GroĂer serbischer MilitĂ€raufmarsch an Grenze zu Kosovo
29.09.2023 - 21:45:42Die US-Regierung beobachtet nach eigenen Angaben einen «groĂen» serbischen MilitĂ€raufmarsch an der Grenze zum Kosovo. Es beinhalte ein «beispielloses» Aufgebot von Artillerie und Panzern, sagte der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrats, John Kirby, in Washington. «Wir fordern Serbien auf, diese Truppen an der Grenze abzuziehen.»
Die US-Regierung sei besorgt ĂŒber die Situation und beobachte sie seit etwa einer Woche, sagte Kirby. Er bezeichnete das serbische MilitĂ€raufgebot an der Grenze als «destabilisierend». Ăber die Absicht könne er derzeit keine Aussage treffen. Man drĂ€nge die Serben auch ĂŒber diplomatische KanĂ€le, die Truppen zurĂŒckzuziehen.
Kosovo-Serbe Radoicic bekennt sich zu Ăberfall
Zuvor hatte sich der kosovo-serbische Spitzenpolitiker und GeschĂ€ftsmann Milan Radoicic zum Ăberfall eines bewaffneten Kommandotrupps im Nord-Kosovo vor fĂŒnf Tagen bekannt. «Ich habe mich zu dieser Tat entschieden, weil alle bisher angewandten Widerstandsmethoden keine Verbesserung des Lebens des serbischen Volkes (im Kosovo) brachte», schrieb er in einer ErklĂ€rung, die sein Anwalt vor der Presse in Belgrad verlas.
Das heute fast ausschlieĂlich von Albanern bewohnte Kosovo hatte sich 1999 mit Nato-Hilfe von Serbien abgespalten und 2008 fĂŒr unabhĂ€ngig erklĂ€rt. Mehr als 100 LĂ€nder, darunter Deutschland, erkennen die UnabhĂ€ngigkeit an, nicht aber Serbien, das seine einstige Provinz zurĂŒckfordert.
Am vergangenen Sonntag hatte ein 30-köpfiger, schwer bewaffneter serbischer Kommandotrupp in der Ortschaft Banjska bei Mitrovica Stellung bezogen und sich KĂ€mpfe mit der kosovarischen Polizei geliefert. Dabei waren drei serbische Angreifer sowie ein kosovarischer Polizist getötet worden. In seiner ErklĂ€rung behauptete Radoicic, die Aktion auf eigene Faust ausgefĂŒhrt und keine offiziellen Stellen in Serbien darĂŒber informiert zu haben. Zugleich teilte er mit, als Vize-Vorsitzender der Serbischen Liste, der Partei der Kosovo-Serben, zurĂŒckzutreten.
Pristina: Waffen direkt aus den Arsenalen der serbischen Armee
Der Aufenthaltsort von Radoicic ist unbekannt. Nach Angaben des serbischen PrĂ€sidenten Aleksandar Vucic befindet er sich in Serbien. In der Vergangenheit hatte Vucic ĂŒber Radoicic und die Serbische Liste die Politik der Kosovo-Serben bestimmt. Er werde sich den serbischen Behörden fĂŒr Befragungen zur VerfĂŒgung stellen, kĂŒndigte Radoicic in seiner ErklĂ€rung an.
Ziel der Aktion sei es gewesen, die Serben im Kosovo dazu zu ermutigen, «sich dem Terror des Kurti-Regimes zu widersetzen». Die Regierung des kosovarischen MinisterprĂ€sidenten Albin Kurti verfolge die Serben im Kosovo, um das Land «ethnisch zu sĂ€ubern». «Wir sind keine Terroristen, sondern KĂ€mpfer fĂŒr unsere eigenes Volk.»
Die Regierung in Pristina hĂ€lt es fĂŒr ausgeschlossen, dass Radoicic auf eigene Faust handelte. Die kosovarische Polizei stellte im Anschluss an die KĂ€mpfe zum Teil fabrikneue, schwere Waffen wie Granatwerfer und Panzerabwehrrohre sowie militĂ€rische Fahrzeuge sicher. Diese stammten direkt aus den Arsenalen der serbischen Armee, hieĂ es.
Nato verstÀrkt Schutztruppe KFOR
Der Nordatlantikrat, das wichtigste Entscheidungsgremium der Organisation, genehmigte indessen die Entsendung zusĂ€tzlicher StreitkrĂ€fte in das kleine Balkanland, wie das BĂŒndnis in BrĂŒssel mitteilte. Ăber die Zahl der zusĂ€tzlichen Soldaten machte es keine Angaben.
Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur könnte die VerstĂ€rkung von GroĂbritannien gestellt werden. Das Verteidigungsministerium in London hatte erst vor wenigen Monaten mitgeteilt, dass das Vereinigte Königreich noch bis mindestens 2026 einen «entscheidenden Beitrag» zur Schutztruppe leisten wolle.
Die KFOR ist seit 1999 fĂŒr die GewĂ€hrleistung der Sicherheit in dem Land zustĂ€ndig. Derzeit gehören ihr nach jĂŒngsten Angaben etwa 4500 Soldaten aus insgesamt 27 Nato-LĂ€ndern und Partnerstaaten an. Deutschland nahm zuletzt mit rund 80 Soldaten am KFOR-Einsatz teil.
Bereits im Mai hatte das BĂŒndnis eine Aufstockung seiner PrĂ€senz im Kosovo um 700 Mann beschlossen. Damit hatte es auf schwere Ausschreitungen serbischer Mobs gegen KFOR-Soldaten im Nord-Kosovo reagiert. Damals hatten 30 italienische und ungarische Soldaten sowie mehr als 50 Serben Verletzungen erlitten.
USA fordern Serbien zur Deeskalation auf
Die USA haben unterdessen die serbische Seite zur sofortigen Deeskalation und Umsetzung ihrer Verpflichtungen aus dem Normalisierungsabkommen aufgerufen. US-AuĂenminister Antony Blinken und PrĂ€sident Vucic hĂ€tten deshalb miteinander telefoniert, teilte das US-AuĂenministerium in Washington mit.
Blinken habe in dem GesprĂ€ch deutlich gemacht, dass die Verantwortlichen des schweren Ăberfalls vom vergangenen Sonntag, die sich derzeit in Serbien aufhielten, zur Rechenschaft gezogen werden mĂŒssten. Er begrĂŒĂe es, dass die Nato die Entsendung zusĂ€tzlicher StreitkrĂ€fte in das kleine Balkanland genehmigt habe.





