DokumentenaffÀre: Trump offenbar erneut angeklagt
09.06.2023 - 03:07:42Der frĂŒhere US-PrĂ€sident Donald Trump ist eigenen Worten zufolge erneut von der US-Justiz angeklagt worden. Seine AnwĂ€lte seienÂ ĂŒber den Vorgang, der offenbar mit den Ermittlungen zu der AffĂ€re um geheime Regierungsdokumente zu tun habe, unterrichtet worden, schrieb Trump bei dem von ihm mitbegrĂŒndeten Portal «Truth Social».
Trump war bereits in New York in Zusammenhang mit Schweigegeldzahlungen an einen Pornostar angeklagt und Anfang April dem Richter vorgefĂŒhrt worden.
Geheimdokumente im Privathaus
Die Bundespolizei FBI hatte Trumps Privatanwesen Mar-a-Lago in Florida im August durchsucht und diverse Verschlusssachen beschlagnahmt, einige mit höchster Geheimhaltungsstufe. Dadurch, dass der Republikaner die Unterlagen lange nach seinem Abschied aus dem Amt in seinem Privathaus aufbewahrt hatte, könnte er sich strafbar gemacht haben. Das Nationalarchiv versuchte monatelang, von Trump Papiere aus dessen Amtszeit zu bekommen. Zwar hatten Trumps AnwĂ€lte schlieĂlich Dokumente ĂŒbergeben - aber lĂ€ngst nicht alle, wie sich bei der FBI-Durchsuchung des Anwesens Mar-a-Lago herausstellte.
«Die korrupte Biden-Regierung hat meine AnwĂ€lte darĂŒber informiert, dass gegen mich Anklage erhoben wurde, anscheinend wegen des Schwindels (von angeblichen Geheim-Dokumenten) in Kisten (...)», schrieb Trump, ohne klar zu machen, wer sein Team genau kontaktiert hatte. Er sei vorgeladen worden und mĂŒsse am Dienstag um 15.00 Uhr (Ortszeit) vor Gericht in Miami zu erscheinen. «Ich hĂ€tte es nie fĂŒr möglich gehalten, dass so etwas einem ehemaligen PrĂ€sidenten der Vereinigten Staaten passieren wĂŒrde (...)», schrieb er weiter. Er fĂŒgte hinzu: «ICH BIN EIN UNSCHULDIGER MANN!» Es handle sich um «einen dunklen Tag» fĂŒr die USA.
Am Mittwoch hatten US-Medien bereits berichtet, dass eine weitere Anklage gegen Trump nĂ€her rĂŒcken könnte, weil das Team von Sonderermittler Jack Smith das Trump-Lager informiert hatte, dass der 76-JĂ€hrige Zielperson der Untersuchung sei.
Trump bezeichnete das Vorgehen der US-Justiz als «Wahleinmischung auf höchster Ebene». In einem ebenfalls bei «Truth Social» veröffentlichten Video warf er US-PrÀsident Joe Biden und seinen Demokraten einmal mehr vor, eine politisch motivierte Hexenjagd gegen ihn zu betreiben. «Sie versuchen, unseren Ruf zu zerstören, damit sie eine Wahl gewinnen», sagte er an seine AnhÀnger gerichtet.
Auch Ermittlungen zum 6. Januar
Das US-Justizministerium hatte den unabhĂ€ngigen Sonderermittler Smith im November eingesetzt, um die politisch heiklen Ermittlungen gegen Trump auszulagern. Smith kĂŒmmert sich zum einen um die Untersuchungen im Zusammenhang mit geheimen Regierungsdokumenten. Zum anderen befasst er sich mit Trumps Rolle bei dem Sturm auf das US-Kapitol am 6. Januar 2021 und dessen BemĂŒhungen, den Ausgang der PrĂ€sidentenwahl 2020 zu beeinflussen.
Ein Untersuchungsausschuss hatte dem Justizministerium strafrechtliche Ermittlungen empfohlen. Er wirft Trump unter anderem Aufruhr, Behinderung eines öffentlichen Verfahrens sowie Verschwörung gegen die US-Regierung vor. Die Empfehlung des Ausschusses ist allerdings nicht bindend.
Trump wettert seit langem, seine Gegner wĂŒrden lediglich versuchen, ihn an einem Wiedereinzug ins WeiĂe Haus 2024 zu hindern. Er hatte seine Bewerbung um die PrĂ€sidentschaftskandidatur fĂŒr die Republikaner im November offiziell angekĂŒndigt. Bisher liegt er in Umfragen unter ParteianhĂ€ngern vorn - bis zur endgĂŒltigen Entscheidung kann aber noch viel passieren.
Weitere FÀlle in New York und Georgia
Gegen Trump laufen noch weitere Ermittlungen. Alle Augen waren zuletzt auf den Fall in New York gerichtet, der zur ersten Anklage eines Ex-PrĂ€sidenten wegen einer Straftat in der US-Geschichte fĂŒhrte und in dem er auf «nicht schuldig» plĂ€dierte. Im Bundesstaat Georgia ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Trump zudem wegen möglicher Wahlmanipulation. In einem anderen Fall wurde Trump schon belangt - zumindest indirekt. Sein Immobilienkonzern wurde in New York unter anderem wegen Steuerbetrugs zu einer Geldstrafe verurteilt. Der Ex-PrĂ€sident war dabei nicht persönlich angeklagt gewesen.
Auch bei US-PrĂ€sident Biden waren als geheim eingestufte Regierungsdokumente aus seiner Zeit als VizeprĂ€sident unter Barack Obama in RĂ€umlichkeiten gefunden worden, in denen sie nicht hĂ€tten aufbewahrt werden dĂŒrfen. Auch hier ist ein unabhĂ€ngiger Sonderermittler tĂ€tig. In Bidens Fall geht es aber um deutlich weniger Dokumente. Nach Darstellung des WeiĂen Haus hat Biden sich auch nicht geweigert, Dokumente zu ĂŒbergeben.


