Zehntausende nehmen Abschied von Franziskus
23.04.2025 - 12:44:31 | dpa.deDer Leichnam des verstorbenen Papstes Franziskus ist im Vatikan in den Petersdom ĂŒberfĂŒhrt worden. Der tote Pontifex wurde im offenen Sarg aus der Residenz Casa Santa Marta, wo Franziskus am Montag im Alter von 88 Jahren gestorben war, in die Kirche getragen. Begleitet wurde er von acht WachmĂ€nnern der Schweizer Garde. An der Prozession nahmen auch mehrere Dutzend KardinĂ€le teil. Dazu ertönte von der gröĂten Glocke des Petersdoms das TrauergelĂ€ut.
Bis Freitagabend wird der tote Papst nun in der gröĂten Kirche der Christenheit aufgebahrt sein. Gleich am ersten Tag reihten sich mehr als 20.000 Menschen in die Schlangen ein. Die ersten GlĂ€ubigen stellten sich bereits morgens an, um in den Dom zu kommen. Als der Sarg auf den Platz getragen wurde, brandete Applaus auf.Â
Am Ostersonntag hatte sich Franziskus nach dem Segen Urbi et Orbi noch im Papamobil ĂŒber den Platz fahren lassen. Das war das letzte Mal, dass die Ăffentlichkeit ihn lebend zu sehen bekam. Dabei wirkte der gebĂŒrtige Argentinier - mit 88 Jahren der zweitĂ€lteste Papst der Geschichte - bereits sehr geschwĂ€cht. Am Morgen danach starb er.
Rom unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen
Am Samstag folgt auf dem Petersplatz eine groĂe Trauerfeier mit StaatsgĂ€sten aus aller Welt, auch US-PrĂ€sident Donald Trump, und im Anschluss die Beisetzung. Die Sicherheitsvorkehrungen werden dann enorm sein. Jetzt schon ist Rom im Ausnahmezustand.Â
Der Papst aus Argentinien wird seine letzte Ruhe nicht im Petersdom finden, sondern in der Marienkirche Santa Maria Maggiore in der NĂ€he des Hauptbahnhofs von Rom. So hatte er es in seinem Testament verfĂŒgt. Auf der Grabplatte soll nur sein Name in lateinischer Sprache stehen: Franciscus. Nicht einmal einen Hinweis darauf, dass er Papst war, soll es geben. Am Grab wird derzeit noch gearbeitet. Der Zugang ist mit einer Holzplatte versperrt.
Beisetzungen nun weniger pompös
Noch zu Lebzeiten hatte Franziskus angeordnet, dass Beisetzungen von PĂ€psten kĂŒnftig weniger pompös ablaufen als bisher. Im Petersdom ist sein Leichnam nun auch - anders als etwa der emeritierte Papst Benedikt XVI. im Januar 2023 - nicht auf einem Katafalk zu sehen, also einer hohen Bahre. Franziskus liegt in einem einfachen Holzsarg. Daneben liegt auch nicht mehr der pĂ€pstliche Bischofsstab als Herrschaftssymbol. Er trĂ€gt ein rotes Gewand und eine weiĂe Bischofsmitra. Um die HĂ€nde ist ein Rosenkranz geschlungen.
Am Freitagabend wird der Sarg dann verschlossen. Beim groĂen Trauer-Requiem am Samstag werden Politiker und Kirchenvertreter aus aller Welt dabei sein: US-PrĂ€sident Donald Trump, der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj, EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen, UN-GeneralsekretĂ€r AntĂłnio Guterres und viele mehr. Aus Deutschland kommen BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier und der geschĂ€ftsfĂŒhrende Bundeskanzler Olaf Scholz.
«Beerdigungsdiplomatie» am Rande der Trauerfeiern
Begegnungen bei solchen AnlĂ€ssen werden «Beerdigungsdiplomatie» genannt.Â
FĂŒr Trump ist es die erste Auslandsreise nach seiner RĂŒckkehr ins Amt ĂŒberhaupt. Zuletzt sorgte er mit seinen Zoll-Vorhaben weltweit fĂŒr Aufruhr. Thema am Rande könnten auch die FriedensbemĂŒhungen fĂŒr die Ukraine sein. Der US-PrĂ€sident will nach Angaben des WeiĂen Hauses aber nur fĂŒr einen einzigen Tag nach Rom kommen.Â
Russlands PrĂ€sident Wladimir Putin kommt nicht. Gegen ihn gibt es seit 2023 einen Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs. Bei der Landung in Italien mĂŒsste er also mit der Festnahme rechnen. Hintergrund ist die von ihm befohlene Invasion des Nachbarlands, ihm werden Kriegsverbrechen vorgeworfen.
Rom im Ausnahmezustand
Die Polizei und alle anderen SicherheitskrÀfte stehen angesichts des erwarteten Ansturms von GlÀubigen und den vielen StaatsgÀsten vor einer logistischen Mammutaufgabe. Wegen des Heiligen Jahrs 2025 ist Rom in der Osterwoche noch voller als sonst. Nach SchÀtzungen halten sich derzeit etwa eine Million Touristen in der italienischen Hauptstadt auf. Zudem werden sich Pilger auf den Weg machen, um Abschied vom Papst zu nehmen.
Nach den Trauerfeiern rĂŒckt das Konklave in den Fokus, das Anfang Mai beginnen dĂŒrfte. Eigentlich sind 135 KardinĂ€le unter 80 Jahren zur Wahl des neuen Papstes berechtigt. Allerdings sagten zwei KardinĂ€le - der emeritierte Erzbischof von Valencia, Antonio Cañizares (79), und der emeritierte Erzbischof von Sarajevo, Vinko Pulji? (79) - aus gesundheitlichen GrĂŒnden ab. Damit werden nun vermutlich 133 KirchenmĂ€nner darĂŒber entscheiden, wer Nachfolger wird.Â
Buchmacher haben italienischen Kardinal Parolin als Favoriten
Die WahlgĂ€nge sind geheim. Das Konklave kann nach wenigen Stunden vorbei sein, aber auch Tage dauern. Ein Zeitlimit gibt es nicht. Zur Wahl benötigt der neue Pontifex eine Zweidrittelmehrheit. Wenn er gewĂ€hlt ist, steigt aus einem Schornstein weiĂer Rauch auf. Bis dahin ist der Rauch schwarz.Â
Als Favorit gilt bei den Buchmachern aktuell die bisherige Nummer zwei des Vatikans, der italienische Kardinal Pietro Parolin. Allerdings werden auch noch mehrere andere Namen genannt. Zudem kommt es bei Papstwahlen immer wieder zu Ăberraschungen. Auch mit der Wahl von Franziskus 2013, der damals die Nachfolge des zurĂŒckgetretenen Benedikt XVI. ĂŒbernahm, hatten viele nicht gerechnet.
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