Ex-Regierungschef, Stubb

Ex-Regierungschef Stubb wird neuer PrÀsident von Finnland

11.02.2024 - 20:31:09

Der frĂŒhere MinisterprĂ€sident Alexander Stubb entscheidet nach der ersten Wahlrunde auch die Stichwahl fĂŒr sich. Es wird am Ende knapper als erwartet.

  • In der ersten Wahlrunde erhielten der konservative Stubb und der GrĂŒnen-Politiker Haavisto vor zwei Wochen die meisten Stimmen der neun Kandidatinnen und Kandidaten. - Foto: Sergei Grits/AP/dpa

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  • PrĂ€sidentschaftskandidat Pekka Haavisto gibt seine Stimme in Helsinki ab. - Foto: Mikko Stig/Lehtikuva/AP/dpa

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  • Alexander Stubb ist neuer PrĂ€sident in Finnland. - Foto: Emmi Korhonen/Lehtikuva/dpa

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In der ersten Wahlrunde erhielten der konservative Stubb und der GrĂŒnen-Politiker Haavisto vor zwei Wochen die meisten Stimmen der neun Kandidatinnen und Kandidaten. - Foto: Sergei Grits/AP/dpaPrĂ€sidentschaftskandidat Pekka Haavisto gibt seine Stimme in Helsinki ab. - Foto: Mikko Stig/Lehtikuva/AP/dpaAlexander Stubb ist neuer PrĂ€sident in Finnland. - Foto: Emmi Korhonen/Lehtikuva/dpa

Der frĂŒhere Regierungschef Alexander Stubb wird neuer PrĂ€sident von Finnland. Der 55-JĂ€hrige setzte sich bei einer Stichwahl um die PrĂ€sidentschaft knapper als erwartet gegen seinen 65 Jahre alten Kontrahenten Pekka Haavisto durch.

Nach AuszĂ€hlung aller WĂ€hlerstimmen kam Stubb auf 51,6 Prozent der Stimmen, Haavisto auf 48,4 Prozent. Haavisto gratulierte Stubb bereits vorher zum Sieg, als sich der Wahlausgang am Abend in einer verlĂ€sslichen Hochrechnung des Rundfunksenders Yle ankĂŒndigte. 

Der konservative Stubb sagte, es handle sich um die grĂ¶ĂŸte Ehre seines Lebens. Das Amt des PrĂ€sidenten sei eine Aufgabe, die grĂ¶ĂŸer als eine Person sei. Er fĂŒhle sich ruhig und demĂŒtig, aber gleichzeitig auch unendlich glĂŒcklich und dankbar. Die Wahlbeteiligung lag bei 70,7 Prozent.

Haavisto erfolgreicher Zweitplatzierter

Der GrĂŒnen-Abgeordnete Haavisto, der unter der frĂŒheren MinisterprĂ€sidentin Sanna Marin Außenminister war, wird damit zum dritten Mal in Serie bei einer PrĂ€sidentschaftswahl Zweiter. Er hatte bereits bei den beiden vorherigen Wahlen einem Politiker der konservativen Nationalen Sammlungspartei - dem bis heute amtierenden Sauli Niinistö - den Vortritt lassen mĂŒssen.

Dennoch ist das knappe Wahlergebnis ein Erfolg fĂŒr ihn: So viele Stimmen bekam er vorher noch nie, nur knapp 100.000 trennten ihn am Ende von Stubb. Umfragen hatten Stubb vor dem Wahltag einen deutlicheren Vorsprung vorhergesagt.

Stubb gehört derselben Partei wie Regierungschef Petteri Orpo an, der ihn 2016 als Parteivorsitzender abgelöst hatte. Stubb war von Mitte 2014 bis Mitte 2015 selbst finnischer MinisterprĂ€sident und hatte davor und danach auch verschiedene Ministerposten inne. Zuletzt war er Professor am EuropĂ€ischen Hochschulinstitut in Florenz. Da er als proeuropĂ€isch und entschiedener UnterstĂŒtzer der Ukraine gilt, wird mit keinen grĂ¶ĂŸeren Auswirkungen auf die finnische Russland-Politik infolge der Wahl gerechnet.

Stichwahl notwendig

Bei der ersten Wahlrunde vor zwei Wochen hatten Stubb und Haavisto die meisten Stimmen aller neun Kandidatinnen und Kandidaten erhalten. Dabei schalteten sie andere Schwergewichte der finnischen Politik wie den rechtspopulistischen ParlamentsprĂ€sidenten Jussi Halla-aho und den frĂŒheren EU-WĂ€hrungskommissar Olli Rehn aus. Weil jedoch keiner der Kandidaten eine absolute Mehrheit erzielte, kam es zur Stichwahl zwischen den beiden stĂ€rksten Kandidaten.

Der neue PrĂ€sident wird das Amt planmĂ€ĂŸig am 1. MĂ€rz von Niinistö ĂŒbernehmen. Der 75-JĂ€hrige durfte nach zwei sechsjĂ€hrigen Amtszeiten nicht noch einmal kandidieren. Er hatte Finnland unter dem Eindruck des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine nach jahrzehntelanger militĂ€rischer BĂŒndnisfreiheit in die Nato gefĂŒhrt - unter tatkrĂ€ftiger UnterstĂŒtzung von Haavisto, der als damaliger Außenminister im April 2023 die Nato-Beitrittsurkunde des nordischen Landes unterzeichnet hatte.

PrĂ€sident fĂŒr Außenpolitik wichtig

Anders als in Deutschland wird der PrĂ€sident in Finnland direkt vom Volk gewĂ€hlt, er spielt in der Politik auch eine aktivere Rolle als in vielen anderen europĂ€ischen LĂ€ndern. Zu seinen wichtigsten Aufgaben zĂ€hlt, zusammen mit der Regierung ĂŒber die Außen- und Sicherheitspolitik zu entscheiden, Regierungsmitglieder zu ernennen und Gesetze abzusegnen. Er ist auch Oberbefehlshaber der finnischen StreitkrĂ€fte. Aus der Innenpolitik hĂ€lt er sich dagegen weitgehend heraus.

Finnland grenzt auf einer LĂ€nge von 1340 Kilometern an Russland. Mit Blick auf den großen Nachbarn im Osten hatte das EU-Land lange Zeit versucht, eine angemessene Ost-West-Balance zu finden. Durch den russischen Krieg gegen die Ukraine und den darauffolgenden finnischen Nato-Beitritt hat sich das VerhĂ€ltnis zu Moskau jedoch drastisch verschlechtert. Die ÜbergĂ€nge entlang der russisch-finnischen Landesgrenze sind seit mehreren Monaten geschlossen, erst vor wenigen Tagen wurde diese Maßnahme von der finnischen Regierung bis Mitte April verlĂ€ngert. Die finnische Regierung wirft den russischen Behörden vor, Asylbewerber absichtlich und ohne die nötigen Papiere an die Grenze zu bringen, um Finnland so vor Probleme zu stellen. Der Kreml dementierte das.

@ dpa.de