Konfliktforscher, USA

Konfliktforscher: USA unter Trump im Autoritarismus angekommen

24.06.2025 - 01:00:00

Der Friedens- und Konfliktforscher Christopher Daase sieht in den US-MilitĂ€rschlĂ€gen gegen Iran unmittelbar vor dem Nato-Gipfel eine "zusĂ€tzliche Belastung" fĂŒr das BĂŒndnis.

"Einmal mehr mĂŒssen sich die EuropĂ€er fragen, ob die USA auch ihre Interessen vertreten. So sehr man die EindĂ€mmung des iranischen Nuklearprogramms begrĂŒĂŸen mag, so sehr muss Europa die Folgen dieses PrĂ€ventivkrieges fĂŒr das Völkerrecht fĂŒrchten", sagte Daase der "Neuen OsnabrĂŒcker Zeitung" (NOZ). "In Zukunft kann jeder beliebige Krieg mit der BegrĂŒndung begonnen werden, einer zukĂŒnftigen Bedrohung zuvorzukommen. Das mag fĂŒr die USA nicht schlimm sein, fĂŒr Europa schon", so der Politikwissenschaftler vom Leibniz-Institut fĂŒr Friedens- und Konfliktforschung. Große Erwartungen an den Nato-Gipfel in Den Haag hat der Experte nicht.

"Ob die USA, was wĂŒnschenswert wĂ€re, die Bestandsverpflichtung ausdrĂŒcklich bekrĂ€ftigen, daran habe ich meine Zweifel. Ein Erfolg wĂ€re es schon, wenn es nicht zu einem Skandal kommt", sagte Daase. Dass die USA langfristig ihre Rolle in der Nato reduzieren wollten, sei klar. "Wichtig wĂ€re fĂŒr die EuropĂ€er zu wissen, in welchen Schritten das geschieht", sagte Daase. "GegenwĂ€rtig geht ohne die Nato nichts. Deshalb muss man die USA auch unter Trump bei der Stange halten, solange es geht. Parallel dazu gilt es aber, die europĂ€ischen FĂ€higkeiten zur Verteidigung zu stĂ€rken." Zwischen den EuropĂ€ern und den USA unter der Trump-Administration gibt es nach Ansicht des Konfliktforschers immer weniger gemeinsame Werte. "Die USA sind unter Trump im Autoritarismus angekommen. Sie haben ihre Funktion als stabilisierender Faktor in der Welt verloren", sagte Daase: "MilitĂ€risch mögen die USA stark sein, aber das, was sie frĂŒher an Softpower hatten, was sie als politisches Modell attraktiv gemacht hat, das ist Vergangenheit. Damit verstĂ€rkt und beschleunigt Trump den weltpolitischen Abstieg der USA. Und so etwas wird natĂŒrlich auch in Moskau aufmerksam beobachtet."

@ dts-nachrichtenagentur.de