt Mitrovica. - Foto: Radul Radovanovic/AP

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Der serbische PrĂ€sident Aleksandar Vucic (Archivbild). Die USA haben ein «beispielloses» Aufgebot von serbischer Artillerie und Panzern an der Grenze zum Kosovo ausgemacht. - Foto: Darko Vojinovic/AP/dpaDie kosovarische Polizei zeigt nach den KĂ€mpfen mit dem Kommandotrupp beschlagnahmte Waffen und militĂ€rische AusrĂŒstung. - Foto: Visar Kryeziu/AP/dpaKosovo-Polizisten durchsuchen ein Restaurant und ein GebĂ€ude im nördlichen Teil der Stadt Mitrovica. - Foto: Radul Radovanovic/AP

Der Konflikt zwischen Serbien und dem Kosovo nimmt bedrohliche Ausmaße an. Pristina warf Belgrad vor, mit MilitĂ€r in Richtung des Kosovos vorgerĂŒckt zu sein - und zwar «aus drei verschiedenen Richtungen».

Das geht aus einer Mitteilung der kosovarischen Regierung vom Abend hervor, die auch der Deutschen Presse-Agentur per E-Mail vorliegt. Das VorrĂŒcken diene «einer möglichen militĂ€rischen Aggression gegen die Republik Kosovo».

Einheiten der Zweiten Brigade der serbischen Armee seien aus Richtung Raska in Richtung der Nordgrenze Kosovos gezogen, Einheiten der Dritten Brigade aus der Region Nis in Richtung der nordöstlichen Grenze und Einheiten der Vierten Brigade aus der Region Vranje in Richtung der Ostgrenze, schrieb die Regierung in Pristina weiter.

Serbien habe am Freitag MilitĂ€r und Polizei in 48 vorgeschobene Operationsbasen entlang der Grenze zum Kosovo geschickt, im serbischen Hoheitsgebiet, einige Kilometer von der kosovarischen Grenze entfernt. Dabei habe Serbien Flugabwehrsysteme und schwere Artillerie in Stellung gebracht. Kosovo sei in Abstimmung mit internationalen Partnern «entschlossener denn je, die territoriale IntegritĂ€t zu schĂŒtzen», hieß es in der ErklĂ€rung der Regierung.

Serbien dementiert militÀrische Absichten

Serbiens PrĂ€sident Aleksander Vucic dementierte im GesprĂ€ch mit der «Financial Times» jede Absicht zu einem militĂ€rischen Schlag gegen das Kosovo. Er werde vielmehr den Befehl zum RĂŒckzug serbischer Truppen geben, da eine Eskalation bei Belgrads EU-Aspirationen «kontraproduktiv» wĂ€re. Serbien werde nicht seine eigenen jahrelangen BemĂŒhungen zerstören. «Serbien will keinen Krieg», sagte er dem Blatt.

Das AuswĂ€rtige Amt in Berlin rief die serbische Regierung in Belgrad zur Deeskalation auf. «Wichtig, dass Serbien unverzĂŒglich Truppen an der Grenze reduziert», schrieb das Amt auf der Internetplattform X (vormals Twitter). Berlin stehe mit seinen Partnern «in intensivem Kontakt» mit allen Seiten. Der politische Prozess mĂŒsse «dringend» fortgesetzt werden.

USA besorgt wegen Lage

Am Freitag hatte sich Washington besorgt ĂŒber den serbischen Truppenaufmarsch an der Grenze zum Kosovo geĂ€ußert. US-Außenminister Antony Blinken telefonierte mit Vucic, der den Aufmarsch starker Truppenteile jedoch bestritt und von «Unwahrheiten» sprach.

Auslöser der neuen Spannungen war am vergangenen Sonntag der Angriff eines 30-köpfigen, schwer bewaffneten serbischen Kommandotrupps in der Ortschaft Banjska bei Mitrovica im Nordkosovo auf kosovarische Polizisten. Dabei waren drei serbische Angreifer sowie ein kosovarischer Polizist getötet worden.

Der kosovo-serbische Spitzenpolitiker und GeschĂ€ftsmann Milan Radoicic bekannte sich zu diesem Überfall. Er behauptete, die Aktion auf eigene Faust ausgefĂŒhrt und keine offiziellen Stellen in Serbien darĂŒber informiert zu haben. Die Regierung in Pristina hĂ€lt einen Alleingang Radoicic' fĂŒr ausgeschlossen.

Das heute fast ausschließlich von Albanern bewohnte Kosovo hatte sich 1999 mit Nato-Hilfe von Serbien abgespalten und 2008 fĂŒr unabhĂ€ngig erklĂ€rt. Mehr als 100 LĂ€nder, darunter auch Deutschland, erkennen die UnabhĂ€ngigkeit an, nicht aber Serbien, das seine einstige Provinz zurĂŒckfordert.

@ dpa.de