Trumps, Verurteilung

So what? Was Trumps Verurteilung fĂŒr die US-Wahl bedeutet

Veröffentlicht am: 31.05.2024 um 03:57 Uhr | dpa.de

Der Ex-PrĂ€sident der Vereinigten Staaten ist nun ein verurteilter StraftĂ€ter. Doch es sieht so aus, als wĂŒrde das Donald Trumps Ambitionen auf eine weitere Amtszeit nicht sonderlich beeintrĂ€chtigen.

Trump hat sich an den Supreme Court gewendet - ohne Erfolg. (Archivbild) - Bild: Mark Peterson/POOL New York Magazine/AP/dpa
Trump hat sich an den Supreme Court gewendet - ohne Erfolg. (Archivbild) - Bild: Mark Peterson/POOL New York Magazine/AP/dpa

Ein verurteilter StraftĂ€ter als PrĂ€sident? Geht nicht? Geht doch. In den Vereinigten Staaten des Jahres 2024 scheint nichts mehr unmöglich. Donald Trump hat schon viele Grenzen des Vorstellbaren ĂŒberschritten. Nun sichert sich der Republikaner ein neues Alleinstellungsmerkmal: Als erster Ex-PrĂ€sident der Vereinigten Staaten ist der 77-JĂ€hrige in einem Strafverfahren schuldig gesprochen worden - wegen der Verschleierung einer Schweigegeldzahlung an eine Pornodarstellerin.

Na und? So erstaunlich die historische Verurteilung eines Ex-PrĂ€sidenten und aktuellen PrĂ€sidentschaftsbewerbers ist, so erstaunlich ist, dass Trump womöglich ohne grĂ¶ĂŸeren Schaden davonkommen wird. Und dass er seinen Versuch, wieder ins Weiße Haus einzuziehen, vorerst unbeirrt fortsetzen kann. 

Die Wahl

Die Verurteilung hĂ€lt Trump rechtlich nicht davon ab, wie geplant bei der PrĂ€sidentenwahl im November anzutreten. Die Verfassung schreibt nur drei Anforderungen vor: AnwĂ€rter mĂŒssen qua Geburt US-BĂŒrger sein, mindestens 35 Jahre alt und seit mindestens 14 Jahren in den USA leben. Andere Vorgaben gibt es nicht. Trump könnte sich selbst dann zur Wahl stellen, wenn er in Haft sĂ€ĂŸe. Ein solches Beispiel aus der US-Geschichte gibt es sogar: Der Sozialist Eugene Debs bestritt die PrĂ€sidentschaftswahl 1920 aus dem GefĂ€ngnis, wenn auch erfolglos. 

Dass Trump am Ende tatsĂ€chlich ins GefĂ€ngnis kommen könnte, halten Experten trotz des Schuldspruchs aber ohnehin fĂŒr eher unwahrscheinlich. Das Strafmaß wird am 11. Juli verkĂŒndet - vier Tage vor dem Beginn des Nominierungsparteitags der Republikaner, bei dem Trump offiziell zum PrĂ€sidentschaftskandidaten gekĂŒrt werden soll.

Der Richter könnte die Strafe zur BewĂ€hrung aussetzen, Hausarrest verfĂŒgen, am Ende nur eine Geldstrafe verhĂ€ngen oder Trump zu gemeinnĂŒtziger Arbeit verpflichten. Die Tatsache, dass Trump noch nie zuvor in einem Strafverfahren verurteilt wurde, ist ein begĂŒnstigender Faktor fĂŒr ihn. 

Vor allem aber wird er Berufung gegen das Urteil einlegen, und das Prozedere dĂŒrfte sich ĂŒber Monate hinziehen. Es gilt als unwahrscheinlich, dass bis zum Wahltermin am 5. November ĂŒberhaupt ein rechtskrĂ€ftiges und damit finales Urteil vorliegt. Es könnte zwar zu der bizarren Situation kommen, dass der Bewerber fĂŒr das höchste Amt im Staat mitten im Wahlkampf BewĂ€hrungsauflagen einhalten muss, sich nur begrenzt bewegen darf oder womöglich Sozialstunden ableisten muss. Ansonsten steht ihm der Schuldspruch aber rein technisch bei der Wahl nicht im Weg.

Die WĂ€hler

Ob ihm das Urteil trotzdem bei der Abstimmung schaden könnte, weil er in der Gunst der WĂ€hler zurĂŒckfĂ€llt, ist fraglich. In landesweiten Umfragen liegt Trump seit Wochen ein bis zwei Prozentpunkte vor dem demokratischen Amtsinhaber Joe Biden. Daran hat auch der Prozess in New York nichts geĂ€ndert, obwohl dieser pikante Details ĂŒber Trumps Sexleben und dubiose GeschĂ€ftspraktiken offenlegte.

In einzelnen Umfragen gab ein kleiner Anteil potenzieller Trump-WĂ€hler zuletzt zwar an, dass sie im Fall einer Verurteilung Â«ĂŒberdenken» könnten, ob sie dem Republikaner ihre Stimme geben. Die meisten von ihnen wĂŒrden nach eigenen Angaben aber nicht fĂŒr Biden stimmen, sondern im Zweifel eher gar nicht wĂ€hlen. Ob dies also das Blatt wenden könnte, ist offen. Trumps Hardcore-AnhĂ€nger stehen ohnehin eisern zu ihm. Und generell sind große Teile der US-Bevölkerung eher unbeeindruckt von seinen Fehltritten. 

Es sind weitaus schlimmere Dinge ĂŒber Trump bekannt als die FĂ€lschung von GeschĂ€ftsunterlagen zur Verschleierung einer Schweigegeldzahlung an einen Pornostar - ohne dass ihm irgendwas davon politisch etwas anhaben konnte. Der traurige Höhepunkt: Vor den Augen der Welt versuchte Trump nach der PrĂ€sidentenwahl 2020, die Niederlage gegen Biden umzukehren, und stachelte seine AnhĂ€nger zu einem Angriff auf das HerzstĂŒck der US-Demokratie an.

Wegen versuchter Wahlmanipulation und anderer schwerwiegender VorwĂŒrfe laufen drei weitere Strafverfahren gegen ihn. Und erst vor ein paar Monaten wurde Trump in einem Zivilprozess zu einer Millionen-Zahlung verurteilt, weil er nach Feststellung des Gerichts eine Frau in den 90er Jahren sexuell missbraucht und spĂ€ter verleumdet hatte. 

Nichts davon beendete seine politische Karriere. Im Gegenteil: Trump hat es zur Paradedisziplin gemacht, jeden rechtlichen Vorwurf in einen persönlichen Vorteil umzumĂŒnzen, sich als «MĂ€rtyrer» zu inszenieren, seine AnhĂ€nger so zu mobilisieren und seine Spendensammlungen anzutreiben.

Sein Narrativ, das politische Establishment versuche ihn mit juristischen Mitteln auszuschalten, verfÀngt bei vielen Amerikanern. Ein Schuldspruch macht es im Trump-Universum auf abstruse Weise quasi nur noch stÀrker und befeuert dort eine Jetzt-erst-recht-MentalitÀt, wie Reaktionen von Trump-AnhÀngern nach dem Schuldspruch zeigen. 

Die Partei

Trump hat seine Partei fester im Griff denn je - trotz aller Skandale. Nach dem Sturm auf das Kapitol am 6. Januar 2021 sah es fĂŒr einen kurzen Moment so aus, als sei er politisch fĂŒr immer erledigt. Damals gingen selbst treue WeggefĂ€hrten zunĂ€chst auf Distanz zu ihm. Doch aus Angst vor der Parteibasis, die dem Republikaner zum Teil blind folgt, kehrte einer nach dem anderen zurĂŒck an Trumps Seite. Sein Durchmarsch bei den parteiinternen PrĂ€sidentschaftsvorwahlen hat gezeigt, dass er der klare Frontmann der Republikaner ist.

Die gesamte Parteiprominenz unterstĂŒtzt die PrĂ€sidentschaftsbewerbung des 77-JĂ€hrigen öffentlich und kritisiert das juristische Vorgehen gegen ihn als politisch motiviert. Dass sich einer von ihnen wegen des Schuldspruchs nun abwenden könnte, ist nicht abzusehen. Im Gegenteil: Auch beim Prozess in New York ließ Trump demonstrativ reihenweise Parteikollegen auflaufen zur obligatorischen SolidaritĂ€tsbekundung - vor allem jene, die in seiner möglichen nĂ€chsten Regierung etwas werden wollen. 

Die anderen Prozesse

Der Schuldspruch hat auch keine nennenswerten Auswirkungen auf die anderen Strafverfahren. Der Ex-PrĂ€sident ist noch in drei anderen FĂ€llen angeklagt: In zwei Verfahren in der Hauptstadt Washington und im Bundesstaat Georgia geht es um seine Versuche, den Wahlausgang von 2020 umzukehren. In einem weiteren Verfahren in Miami ist er angeklagt wegen der unrechtmĂ€ĂŸigen Aufbewahrung hochsensibler Regierungsunterlagen.

Die VorwĂŒrfe in diesen drei FĂ€llen sind weitaus schwerwiegender als die im New Yorker Prozess. Einer der Anklagepunkte unter vielen: Verschwörung gegen die Vereinigten Staaten. Doch mit Verzögerungstaktik und juristischen WinkelzĂŒgen hat Trump es geschafft, sĂ€mtliche dieser Verfahren zu torpedieren und den Prozessauftakt in allen drei FĂ€llen hinauszuschieben. 

Der bedeutsame Wahlbetrugs-Prozess gegen ihn in Washington steht sogar komplett auf der Kippe. Denn zunĂ€chst muss nun der Supreme Court als höchstes Gericht der Vereinigten Staaten darĂŒber entscheiden, ob Trump nicht möglicherweise immun gegen Strafverfolgung in dem Fall ist. Das dĂŒrfte dann auch Auswirkungen auf die beiden Verfahren in Georgia und Florida haben. Momentan sieht es danach aus, dass keiner dieser Prozesse ĂŒberhaupt vor dem Wahltag stattfinden wird.

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