Aufgeladene Stimmung bei Anhörung zu Antisemitismus an Unis
06.12.2023 - 00:55:03Die PrĂ€sidentinnen dreier Elite-UniversitĂ€ten in den USA haben sich bei einer Anhörung im US-Kongress gegen VorwĂŒrfe verteidigt, nicht genug gegen Antisemitismus auf dem Campus getan zu haben. Der von den Republikanern gefĂŒhrte Bildungsausschuss hatte die PrĂ€sidentinnen von Harvard, der University of Pennsylvania und dem Massachusetts-Institut fĂŒr Technologie (MIT) am Dienstag vorgeladen. Alle drei rĂ€umten antisemitische und islamophobe VorfĂ€lle an ihren UniversitĂ€ten seit dem Angriff der islamistischen Hamas auf Israel am 7. Oktober ein.
Besonders die Republikanerin Elise Stefanik sorgte fĂŒr einige aufsehenerregende Momente wĂ€hrend der Anhörung. Sie fragte etwa, ob der «Aufruf zum Völkermord an den Juden» an den UniversitĂ€ten gegen Richtlinien zu Mobbing und BelĂ€stigung verstoĂe. «Das kann sein, abhĂ€ngig vom Kontext», antwortete etwa Harvard-PrĂ€sidentin Claudine Gay. Auf die Aufforderung, mit «Ja» oder «Nein» zu antworteten, sagte Gay erneut, das hĂ€nge vom Kontext ab. Die anderen PrĂ€sidentinnen Ă€uĂerten sich Ă€hnlich und betonten, es komme etwa darauf an, ob es sich gegen eine Einzelperson richte.
Gay sagte an anderer Stelle in der Anhörung auĂerdem: «Diese Art von hasserfĂŒllten, rĂŒcksichtslosen und beleidigenden ĂuĂerungen sind mir persönlich zuwider.» Man sei aber der freien MeinungsĂ€uĂerung verpflichtet. Das gelte auch bei Ansichten, «die anstöĂig, beleidigend und hasserfĂŒllt» seien. Entscheidend sei, wann derartige ĂuĂerungen in ein «Verhalten» ĂŒbergingen, das gegen die Richtlinien verstoĂe. Man habe deutlich gemacht, dass jegliches Verhalten, das die Lehr- und Forschungsanstrengungen störe, nicht toleriert werde. Stefanik, eine Harvard-Absolventin, hatte bereits vor der Anhörung den RĂŒcktritt Gays gefordert.
Zuletzt hatte sich der Streit ĂŒber den Konflikt in Nahost auch an UniversitĂ€ten und Schulen entladen. US-Medien berichteten ĂŒber VorfĂ€lle körperlicher Gewalt oder deren Androhung. Auf SchulgelĂ€nden tauchten antisemitische und rassistische Graffitis auf. Auf online kursierenden Videos war zu sehen, wie junge Menschen Poster mit Fotos der Hamas-Geiseln herunterreiĂen. Das US-Bildungsministerium hatte wegen antisemitischer und islamophober VorfĂ€lle an US-Bildungseinrichtungen Ermittlungen eingeleitet - darunter gegen Harvard, und die Elite-UniversitĂ€ten Columbia und Cornell.


