AuswÀrtiges, Amt

AuswÀrtiges Amt: Deutsche sollen Iran verlassen

13.04.2024 - 03:44:33

Der Israel vom Iran angedrohte Vergeltungsschlag scheint nur eine Frage der Zeit zu sein. Kann die Eskalation der Gewalt einen regionalen Krieg auslösen? Die Ereignisse im Überblick.

Angesichts eines möglicherweise nĂ€her rĂŒckenden iranischen Vergeltungsschlags gegen Israel hat das AuswĂ€rtige Amt in Berlin alle deutsche Staatsangehörige im Iran aufgefordert, das Land zu verlassen. Zugleich warnte es vor Reisen in den Iran. «Die derzeitigen Spannungen in der Region, insbesondere zwischen Israel und Iran, bergen die Gefahr einer plötzlichen Eskalation», teilte das AuswĂ€rtige Amt am Freitagabend mit. Demnach kann sich die Sicherheitslage schnell und ohne Vorwarnung verschlechtern. «Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass von einer Eskalation auch Luft-, Land- und Seetransportwege betroffen sein könnten, mit entsprechenden möglichen BeeintrĂ€chtigungen von Ein- und Ausreisen nach Iran», hieß es weiter. Auch Österreich rief seine Landsleute auf, das Land zu verlassen. Zuvor hatten mehrere LĂ€nder, darunter Großbritannien und Frankreich, Reisewarnungen ausgesprochen. 

Angehörige deutscher Botschaftsmitarbeiter verlassen Teheran

Angesichts der drohenden militĂ€rischen Eskalation verlassen die Familienangehörigen der Entsandten an der deutschen Botschaft in Teheran das Land. Überdies wurden weitere Sicherheitsvorkehrungen getroffen, wie ein Sprecher des AuswĂ€rtigen Amts in Berlin auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur am Samstag mitteilte. Nachmittags sei eine Krisenstabssitzung im AuswĂ€rtigen Amt geplant. Zuvor hatte die «Bild am Sonntag» berichtet. 

Niederlande schließen Vertretungen in Teheran und Erbil

Angesichts eines möglicherweise nĂ€her rĂŒckenden Vergeltungsschlags schließen die Niederlande ihre Botschaften in Teheran sowie im irakischen Erbil am Sonntag fĂŒr Besucher. Dies sei angesichts der steigenden Spannungen zwischen dem Iran und Israel beschlossen worden, teilte das Außenministerium in Den Haag am Samstag mit. Die ĂŒbrige Arbeit dort werde aber fortgesetzt. Im Laufe des Sonntags werde entschieden, ob die Konsularabteilungen der beiden Vertretungen am Montag wieder öffnen. Am Samstag sind die Vertretungen der Niederlande in der Region ohnehin fĂŒr Besucher geschlossen.

US-PrĂ€sident Joe Biden sagte am Freitag, seiner Erwartung nach stehe ein Angriff eher «frĂŒher als spĂ€ter» bevor. Er wolle sich aber nicht zu Geheimdienstinformationen Ă€ußern. Zudem warnte er den Iran. Auf die Frage einer Journalistin, was seine Botschaft an Teheran sei, sagte Biden in Washington: «Lasst es.» Die FĂŒhrung in Teheran warnte wiederum einem Medienbericht zufolge Washington davor, sich in die Konfrontation zwischen Israel und dem Iran einzumischen. Die Sorge vor einer Ausweitung der Eskalation zu einem regionalen FlĂ€chenbrand wĂ€chst. 

Mittlerweile verstĂ€rken die USA ihre MilitĂ€rprĂ€senz in der Region. «Wir verlegen zusĂ€tzliche Mittel in die Region, um die regionalen AbschreckungsbemĂŒhungen zu verstĂ€rken und den Truppenschutz fĂŒr US-StreitkrĂ€fte zu erhöhen», sagte ein US-Verteidigungsbeamter der Deutschen Presse-Agentur am Freitag in Washington.  

Am 1. April waren bei einem mutmaßlich israelischen Luftangriff auf das iranische BotschaftsgelĂ€nde in der syrischen Hauptstadt Damaskus zwei BrigadegenerĂ€le und fĂŒnf weitere Mitglieder der mĂ€chtigen iranischen Revolutionsgarden (IRGC) getötet worden. Die iranische FĂŒhrung hat seitdem mehrfach mit Vergeltung gedroht. Israel mĂŒsse bestraft werden, hatte Irans Staatsoberhaupt Ajatollah Ali Chamenei am Mittwoch bekrĂ€ftigt. Derweil verlĂ€ngerte die deutsche Lufthansa die Aussetzung geplanter FlĂŒge in und aus der iranischen Hauptstadt Teheran bis Donnerstag. 

Israel und USA: Schulter und Schulter

Vor dem Hintergrund der iranischen Bedrohung rĂŒcken Israel und die USA enger zusammen. Der Oberbefehlshaber des US-Regionalkommandos Centcom, General Michael Erik Kurilla, war bereits am Donnerstag zu einem Besuch in Israel eingetroffen. «Unsere Feinde glauben, sie können Israel und die USA auseinanderdividieren», sagte Israels Verteidigungsminister Joav Galant am Freitag nach einem Treffen mit Kurilla. «Aber das Gegenteil ist wahr», sagte er. «Sie bringen uns einander nĂ€her und stĂ€rken unsere Bande. Wir stehen Schulter an Schulter.» US-PrĂ€sident Biden hatte Israel bereits am Donnerstag Israel die «eiserne UnterstĂŒtzung» der USA zugesagt, sollte der Iran seine Angriffsdrohungen wahr machen. «Wir haben uns der Verteidigung Israels verschrieben», sagte er am Freitag. «Wir werden helfen, Israel zu verteidigen, und der Iran wird keinen Erfolg haben.»

Das VerhĂ€ltnis Bidens zu Israels MinisterprĂ€sidenten Benjamin Netanjahu war zuletzt schwer belastet. Der US-PrĂ€sident stieß sich an Netanjahus Weigerung, seine Politik in Hinblick auf den Gaza-Krieg zu Ă€ndern. Die israelische FĂŒhrung macht aus US-Sicht zu wenig, um der Not leidenden palĂ€stinensischen Zivilbevölkerung im Gazastreifen ausreichend humanitĂ€re Hilfe zukommen zu lassen. Washington bemĂ€ngelt zudem, dass Netanjahu keine Bereitschaft zeigt, eine schlĂŒssige Konzeption fĂŒr die - möglichst von PalĂ€stinensern getragene - Verwaltung des Gazastreifens nach Beendigung des Gaza-Kriegs vorzulegen. 

Teheran droht auch den USA

Die FĂŒhrung in Teheran sieht wiederum in Washingtons Engagement fĂŒr Israel Potenzial fĂŒr eine zusĂ€tzliche Eskalation. «Der Iran hat der Biden-Administration ĂŒber Vermittlung mehrerer arabischer LĂ€nder Anfang der Woche eine Botschaft zukommen lassen», schrieb der gewöhnlich gut informierte israelische Journalist Barak Ravid am Freitagabend auf der Nachrichtenseite axios.com unter Berufung auf drei US-Beamte. Die Botschaft habe gelautet: «Wenn die USA in die Konfrontation zwischen Israel und dem Iran eingreifen, dann werden US-StreitkrĂ€fte in der Region zum Zielpunkt von Angriffen.» 

Die USA unterhalten unter anderem StĂŒtzpunkte in Syrien, im Irak und in Jordanien, die im Zuge des Kampfes gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) eingerichtet worden waren. Nach Beginn des Gaza-Kriegs am 7. Oktober griffen mit dem Iran verbĂŒndete Milizen aus Syrien und dem Irak immer wieder diese StĂŒtzpunkte an. Der Iran selbst trat aber dabei nie in Erscheinung. GrĂ¶ĂŸere US-MilitĂ€rbasen befinden sich seit vielen Jahren in den Golfstaaten Bahrain und Katar. Bahrains Hauptstadt Manama ist der Heimathafen der 5. US-Flotte. 

Israels Armee: «Jederzeit und fĂŒr jedes Szenario gerĂŒstet»

Israel gibt sich angesichts der Aussicht auf einen iranischen Angriff selbstsicher. «Die israelischen StreitkrĂ€fte sind bestens vorbereitet, sowohl in Hinblick auf ihre offensiven als auch ihre defensiven FĂ€higkeiten», sagte MilitĂ€rchef Herzi Halevi am Freitag nach einer Lagebesprechung des Generalstabs.  Die Armee beobachte permanent die VorgĂ€nge im Iran und an anderen SchauplĂ€tzen und bereite sich in Abstimmung mit den USA darauf vor, «existierende und potenzielle Bedrohungen zu bewĂ€ltigen». «Unsere StreitkrĂ€fte sind jederzeit und fĂŒr jedes Szenario gerĂŒstet», betonte Halevi. 

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) zeigte sich indes besorgt ĂŒber einen möglicherweise bevorstehenden Vergeltungsangriff des Irans auf Israel. Man nehme die Situation «sehr ernst», sagte Scholz am Freitag in Berlin. Sowohl er als auch Außenministerin Annalena Baerbock (GrĂŒne) hĂ€tten alles unternommen, um dem Iran klarzumachen, «dass es hier nicht (...) zu einer militĂ€rischen AktivitĂ€t kommen darf». 

Iranischer Top-MilitÀr auf BotschaftsgelÀnde in Syrien bei Angriff getötet

Die Konfrontation Israels mit dem Iran ist eine indirekte Folge des Gaza-Kriegs. Die mit dem Iran verbĂŒndete Schiiten-Miliz Hisbollah greift seit Kriegsbeginn aus dem Libanon heraus den Norden Israels an. Bei dem Israel zugeschriebenen Angriff auf das iranische BotschaftsgelĂ€nde in der syrischen Hauptstadt Damaskus am 1. April wurden der iranische Brigadegeneral Mohammad Resa Sahedi, ein hochrangiges Mitglied der iranischen Revolutionsgarden (IRGC), sowie weitere hohe iranische MilitĂ€rs getötet. Sahedi war laut der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim als Kommandeur der IRGC-Auslandseinheit fĂŒr Operationen in Syrien und im Libanon verantwortlich. 

Auslöser des Gaza-Kriegs war das beispiellose Massaker mit mehr als 1200 Toten, das Terroristen der Hamas und anderer Gruppen am 7. Oktober vergangenen Jahres in Israel verĂŒbt hatten. Israel reagierte mit massiven Luftangriffen und einer Bodenoffensive. Angesichts der hohen Zahl ziviler Opfer und der katastrophalen Lage im Gazastreifen steht Israel international immer stĂ€rker in der Kritik. 

@ dpa.de