Italien trauert um Ex-PrÀsidenten Giorgio Napolitano
23.09.2023 - 03:05:27Italien trauert um seinen ehemaligen PrĂ€sidenten Giorgio Napolitano, der auch international hoch angesehen war. Der ehemals kommunistische Politiker starb am Freitagabend im Alter von 98 Jahren in einem Krankenhaus in Rom. Ăber alle politischen Grenzen hinweg bekundeten ihm die Parteien in seinem Heimatland Respekt.
Napolitano war von 2006 bis 2015 achteinhalb Jahre lang Italiens Staatsoberhaupt - so lange wie kein anderer. Zu seinen Ehren wurden die Flaggen auf halbmast gesetzt. Zudem soll er am Dienstag ein StaatsbegrÀbnis in Rom bekommen.
Auch im Ausland wurde die Lebensleistung des Politikers gewĂŒrdigt, der zu den prĂ€genden Figuren der italienischen Nachkriegsgeschichte gehört. BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier bezeichnete ihn als «auĂergewöhnlichen Mann, ein europĂ€isches Geschichtsbuch mit scharfem Blick fĂŒr RealitĂ€ten». Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron nannte ihn einen Â«ĂŒberzeugten EuropĂ€er». Auch Papst Franziskus und Russlands PrĂ€sident Wladimir Putin Ă€uĂerten Beileid.
Wichtiger Ansprechpartner fĂŒrs Ausland
Der einstige Kommunist war in Italien der erste PrĂ€sident, der wiedergewĂ€hlt wurde. Auch international genoss er hohes Ansehen. WĂ€hrend der Eurokrise war er fĂŒr viele Regierungen aus dem Ausland in Rom wichtigster Ansprechpartner. Aufgrund seines hohen Alters trat er im Januar 2015 vorzeitig zurĂŒck. Die letzten Jahre verbrachte er zurĂŒckgezogen.
Italiens heutige ultrarechte MinisterprĂ€sidentin Giorgia Meloni sprach der Witwe Clio Napolitano ihr Beileid aus. PrĂ€sident Sergio Matterella wĂŒrdigte seinen VorgĂ€nger als «Garant der Werte» der italienischen Gesellschaft, der diese Aufgabe stets treu zur Verfassung und mit hoher Intelligenz ausgeĂŒbt habe.
Widerstand gegen deutsche Besatzung
Napolitano wurde 1925 in der sĂŒditalienischen Stadt Neapel geboren, die er zehn Legislaturperioden lang als Abgeordneter im Parlament vertrat. 1945 wurde er Mitglied der Kommunistischen Partei (PCI), wo er es bis ins PolitbĂŒro schaffte. Die PCI galt viele Jahre als wichtigste kommunistische Partei Westeuropas. Napolitano wurde dort zum ReformflĂŒgel gerechnet.
Noch vor dem Fall der Berliner Mauer 1989 sprach er sich fĂŒr die Umbenennung der PCI aus, die dann zur Linkspartei PDS wurde. In den 1990er Jahren war Napolitano PrĂ€sident der Abgeordnetenkammer und dann Innenminister einer Mitte-Links-Regierung. Zwischenzeitlich saĂ er auch im Europaparlament. FĂŒr seine Verdienste bekam er den Titel eines Senators auf Lebenszeit verliehen.
PrĂ€sident fĂŒr achteinhalb Jahre
2006 wurde Napolitano als erster Ex-Kommunist zum PrĂ€sidenten gewĂ€hlt. Entgegen der eigenen ursprĂŒnglichen PlĂ€ne trat er 2013 fĂŒr eine zweite Amtszeit an, nachdem alle BemĂŒhungen um eine Nachfolge gescheitert waren.
Im Quirinalspalast - dem Sitz des Staatsoberhaupts in Rom - genoss Napolitano ĂŒber die Parteigrenzen hinweg hohe AutoritĂ€t. Insgesamt hatte er es mit fĂŒnf MinisterprĂ€sidenten zu tun. Vielfach galt er als moralisches Korrektiv zum rechtspopulistischen Regierungschef Silvio Berlusconi, der 2011 zurĂŒcktreten musste. Napolitano bereitete damals den Weg fĂŒr eine Expertenregierung.


