Ukraine-Treffen: Zögerndem Putin drohen neue Sanktionen
14.05.2025 - 15:27:21Die geplanten Verhandlungen in der TĂŒrkei ĂŒber die Beendigung des Ukraine-Kriegs werden schon vor Beginn zu einer Nervenprobe. Der Kreml lĂ€sst weiter offen, wen er an diesem Donnerstag zu den GesprĂ€chen nach Istanbul schickt. PrĂ€sident Wladimir Putin hatte das Treffen selbst vorgeschlagen, sich aber nicht dazu geĂ€uĂert, ob er auch persönlich anreist. Dies wiederum ist eine Forderung der Ukrainer, deren PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj in der TĂŒrkei nach eigenen Worten auf Putin wartet, da dieser allein in Russland das Sagen ĂŒber Krieg und Frieden habe.
Die Besetzung der Delegation werde bekanntgegeben, wenn Putin dazu die Anweisung gebe, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow dazu am Mittwoch einmal mehr. In der Tat werde die russische Delegation die Ukrainer am Donnerstag in Istanbul erwarten.
Kreml will viele technische Fragen besprechen
Die ĂuĂerungen von Putins auĂenpolitischem Berater Juri Uschakow deuten darauf hin, dass der Kremlchef eher nicht in Istanbul zu erwarten ist. «Die Delegation wird politische und - ich wĂŒrde sagen - eine Unmenge an technischen Fragen erörtern. Ausgehend davon wird ihre Zusammensetzung bestimmt», sagte er dem Staatsfernsehen.
Moskau hatte in der Vergangenheit schon deutlich gemacht, dass ein Treffen der Staatschefs gut vorbereitet sein mĂŒsse. Diese kĂ€men in der letzten Phase der Verhandlungen zusammen, wenn die technischen Details geklĂ€rt sind.
Druck auf Putin wÀchst
Derweil werden international die Forderungen nach einer persönlichen Beteiligung Putins an den GesprĂ€chen lauter. Selenskyj begrĂŒndete die Notwendigkeit der Teilnahme Putins damit, dass dieser den Krieg begonnen habe und ihn auch beenden mĂŒsse. Der 72-JĂ€hrige sei nach 25 Jahren an der Macht in Moskau der Einzige, der Entscheidungen in dem Krieg treffe.
US-PrĂ€sident Donald Trump bekrĂ€ftigte am Mittwoch noch einmal seine Bereitschaft, nach Istanbul zu kommen, wenn es eine Chance auf eine Lösung gebe. Russland hatte sein Nachbarland im Februar 2022 ĂŒberfallen, seither wehrt sich die Ukraine mit westlicher Hilfe gegen die Invasion.Â
Inzwischen hat sich auch der brasilianische PrÀsident Luiz Inåcio Lula da Silva eingeschaltet. Noch in China sagte Lula, dass er Putin bitten wolle, in die Bosporus-Metropole zu fliegen. Russischen Medien zufolge ist sein Flieger inzwischen in Moskau gelandet.
Kiew fordert Sanktionen
Wenn Putin nicht erscheine, sei das ein klares Signal fĂŒr die Welt, dass Moskau keinen Frieden wolle und «nicht bereit fĂŒr ernsthafte Verhandlungen» sei, schrieb der Chef der ukrainischen PrĂ€sidialkanzlei, Andrij Jermak, bei Telegram.
Zudem forderte Jermak Sanktionen gegen Russland, falls der Kremlchef nicht in die TĂŒrkei reise. Der Vertraute von PrĂ€sident Selenskyj unterstrich auĂerdem die Wichtigkeit einer Nato-Mitgliedschaft der Ukraine. «Ohne diese wird es keine wirklichen (Sicherheits-)Garantien geben», sagte er.
EU-Staaten einigen sich auf neue Russland-Sanktionen
Die Nato-Mitgliedschaft fĂŒr die Ukraine scheint auĂer Reichweite, doch beim Thema Sanktionen haben sich die EU-Staaten bereits auf ein neues Paket verstĂ€ndigt. Es sieht unter anderem eine weitere VerschĂ€rfung des Vorgehens gegen die sogenannte russische Schattenflotte fĂŒr den Transport von Ăl und Ălprodukten vor, wie Diplomaten nach einer Abstimmung im Ausschuss der stĂ€ndigen Vertreter der 27 Mitgliedstaaten berichteten.
Zudem ist geplant, Dutzende weitere Unternehmen ins Visier zu nehmen, die an der Umgehung bestehender Sanktionen beteiligt sind oder die russische RĂŒstungsindustrie unterstĂŒtzen.
Insgesamt soll nach der Einigung 189 weiteren Schiffen das Einlaufen in HĂ€fen in der EU verboten werden. Ebenso wĂŒrden die Betreiber dann auch nicht mehr von Dienstleistungen europĂ€ischer Unternehmen profitieren können. Von neuen AusfuhrbeschrĂ€nkungen werden dem Plan zufolge rund 30 wirtschaftliche Akteure betroffen sein. 75 weitere Personen und Unternehmen sollen gar keine GeschĂ€fte mehr in der EU machen dĂŒrfen und mĂŒssen auch Vermögenssperrungen befĂŒrchten.Â
Die neuen Sanktionen sollen an diesem Dienstag bei einem EU-AuĂenministertreffen formell beschlossen werden und dann sofort in Kraft treten. Geplant sind auch noch weitere StrafmaĂnahmen gegen Organisationen und Personen wegen der Verbreitung von Falschnachrichten und MenschenrechtsverstöĂen.Â
Nato-AuĂenminister treffen sich in der TĂŒrkei
ZusĂ€tzliche Brisanz verleiht die Diskussion um eine Putin-Reise in die TĂŒrkei die Tatsache, dass am Donnerstag zeitgleich auch die Nato-AuĂenminister in dem Land tagen - wenn auch rund 500 Kilometer entfernt in Belek an der MittelmeerkĂŒste. Bei dem Treffen geht es vor allem um die Forderung der USA nach einer Erhöhung der Verteidigungsausgaben in den PartnerlĂ€ndern.
Zur Erinnerung: Moskau hatte seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine vor allem mit dem Nato-Beitrittswunsch des Nachbarlandes begrĂŒndet. Dies gefĂ€hrde die Sicherheitsinteressen Russlands. Wegen des Kriegs sind Russlands NachbarlĂ€nder an der Ostsee, Schweden und Finnland, der MilitĂ€rallianz beigetreten - und die europĂ€ischen Nato-LĂ€nder haben die RĂŒstungsausgaben deutlich angehoben.


