Putsch, Ecowas

Ecowas erhöht den Druck auf Junta im Niger

11.08.2023 - 07:28:50

Der Konflikt zwischen der neuen MilitÀrjunta im Niger und der Ecowas verschÀrft sich weiter. Die westafrikanische Staatengemeinschaft will eine Eingreiftruppe aufstellen.

Gut zwei Wochen nach dem MilitÀrputsch im Niger hat die westafrikanische Staatengemeinschaft Ecowas ihre Drohkulisse gegen die neue Junta im Niger weiter verschÀrft.

Gestern Abend verfĂŒgte die Gruppe die «sofortige» Aufstellung einer Eingreiftruppe fĂŒr einen möglichen Einsatz im Niger, wie aus der AbschlusserklĂ€rung eines Gipfeltreffens der westafrikanischen Staatschefs in Nigerias Hauptstadt Abuja hervorging. PrioritĂ€t habe aber eine Wiederherstellung der verfassungsmĂ€ĂŸigen Ordnung mit friedlichen Mitteln.

Gewalt «als letztes Mittel»

Die zwiespĂ€ltige AnkĂŒndigung der Gruppe warf zunĂ€chst viele Fragen auf. Ecowas sprach zwar von einem Einsatz der Eingreiftruppe, gab aber weder Details zur Zusammensetzung der Truppe noch einen möglichen Zeitplan fĂŒr einen Einsatz an. Die AnkĂŒndigung schien darauf ausgerichtet, den Druck auf die neuen MilitĂ€rmachthaber aufrechtzuerhalten - ohne sofort militĂ€rische Fakten zu schaffen. Auch Nigerias PrĂ€sident Bola Tinubu warb in seiner Abschlussrede bei dem Gipfel erneut fĂŒr eine friedliche Lösung des Konflikts mit der MilitĂ€rjunta, schloss Gewalt «als letztes Mittel» jedoch nicht aus.

Am 26. Juli hatte Nigers PrĂ€sidialgarde unter General Abdourahamane Tiani den demokratisch gewĂ€hlten PrĂ€sidenten Mohamed Bazoum in seiner Residenz festgesetzt, weil dieser Beobachtern zufolge Tiani an der Spitze der Eliteeinheit auswechseln wollte. Nach ersten Spekulationen ĂŒber einen internen Machtkampf schlossen sich auch die anderen Zweige der StreitkrĂ€fte dem Putsch an, verkĂŒndeten «das Ende des Regimes» und lösten alle verfassungsmĂ€ĂŸigen Institutionen auf. Tiani ĂŒbernahm die Macht. Unter dem Vorsitz Tinubus hatte die Ecowas bei einem ersten Sondergipfel am 30. Juli Maßnahmen bis hin zu einer MilitĂ€rintervention angedroht. Eine von der Ecowas gesetzte Sieben-Tages-Frist verstrich unterdessen am Sonntag.

Neben der militĂ€rischen AufrĂŒstung beschloss die Staatengruppe eine WeiterfĂŒhrung der Ende Juli verhĂ€ngten Sanktionen. Die Wirtschaftsgemeinschaft hatte Handels- und Finanztransaktionen ausgesetzt, die Grenzen der Nachbarstaaten zum Niger geschlossen und die Zentralbanken angewiesen, Vermögenswerte nigrischer staatlicher und halbstaatlicher Unternehmen sowie der am Putsch beteiligten MilitĂ€rs einzufrieren. Nigeria stellte zudem die Stromlieferungen in den Niger ein. Die Ecowas verurteilte am Donnerstag erneut die illegale Festnahme von PrĂ€sident Bazoum.

US-Regierung: Fokus auf diplomatischer Lösung

Das französische Außenministerium bekrĂ€ftigte am Abend seine «volle UnterstĂŒtzung» fĂŒr die BeschlĂŒsse des Ecowas-Gipfels. Auch US-Außenminister Antony Blinken betonte die FĂŒhrungsrolle der Ecowas bei der Wiederherstellung der verfassungsmĂ€ĂŸigen Ordnung im Niger, ohne jedoch direkt auf ein mögliches militĂ€risches Eingreifen Bezug zu nehmen. Die Demokratie sei die beste Grundlage fĂŒr Entwicklung, sozialen Zusammenhalt und StabilitĂ€t im Niger, teilte Blinken in einem Statement mit. Die USA verurteilen die rechtswidrige Inhaftierung von PrĂ€sident Bazoum, dessen Familie und von Mitgliedern der Regierung und fordern ihre sofortige Freilassung, wie es weiter hieß.

Der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, Pat Ryder, sagte bei einem Briefing in Washington, der Fokus der US-Regierung sei weiterhin auf einer diplomatischen Lösung. Sowohl Frankreich wie auch die USA haben wichtige StĂŒtzpunkte mit je mehr als 1000 Soldaten im Niger. Die Bundeswehr betreibt ein Logistik-Drehkreuz im Land.

Laut Cameron Hudson, Afrika-Analyst am Center for Strategic and International Studies, ist die Ecowas-Entscheidung zunÀchst «starkes Gerede», um den Druck auf die Junta weiter hochzuhalten. Selbst wenn die Ecowas tatsÀchlich ernst machen sollte, brÀuchte es Wochen oder gar Monate, um die Truppe zusammenzustellen. «In Gambia brauchte die Ecowas 2017 sieben Wochen, um sich zu organisieren, und Gambia hat keine Gegenwehr geleistet», schrieb Hudson auf Twitter.

Vor sechs Jahren griff die Ecowas das letzte Mal mit einer MilitĂ€rintervention in einem ihrer MitgliedslĂ€nder ein. Gambias PrĂ€sident Yahya Jammeh wollte damals nach verlorener Wahl seine Macht nicht an seinen Herausforderer Adama Barrow abgeben. Die MilitĂ€rregierungen in Mali und Burkina Faso haben der Junta im Niger bei einem Angriff der Ecowas UnterstĂŒtzung signalisiert.

Im Niger warnten indes Hilfsgruppen vor einer Hungerkrise in Folge des Konflikts. Lebensmittelpreise seien in den vergangenen Wochen in die Höhe geschossen. Ungeachtet dessen stÀrkten Nigers neue Machthaber weiter ihre Macht und benannten eine neue Regierung aus 21 MilitÀrs und Zivilisten.

@ dpa.de