Saudi-Arabien, USA

Wie der Iran-Krieg das US-Saudi-BĂŒndnis unter Druck setzt

09.05.2026 - 05:00:04 | dpa.de

Der Iran-Krieg bringt das VerhÀltnis zwischen den USA und Saudi-Arabien ins Wanken. Riad blockiert einen US-MilitÀreinsatz - und stellt damit eine jahrzehntelange Allianz auf die Probe.

Besonders das VerhÀltnis zwischen Washington und Riad steht unter Druck. (Archivbild) - Bild: Evan Vucci/AP/dpa
Besonders das VerhÀltnis zwischen Washington und Riad steht unter Druck. (Archivbild) - Bild: Evan Vucci/AP/dpa

Seit dem Ausbruch des Iran-Kriegs Ende Februar sind auch die traditionellen Allianzen in der Golfregion einer schweren Belastungsprobe ausgesetzt. Besonders das VerhĂ€ltnis zwischen Washington und Riad steht unter Druck. Im Zuge des Krieges wurden die Golfstaaten – als Stationierungsorte fĂŒr zahlreiche US-Truppen – immer wieder zur Zielscheibe iranischer Angriffe. 

Einst bezeichnete US-PrĂ€sident Donald Trump Saudi-Arabiens Kronprinzen und de-facto Herrscher Mohammed bin Salman noch als «fantastischen Kerl». Heute stellt er ihn zur Schau: «Er sollte lieber nett zu mir sein», sagte er noch zu Beginn des Krieges und fĂŒgte hinzu, der Kronprinz hĂ€tte selbst nie gedacht, dass er sich so sehr bei Trump einschmeicheln wĂŒrde. Bei der Abwehr iranischer Raketen kamen vor allem USA-Abfangraketen zum Einsatz. Doch Saudi-Arabien will nicht noch weiter in den Krieg hineingezogen werden. 

Kommt es nun zum Bruch zwischen den einstigen VerbĂŒndeten? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Was verbindet die USA und Saudi-Arabien?

Die USA und das islamisch-konservative Königreich sind eigentlich seit Jahrzehnten Partner. Die militĂ€rische Zusammenarbeit ist ein zentraler Pfeiler der Beziehungen. Die Vereinigten Staaten sind an mehreren MilitĂ€rstandorten in Saudi-Arabien prĂ€sent. Am grĂ¶ĂŸten LuftwaffenstĂŒtzpunkt Prinz Sultan sind rund 2.000 US-Truppen stationiert.

WĂ€hrend Washington dem Königreich militĂ€rischen Schutz bietet, bleibt Saudi-Arabien als fĂŒhrender Ölproduzent, regionaler Machtfaktor und wichtiger Investor in den USA zentral fĂŒr amerikanische Interessen. Die USA schĂŒtzen Saudi-Arabien insbesondere vor Bedrohungen durch den Iran und mit dem Iran verbĂŒndete Gruppen wie die Huthi im Jemen.

Was ist nun vorgefallen?

Eigentlich wollte Trump in der Straße von Hormus StĂ€rke demonstrieren. Sie ist unter anderem als Transportweg fĂŒr den Export von Öl- und FlĂŒssiggas von entscheidender Bedeutung fĂŒr die Weltwirtschaft. Der Iran hat die Schifffahrt in der Passage seit Kriegsbeginn mit Angriffen und Drohungen praktisch zum Erliegen gebracht.

Am Montag starteten die USA schließlich das «Projekt Freiheit», um die weitgehend blockierte Straße von Hormus wieder fĂŒr den Schiffsverkehr zu öffnen. Doch nur rund einen Tag darauf kĂŒndigt Trump ĂŒberraschend an, den Einsatz «fĂŒr kurze Zeit» auszusetzen. Sein «Projekt Freiheit» wurde jedoch nicht vom Gegner in Teheran ausgebremst, sondern wohl durch den Widerstand der engsten VerbĂŒndeten am Golf. 

Trumps Stopp erfolgte, nachdem Saudi-Arabien den USA die Nutzung eines LuftwaffenstĂŒtzpunktes sowie des saudischen Luftraums zur UnterstĂŒtzung der Initiative untersagt hatte, wie der Sender NBC News unter Berufung auf zwei US-Beamte berichtete. Eine Belastungsprobe fĂŒr die Beziehungen: Ohne saudi-arabische HĂ€fen und LuftwaffenstĂŒtzpunkte ist die US-PrĂ€senz in der Region stark eingeschrĂ€nkt. Laut «Wall Street Journal» hat die amerikanische Initiative den grĂ¶ĂŸten Streit in den militĂ€rischen Beziehungen der USA und Saudi-Arabiens seit Jahren ausgelöst.

Was stört Saudi-Arabien, was die USA?

WĂ€hrend Saudi-Arabien jahrzehntelang der wichtigste Sicherheits- und Energiepartner der USA in der Region war, herrscht nun Misstrauen. Saudi-Arabien fĂŒhlt sich beim Entscheidungsprozess von den USA teilweise ĂŒbergangen und nicht ausreichend berĂŒcksichtigt. 

Riad verfolgt unter Kronprinz Mohammed bin Salman eine «Saudi First»-Politik. Man will die eigene wirtschaftliche Transformation («Vision 2030») nicht durch einen FlĂ€chenbrand gefĂ€hrden, den man als von den USA provoziert ansieht. Die USA wiederum zeigen sich enttĂ€uscht ĂŒber die mangelnde UnterstĂŒtzung ihrer wichtigsten arabischen VerbĂŒndeten. Das einstige Vertrauen ist beschĂ€digt. Die heutigen Beziehungen werden von Beobachtern als nĂŒchterner und weniger loyal beschrieben. 

Wie beeinflusst der laufende Iran-Krieg die Beziehungen?

Der Krieg wirkt wie ein Katalysator fĂŒr die Entfremdung. Der Iran hat bereits mehrfach in den Golfstaaten und auch im einflussreichen Königreich US-StĂŒtzpunkte angegriffen. Angriffe auf die Prinz Sultan Air Base bei Riad haben den Saudis vor Augen gefĂŒhrt, dass sie die Zielscheibe sind, wenn sie den USA militĂ€rischen Handlungsspielraum gewĂ€hren. 

Im Umgang mit dem Iran herrschen zunehmend Differenzen. WÀhrend die USA stÀrker auf militÀrische Abschreckung und Eskalationsbereitschaft setzen, will Saudi-Arabien weitere Eskalationen vermeiden. Riad versucht, NeutralitÀt zu wahren, um nicht tiefer in den Konflikt hineingezogen zu werden. Entscheidungen werden stÀrker nach eigenen Sicherheitsinteressen getroffen, nicht automatisch im Einklang mit den USA. Strategische Kooperationen bleiben jedoch weiterbestehen. 

Nach Informationen des «Wall Street Journal» haben Saudi-Arabien und Kuwait ihre BeschrĂ€nkungen fĂŒr das US-MilitĂ€r inzwischen wieder aufgehoben. Im Fall Saudi-Arabiens sei dies das Ergebnis eines mehrerer Telefonate zwischen Trump und dem Kronprinzen gewesen. 

Was bedeutet das fĂŒr die zukĂŒnftige US-PrĂ€senz in der Region?

Experten sehen ein Ende der uneingeschrÀnkten US-Vorherrschaft. Saudi-Arabien orientiert sich zunehmend multilateral und bezieht auch Vermittler wie Pakistan oder China ein, um einen Ausweg aus der Eskalationsspirale mit dem Iran zu finden. Die US-Regierung muss erkennen, dass ihre Partner am Golf nicht mehr automatisch jede militÀrische Initiative mittragen, wenn ihre eigene nationale Sicherheit unmittelbar auf dem Spiel steht.

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