Israels PrÀsident: Vertrauen in Friedensprozesse verloren
18.01.2024 - 21:21:28Israel muss nach Ansicht von PrĂ€sident Izchak Herzog hart an neuen Wegen fĂŒr einen Dialog mit den PalĂ€stinensern arbeiten. «Die Israelis haben ihr Vertrauen in die Friedensprozesse verloren, weil sie sehen konnten, dass der Terror von unseren Nachbarn verherrlicht wird», sagte Herzog beim Weltwirtschaftsforum in Davos. LĂ€nder, die eine Zweistaatenlösung fordern, mĂŒssen seiner Ansicht nach zunĂ€chst die Frage klĂ€ren, wie Israels Sicherheit dabei gewĂ€hrleistet werden kann.
Derzeit sei die Bereitschaft, ĂŒber ein Friedensabkommen nachzudenken, in Israel gering, sagte Herzog weiter. «Um die AtmosphĂ€re zu Ă€ndern, mĂŒssen wir die Geiseln zurĂŒckbekommen.» Der PrĂ€sident pochte in Davos zudem auf eine Umgestaltung der PalĂ€stinensischen Autonomiebehörde (PA). «Wir mĂŒssen sicherstellen, dass sie Terror nicht verherrlichen, dass sie ihren Kindern nicht beibringen, Juden und Israelis zu hassen», sagte er. Herzog rĂ€umte gleichzeitig ein, dass Israel bereit sein mĂŒsse, mit «potenziellen Partnern» zu verhandeln. Israelis und PalĂ€stinenser mĂŒsse eine bessere Zukunft geboten werden. «Die Menschen wollen zusammen und in Frieden leben.»
Herzog: PalÀstinenser sind uns wichtig
Die humanitĂ€re Notlage palĂ€stinensischer Zivilisten im Gazastreifen nannte Herzog bedauerlich. «Es ist schmerzhaft fĂŒr uns, dass unsere Nachbarn so sehr leiden», sagte er in Davos. Die Feinde Israels hĂ€tten sich aber in dem KĂŒstengebiet verschanzt und Israel mĂŒsse sich gegen diese verteidigen.
«Es ist ein sehr komplizierter Kampf», betont er. «Unsere Nachbarn sind uns wichtig, aber wir sind nicht bereit, angegriffen zu werden.» Israel habe sich angesichts der «menschlichen Tragödie» vom ersten Tag des Kriegs an fĂŒr die Einfuhr von Hilfslieferungen in den KĂŒstenstreifen eingesetzt, betonte Herzog.
Nach dem Terrorangriff der islamistischen Hamas auf Israel am 7. Oktober verhĂ€ngte das Land eine Blockade. Ende Oktober kamen dann wieder Hilfstransporte in das PalĂ€stinensergebiet. Herzog zufolge gibt es derzeit groĂe Probleme damit, die GĂŒter zu verteilen, weil Beschuss drohe. Die gesamte Bevölkerung des Gazastreifens ist UN-Angaben zufolge unmittelbar von einer Hungersnot bedroht.
Armee: Mehrere Dutzend Terroristen im Gazastreifen getötet
Im Gazastreifen töteten indessen Soldaten nach Angaben der israelischen Armee innerhalb von 24 Stunden rund 60 Terroristen. Allein in der Stadt Chan Junis seien am Mittwoch 40 Terroristen ums Leben gekommen, teilte das MilitĂ€r am Donnerstag mit. Israel vermutet, dass sich die FĂŒhrung der islamistischen Hamas im Tunnelnetzwerk im Bereich der Stadt aufhĂ€lt.
Auch bei EinsĂ€tzen im Norden des palĂ€stinensischen KĂŒstengebiets wurden der Armee zufolge Terroristen angegriffen und getötet. Dort sollen die intensiven Kampfhandlungen gegen die islamistische Hamas laut Verteidigungsministerium beendet sein. Alle Angaben lieĂen sich zunĂ€chst nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfen.
Auslöser des Kriegs war der Terrorangriff der Hamas und anderer extremistischer Gruppen auf Israel am 7. Oktober. Mehr als 1200 Menschen wurden dabei getötet und 253 weitere als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Israel reagierte auf den beispiellosen Ăberfall mit massiven Luftangriffen und einer Bodenoffensive im Gazastreifen.
Dabei sollen laut der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde mehr als 24.400 Menschen ums Leben gekommen sein. Nach Angaben der israelischen Armee wurden seit Kriegsbeginn etwa 9000 Mitglieder der islamistischen Hamas und anderer Terrororganisationen getötet.
EU-Parlament fordert dauerhaften Waffenstillstand in Gaza
Das Europaparlament spricht sich fĂŒr einen dauerhaften Waffenstillstand im Krieg in Gaza aus - unter der Voraussetzung, dass alle Geiseln freigelassen und die Terrororganisation Hamas zerschlagen wird. Die Abgeordneten verurteilten sowohl die von der Hamas verĂŒbten «abscheulichen TerroranschlĂ€ge» gegen Israel aufs SchĂ€rfste, als auch die «unverhĂ€ltnismĂ€Ăige militĂ€rische Reaktion Israels, die zu einer beispiellosen Zahl ziviler Todesopfer gefĂŒhrt hat», hieĂ es in einer in StraĂburg verabschiedeten EntschlieĂung.
Israel habe das Recht, sich innerhalb der völkerrechtlichen Grenzen zu verteidigen. Gleichzeitig zeigten sich die Abgeordneten besorgt angesichts der humanitĂ€ren Lage in Gaza. Das Plenum forderte eine europĂ€ische Initiative fĂŒr eine Zweistaatenlösung. EntschlieĂungen des Parlaments sind rechtlich nicht bindend.
Netanjahu: MilitÀrische Kontrolle im Westjordanland nach Krieg
Mit Blick auf mögliche Szenarien nach dem Gaza-Krieg betonte der israelische MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu, dass jede Lösung in absehbarer Zukunft die militĂ€rische Kontrolle Israels ĂŒber das gesamte Westjordanland beinhalten mĂŒsse. Er gestand bei einer Pressekonferenz am Donnerstag ein, dass dies der Idee der SouverĂ€nitĂ€t eines palĂ€stinensischen Staates widerspreche, und fuhr fort: «Was soll man da machen». Diese Wahrheit sage er auch seinen amerikanischen Freunden.
«Aus jedem Gebiet, aus dem wir uns zurĂŒckziehen, bekommen wir Terror, schrecklichen Terror», sagte der Rechtspolitiker. Dies sei im SĂŒdlibanon, im Gazastreifen sowie in Teilen des Westjordanlandes geschehen. Deswegen sei die Kontrolle im Westjordanland so wichtig.
Mit Blick auf eine Zweistaatenlösung auf DrÀngen der USA sagte Netanjahu: «Israels MinisterprÀsident muss imstande sein, auch "nein" zu sagen, wenn es nötig ist, selbst zu unseren besten Freunden.»
Erneut Beschuss an israelisch-libanesischer Grenze
An der Grenze zwischen dem Libanon und Israel kam es erneut zu gegenseitigen Beschuss. Am Donnerstag habe es mehrere RaketenabschĂŒsse auf israelische Orte und Gemeinden an der Grenze zum Nachbarland im Norden gegeben, teilte Israels MilitĂ€r mit. Kampfflugzeuge der Armee hĂ€tten daraufhin Terrorinfrastruktur und Posten der Hisbollah-Miliz im SĂŒdlibanon angegriffen.
US-PrÀsident: Werden Angriffe gegen Huthi-Miliz fortsetzen
Das US-MilitĂ€r wird nach Angaben von US-PrĂ€sident Joe Biden seine Angriffe auf Stellungen der vom Iran unterstĂŒtzten Huthi-Miliz im Jemen fortsetzen. Das machte der Demokrat bei einer Begegnung mit Reportern in Washington deutlich. Er war gefragt worden, ob die Angriffe der USA gegen die Huthi Wirkung erzielten. Darauf antwortete er laut anwesender Presse: «Nun, wenn Sie von Wirkung sprechen, stoppen sie die Huthi? Nein. Werden sie fortgesetzt? Ja.» Der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrates, John Kirby, erklĂ€rte in Bezug auf Bidens Aussage kurz darauf: «Wir nehmen den Huthi ihre FĂ€higkeiten. Mit jedem einzelnen dieser Angriffe. Wir machen es ihnen schwerer, diese Angriffe fortzusetzen.»
Kirby sagte, das US-MilitĂ€r habe am Donnerstag erneut Huthi-Stellungen angegriffen. Es seien einige Antischiffsraketen getroffen worden, die die Huthi fĂŒr einen bevorstehenden Beschuss im Roten Meer vorbereitet hĂ€tten. Bereits in der Nacht zu Donnerstag hatten die USA Stellungen angegriffen. Kirby sagte, die Angriffe wĂŒrden so lange fortgesetzt, wie sie nötig seien. Die Huthi hĂ€tten die Wahl, sie könnten mit ihren Attacken aufhören. Wenn sie das nicht tĂ€ten, stĂŒnden den USA zusĂ€tzliche Möglichkeiten zur VerfĂŒgung - und man zögere nicht, diese zu nutzen. Am Mittwoch hatten die USA die Huthi auf die Liste der weltweit agierender Terrororganisationen gesetzt.





