Krieg, Dutzende

Zwei Jahre Krieg: Dutzende LĂ€nder fordern Putins RĂŒckzug

24.02.2024 - 03:53:37

Der Gaza-Krieg nimmt viel Platz in der internationalen Diplomatie ein. Umso wichtiger ist nun eine Forderung Dutzender Außenminister an Wladimir Putin im Ukraine-Konflikt.

Zwei Jahre nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine haben UN-GeneralsekretĂ€r AntĂłnio Guterres und Dutzende LĂ€nder von PrĂ€sident Wladimir Putin den RĂŒckzug seiner Truppen verlangt. Bundesaußenministerin Annalena Baerbock wies derweil Forderungen nach Verhandlungen mit Moskau zurĂŒck. Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba verlas in New York eine gemeinsame ErklĂ€rung von mehr als 50 Nationen.

«Wir erneuern unsere Forderung an Russland, seinen Aggressionskrieg gegen die Ukraine einzustellen», sagte Kuleba. Russland solle einen «vollstĂ€ndigen, sofortigen und bedingungslosen RĂŒckzug» aller EinsatzkrĂ€fte von international anerkanntem ukrainischem Staatsgebiet sicherstellen. In New York hatte es zum Jahrestag zwei hochrangig besetzte Treffen von UN-Vollversammlung und Weltsicherheitsrat gegeben, zu denen auch Baerbock angereist war.

«Es ist höchste Zeit fĂŒr Frieden - einen gerechten Frieden, der auf der Charta der Vereinten Nationen, dem Völkerrecht und den Resolutionen der Vollversammlung basiert», sagte UN-Chef AntĂłnio Guterres vor dem Sicherheitsrat. Zudem warnte der 74-jĂ€hrige Portugiese vor einer Ausweitung des Konfliktes in Osteuropa. Zahlreiche Kriegsverbrechen vor allem der russischen StreitkrĂ€fte mĂŒssten ebenso aufgeklĂ€rt und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden.

«Das Glas ist halb voll»

GrĂŒnen-Politikerin Baerbock sagte in ihrer Rede vor dem mĂ€chtigsten UN-Gremium, man höre Aufrufe, man solle mit Putin verhandeln. Doch dieser mache deutlich, dass er nicht ĂŒber Frieden verhandeln wolle, sondern seine «Eroberungen» komplettieren wolle. «Russland, ein stĂ€ndiges Mitglied dieses Rates, möchte, dass ein souverĂ€ner Staat sein Existenzrecht aufgibt. Wo wĂ€ren wir, wenn sich dieses Prinzip durchsetzen wĂŒrde», fragte Baerbock in den Saal. Kuleba schwor in seiner Ansprache, die Ukraine werde niemals «ein Angebot zur Kapitulation oder zur Abtretung unserer LĂ€ndereien und Freiheiten unter dem Deckmantel des Friedens annehmen».

Zuvor hatte Außenministerin Baerbock betont, die Ukraine habe 50 Prozent der von Russland eingenommenen Gebiete und das Schwarze Meer wieder freigekĂ€mpft. Die Ukraine werde zudem bald Mitglied der EuropĂ€ischen Union sein. Die UnterstĂŒtzung des Landes habe sich deswegen nicht nur gelohnt, «sondern das Glas ist halb voll».

Baerbock wies auf das kĂŒrzlich unterzeichnete bilaterale deutsch-ukrainische Sicherheitsabkommen hin, das der Ukraine verlĂ€ssliche und dauerhafte UnterstĂŒtzung biete. «Wir stehen an der Seite der Ukraine», versicherte die Bundesaußenministerin. Ähnlich Ă€ußerte sich auch der britische Außenminister David Cameron: «Wir werden nicht schwanken, wir werden standhaft fĂŒr die Freiheit der Ukraine eintreten».

Sein französischer Amtskollege StĂ©phane SĂ©journĂ© verurteilte russische Kriegsverbrechen wie Massaker an Zivilisten sowie Vergewaltigungen, Folter und die Verschleppung ukrainischer Kinder: «Diese Verbrechen dĂŒrfen nicht ungestraft bleiben». Die amerikanische UN-Botschafterin Linda Thomas-Greenfield erinnerte Moskau an seine Schuld: «In diesem Krieg ist nur eine Partei der Aggressor. Und nur eine Partei kann es beenden.»

US-Außenminister Antony Blinken war nicht nach New York gereist, genauso wie seine Amtskollegen aus China und Russland. Moskaus Vertreter Wassili Nebensja nutzte seine Rede, um die westlichen Staaten der Doppelmoral und einer heimlichen Agenda in der Ukraine zu beschuldigen.

Keine neue Resolution der UN-Vollversammlung

Anders als im vergangenen Jahr gab es in der Vollversammlung keine Abstimmung einer Resolution gegen Russland. Im Februar 2023 hatten 141 der 193 Mitgliedstaaten fĂŒr einen Beschluss gestimmt, der Russlands PrĂ€sidenten Putin zum RĂŒckzug seiner Truppen aufforderte - ein historisch klares Ergebnis. Ein neuerliches Zeichen der StĂ€rke gab es in diesem Jahr nicht - auch weil befĂŒrchtet wurde, dass ein Votum nach hinten losgehen könnte.

Die Stimmung habe sich seit vergangenem Jahr geĂ€ndert, erklĂ€rten Diplomaten in New York. Einerseits habe dies mit Israels Krieg im Gazastreifen zu tun, der viel Aufmerksamkeit gebunden habe. Anderseits nĂ€hmen einige LĂ€nder der Ukraine ihr Abstimmungsverhalten in der Vollversammlung bezĂŒglich Gaza ĂŒbel: Im Dezember hatte Kiew sich enthalten, als das grĂ¶ĂŸte UN-Gremium ĂŒber einen Resolutionsentwurf fĂŒr eine Waffenruhe in Gaza abstimmte.

@ dpa.de