Tod von Oury Jalloh: Familie zieht vor Menschenrechtsgericht
06.07.2023 - 11:49:14Die Familie des 2005 in einer Polizeiwache in Sachsen-Anhalt verbrannten Asylbewerbers Oury Jalloh zieht vor den EuropĂ€ischen Gerichtshof fĂŒr Menschenrechte (EGMR).
Der Bruder des Toten habe am Montag Klage eingereicht, teilte ein Gerichtssprecher in StraĂburg mit. Der KlĂ€ger beruft sich demnach unter anderem auf das Recht auf Leben aus der EuropĂ€ischen Menschenrechtskonvention, auf das Verbot der Folter und das Diskriminierungsverbot.
Gefesselt auf einer Matratze in der Zelle
Vor mehr als 18 Jahren war der aus Sierra Leone stammende Jalloh gefesselt auf einer Matratze liegend in einer Zelle in Dessau in Sachsen-Anhalt gestorben. Er war betrunken und stand unter Drogen. Ob er die Matratze selbst anzĂŒndete, ist nach zwei Landgerichtsprozessen bis heute unklar.
Nach den Ermittlungen der Behörden soll Jalloh den Brand selbst gelegt haben, obwohl er an HĂ€nden und FĂŒĂen gefesselt war. Ein Polizist wurde 2012 verurteilt, weil er nicht dafĂŒr gesorgt hatte, dass der Mann korrekt beaufsichtigt wurde. In einem 300-seitigen Untersuchungsbericht stellten zwei Sonderermittler zahlreiche Fehler der Polizei und anderer Behörden fest.
War es Mord?
Mehrere Initiativen, Freunde und Familie des Gestorbenen sprechen von «Mord» und von «offensichtlichen MissstĂ€nden und WidersprĂŒchen im Bereich der Polizeiarbeit».
Ein Urteil ist frĂŒhestens in einigen Monaten zu erwarten, wohl eher in einigen Jahren. Der EuropĂ€ische Gerichtshof fĂŒr Menschenrechte mit Sitz im französischen StraĂburg gehört zum Europarat und ist von der EU unabhĂ€ngig. Europarat und Gerichtshof setzen sich fĂŒr den Schutz der Menschenrechte in den 46 Mitgliedstaaten ein.


