Eskalation in Nahost: Iranischer Gegenangriff auf Israel
13.06.2025 - 22:08:08 | dpa.deNach den massiven Luftangriffen der israelischen StreitkrĂ€fte auf Nuklearanlagen und MilitĂ€reinrichtungen im Iran hat die FĂŒhrung in Teheran mit Raketenbeschuss auf Israel reagiert. Die israelische Armee rief die Bevölkerung auf, sich in SchutzrĂ€ume zu begeben - dann waren Explosionen zu hören. Nach Angaben von israelischen RettungskrĂ€ften gab es 15 Verletzte, Nachrichtenportale berichteten von mindestens 35 Verletzten. Laut Medienberichten wurde ein Hochhaus im GroĂraum Tel Aviv direkt getroffen.
Iranische Staatsmedien meldeten drei Angriffswellen. Die Rede war von Hunderten Raketen. Nach Angaben der Revolutionsgarden zielten diese auf Dutzende militĂ€rische Ziele und LuftwaffenstĂŒtzpunkte. «Die StreitkrĂ€fte der Islamischen Republik werden diesem verruchten zionistischen Feind gewiss vernichtende SchlĂ€ge versetzen», schrieb Irans Staatsoberhaupt Ajatollah Ali Chamenei auf der Nachrichtenplattform X.
Die USA halfen laut unbestĂ€tigten Medienberichten ihrem VerbĂŒndeten Israel bei der Raketenabwehr. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle fĂŒr Menschenrechte mit Sitz in GroĂbritannien fing das US-MilitĂ€r eine Rakete ĂŒber Syrien ab. In Jordanien seien «Flugobjekte» in mehreren Gegenden abgestĂŒrzt, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Petra.Â
Israel attackiert ĂŒber 100 Ziele im Iran
Die Attacken waren die Antwort auf den massiven Angriff, den Israel in der Nacht auf Freitag auf den Iran gestartet hatte. Der GroĂangriff galt vor allem dem Atomprogramm des Landes. Getroffen wurden mehr als 100 Ziele unter anderem in den MillionenstĂ€dten Teheran, Tabris und Schiras sowie die unterirdische Atomanlage Natans. Auch eine Uranumwandlungsanlage Isfahan war nach israelischen Angaben Ziel.Â
Westliche Staaten wollen den Iran am Bau einer Atombombe hindern - Teheran bestreitet, das als Ziel zu verfolgen. Verhandlungen zwischen Washington und Teheran ĂŒber ein neues Abkommen zur Begrenzung der NuklearaktivitĂ€ten blieben bislang aber erfolglos. Der israelische Generalstabschef Ejal Zamir sagte mit Blick auf das iranische Atomprogramm: «Wir haben diese Operation begonnen, weil die Zeit gekommen ist â wir befinden uns an einem Punkt ohne Umkehr.» Er fĂŒgte hinzu: «Wir können es uns nicht leisten, auf einen anderen Zeitpunkt zu warten, wir haben keine andere Wahl.»
Der israelische StaatsprĂ€sident Izchak Herzog begrĂŒndete den GroĂangriff mit einer existenziellen Bedrohung des jĂŒdischen Volkes. Israel ist bislang die einzige Atommacht der Region.
Laut iranischen Angaben wurden auch fĂŒhrende Köpfe des MilitĂ€rs getötet, darunter der Kommandeur der mĂ€chtigen Revolutionsgarden, Hussein Salami, der Generalstabschef Mohammed Bagheri und der Kommandeur der LuftstreitkrĂ€fte der iranischen Revolutionsgarden, Brigadegeneral Amir Ali Hadschisadeh. Zugleich wurden iranischen Berichten zufolge mindestens sechs fĂŒhrende Wissenschaftler und Professoren aus den Bereichen Nuklear und Physik getötet. Die Forscher kamen bei nĂ€chtlichen Angriffen auf ihre Wohnungen in Teheran ums Leben.Â
Iran droht nach israelischen Angriffen mit Vergeltung
Israels MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu hatte am Freitag von einem «Eröffnungsschlag» gesprochen. «Diese Operation wird so viele Tage andauern, wie es braucht, um diese Bedrohung zu beseitigen», sagte der Regierungschef. Den ganzen Tag ĂŒber gab es immer wieder neue Berichte oder Mitteilungen von Angriffen, Explosionen oder aktiver Luftabwehr. Die FĂŒhrung der Islamische Republik wertete die Luftangriffe als KriegserklĂ€rung und drohte mit Vergeltung. Eigenen Angaben zufolge schossen die iranischen StreitkrĂ€fte mehrere Drohnen und zwei israelische Kampfjets ab. Das dementierte Israel spĂ€ter.Â
Laut israelischen Medien ist die militĂ€rische Eskalation von der Regierung in Tel Aviv jahrelang vorbereitet worden. Einheiten des Auslandsgeheimdienstes Mossad hĂ€tten bereits im Vorfeld der Angriffe PrĂ€zisionswaffen, Fahrzeuge und Drohnenbasen in der NĂ€he von Raketensilos und Luftabwehrstellungen platziert. Diese Waffensysteme hĂ€tten zu Beginn der Luftangriffe per Fernsteuerung ihre Ziele mit auĂerordentlicher Genauigkeit getroffen. So seien Luftabwehrstellungen zerstört worden.
Irans «Achse des Widerstands» zunehmend geschwÀcht
Zur Entscheidung fĂŒr den Angriff - ĂŒber den schon seit mehr als ein Jahrzehnt lang diskutiert wird - trug wohl auch die SchwĂ€chung der iranischen «Achse des Widerstands» bei. Nach rund 20 Monaten Gaza-Krieg ist die islamistische Hamas dezimiert, auch die libanesische Hisbollah. Obendrein dient Syrien seit dem Umsturz nicht mehr als Korridor fĂŒr Waffenlieferungen des Irans an die Hisbollah.Â
Der Angriff löst BefĂŒrchtungen aus, dass sich die Spannungen zwischen den beiden hochgerĂŒsteten LĂ€ndern zu einem umfassenden Krieg in der Region ausweiten könnten. Mehrere LĂ€nder und UN-Chef AntĂłnio Guterres riefen die Parteien zu ZurĂŒckhaltung und einem sofortigen Abbau der Spannungen auf.
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