Trump verlÀsst G7-Gipfel vorzeitig wegen Nahost-Krise
17.06.2025 - 02:37:15US-PrĂ€sident Donald Trump verlĂ€sst den G7-Gipfel in Kanada vorzeitig wegen des Krieges zwischen Israel und dem Iran. «PrĂ€sident Trump wird heute Abend nach Washington zurĂŒckkehren, um sich um viele wichtige Angelegenheiten zu kĂŒmmern», teilte seine Sprecherin Karoline Leavitt am Montagabend (Ortszeit) mit. Sie nannte die Lage in Nahost als Grund.Â
Trump hatte zuvor angedeutet, dass der Iran zu Verhandlungen bereit sei und er sich darum kĂŒmmern werde, sobald er vom G7-Treffen heimkehre. Gleichzeitig bestehen BefĂŒrchtungen, dass die USA aktiv in die militĂ€rische Auseinandersetzung eingreifen könnten, was eine ganz neue Eskalation bedeuten wĂŒrde.
Eine geschwÀchte G7-Runde
Die vorgezogene Abreise des US-PrĂ€sidenten vom G7-Gipfel in Kananaskis ist ein DĂ€mpfer fĂŒr die Gruppe der fĂŒhrenden demokratischen WirtschaftsmĂ€chte. Das Treffen in Kananaskis galt als BewĂ€hrungsprobe dafĂŒr, ob die Runde noch im Stande ist, bei groĂen internationalen Themen eine gemeinsame Linie zu finden. Durch Trumps RĂŒckkehr ins Amt des PrĂ€sidenten ist das Konfliktpotenzial in dem Format deutlich gewachsen. Das zeigte sich bereits zum Auftakt des Gipfels beim Thema Russland.Â
WĂ€hrend Trump noch vor der ersten Arbeitssitzung den Ausschluss Russlands aus der Gruppe fĂŒhrender WirtschaftsmĂ€chte als «groĂen Fehler» bedauerte, drĂ€ngten die EuropĂ€er auf hĂ€rtere Sanktionen, um die Kriegsmaschinerie von PrĂ€sident Wladimir Putin zu stoppen. Trump reagierte darauf zurĂŒckhaltend und machte klar, dass er keinen gemeinsamen VorstoĂ zu Sanktionen gegen Moskau plant. Die EuropĂ€er könnten hier vorangehen, schlug er vor und sagte zugleich, dass er US-Sanktionen kritisch sehe.
Trumps Solo-Nahost-MissionÂ
Nun machte Trump auch mit Blick auf den Nahen Osten klar, dass eine Abstimmung mit den G7-Partnern fĂŒr ihn keine PrioritĂ€t hat, sondern er die Dinge lieber selbst in die Hand nimmt.Â
«Es wurde viel erreicht, aber wegen der Ereignisse im Nahen Osten wird PrÀsident Trump heute Abend nach dem Abendessen mit den Staatschefs abreisen», schrieb Leavitt auf der Plattform X.
Trump hĂ€tte ursprĂŒnglich am Dienstagabend Ortszeit aus Kanada zurĂŒck nach Washington aufbrechen sollen. Die G7-LĂ€nder hatten ihren Gipfel erst am Montag begonnen und haben fĂŒr heute noch mehrere Runden auf dem Programm - auch mit mehreren GastlĂ€ndern. Unter anderem wird der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj als Gast bei dem Gipfel erwartet - Selenskyj hatte sich dort auch mit Trump alleine treffen wollen. Der US-PrĂ€sident ist derzeit aber mehr mit dem Krieg zwischen dem Iran und Israel beschĂ€ftigt als mit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine.
Die Krise in Nahost
Israel attackiert seit der Nacht zu Freitag Ziele im Iran - darunter Atomanlagen, fĂŒhrende MilitĂ€rs, Atomwissenschaftler, Verteidigungsstellungen, Ziele in StĂ€dten und Ăl- und Erdgasfelder. Das erklĂ€rte Hauptziel ist es, die Islamische Republik an der heimlichen Entwicklung von Atomwaffen zu hindern. Der Iran reagierte mit Gegenangriffen auf Israel.Â
Der Krieg zwischen den beiden Erzfeinden ist eine bedeutsame Eskalation der ohnehin dramatischen Lage im Nahen Osten. Israel fĂŒhrt seit Oktober 2023 auch einen Krieg gegen die islamistische Hamas im Gaza-Streifen - in Reaktion auf einen verheerenden Hamas-Angriff auf israelischem Boden. Durch den militĂ€rischen Konflikt zwischen dem Iran und Israel droht ein FlĂ€chenbrand in der gesamten Region.Â
Der Iran sieht die USA als HauptunterstĂŒtzer Israels mit in der Verantwortung. Es besteht auch die BefĂŒrchtung, dass die FĂŒhrung des Irans auch VergeltungsschlĂ€ge gegen amerikanische StĂŒtzpunkte im Nahen Osten anordnen könnte. Dann wĂŒrden die USA selbst zurĂŒckschlagen, wie PrĂ€sident Donald Trump ankĂŒndigte - und die nĂ€chste dramatische Eskalationsstufe wĂ€re erreicht. Das Gleiche wĂ€re der Fall, wenn die USA Israel militĂ€risch aktiv helfen wĂŒrden, bestimmte iranische Atomanlagen anzugreifen, die Experten zufolge tief unter der Erde liegen.Â
Neue AtomgesprÀche mit dem Iran?
Die Trump-Regierung hatte in den vergangenen Monaten auf dem Verhandlungsweg versucht, eine EindĂ€mmung des iranischen Atomprogramms zu erreichen. Unter Vermittlung des Golfstaats Oman gab es direkte GesprĂ€che zwischen Vertretern Washingtons und Teherans.Â
Nach der militĂ€rischen Eskalation zwischen Israel und dem Iran wurde eine geplante weitere GesprĂ€chsrunde zunĂ€chst abgesagt. Laut einem Bericht des «Wall Street Journals» will der Iran nun aber an den Verhandlungstisch zurĂŒckkehren. Teheran habe Vermittlern aus arabischen Staaten mitgeteilt, dass es zu GesprĂ€chen ĂŒber sein Atomprogramm bereit sei, solange die USA sich nicht an den Angriffen beteiligten, schrieb das Blatt.
Auch Trump sagte in Kananaskis, die Iraner wollten reden. «Ich denke, es wird ein Abkommen unterzeichnet werden», sagte der Republikaner. Andernfalls werde etwas passieren, schob er nach, ohne konkreter zu werden. «Es wird ein Abkommen unterzeichnet werden, und ich denke, der Iran ist dumm, wenn er es nicht unterzeichnet.» Teheran sitze «praktisch schon am Verhandlungstisch», betonte er. «Sie wollen einen Deal machen, und sobald ich hier weg bin, werden wir etwas unternehmen.»Â
Oder eine dramatische Wende im Iran?
Kurz darauf veröffentlichte Trump auf der Plattform X eine kryptische Warnung an die Einwohner der iranischen Hauptstadt. «Jeder sollte Teheran sofort verlassen», schrieb der US-PrĂ€sident dort. Teheran wird seit Tagen von israelischen Angriffen erschĂŒttert. Dort leben schĂ€tzungsweise rund 9 Millionen Menschen, im GroĂraum Teheran sollen es insgesamt um die 15 Millionen Menschen sein. Es blieb unklar, was der Beweggrund fĂŒr Trumps Evakuierungsaufruf war.
Israel hatte am Nachmittag zunĂ€chst zur Evakuierung eines rund 300.000 Einwohner zĂ€hlenden Teheraner Stadtteils aufgerufen. Kurz darauf wurde dort das HauptgebĂ€ude eines staatlichen Senders getroffen. Auch der israelische MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu hatte die Einwohner Teherans zur Flucht aufgerufen.Â
Das US-MilitĂ€r unterstĂŒtzt Israels Verteidigung. Gleichzeitig betont die US-Regierung bislang, dass sie sich nicht an den Kampfhandlungen zwischen Israel und dem Iran beteiligt.





