Macron, Staatsbesuch

Macron beginnt Staatsbesuch in Deutschland

26.05.2024 - 05:29:49

Der letzte französische PrĂ€sident auf Staatsbesuch in Deutschland war Jacques Chirac. Damals hieß der BundesprĂ€sident Johannes Rau, Kanzler war Gerhard Schröder. Nun reist Emmanuel Macron nach Berlin.

Im Zeichen von Dissonanzen zwischen Berlin und Paris beginnt Frankreichs StaatsprÀsident Emmanuel Macron heute einen knapp dreitÀgigen Staatsbesuch in Deutschland. Es ist der erste Besuch dieser Art eines französischen PrÀsidenten seit 24 Jahren.

Macron wird am frĂŒhen Nachmittag in Berlin eintreffen und dann zunĂ€chst mit BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier das Demokratiefest im Regierungsviertel zur Feier von 75 Jahren Grundgesetz besuchen. Daran schließen sich die BegrĂŒĂŸung mit militĂ€rischen Ehren, politische GesprĂ€che, eine Pressekonferenz, ein Gang durchs Brandenburger Tor und am Abend ein Staatsbankett im Schloss Bellevue an. Macron wird von seiner Frau Brigitte begleitet.

Einzigartige deutsch-französische Freundschaft

Der Besuch soll aus Sicht von Gastgeber Steinmeier die Einzigartigkeit der deutsch-französischen Freundschaft herausstellen und feiern. Außerdem wollen er und Macron den Besuch nutzen, um die Menschen in Deutschland zu ermuntern, in zwei Wochen bei der Europawahl wĂ€hlen zu gehen. Dahinter steckt nicht zuletzt die Sorge, dass eine niedrige Wahlbeteiligung erfahrungsgemĂ€ĂŸ rechten Parteien in die HĂ€nde spielt. Bei der Europawahl 2019 lag die Beteiligung in Deutschland bei 61,4 Prozent.

Um die Einzigartigkeit der deutsch-französischen Beziehungen herauszustreichen, habe Steinmeier Macron auch als einzigen auslĂ€ndischen Gast zu den Feiern zum 75-jĂ€hrigen Bestehen des Grundgesetzes eingeladen, heißt es im BundesprĂ€sidialamt. «Wir wollen symbolisch das Zeichen senden, dass diese deutsch-französische Freundschaft wirklich tief ins Herz Deutschlands und des politischen SelbstverstĂ€ndnisses dieser Republik gehört», wird in Steinmeiers Umgebung betont.

Differenzen in wichtigen Fragen

So gut die beiden StaatsoberhĂ€upter miteinander können - auf Regierungsebene gelten die Beziehungen zwischen Berlin und Paris gerade als etwas schwierig. Bei SchlĂŒsselthemen knirscht es immer wieder zwischen beiden HauptstĂ€dten. Das gilt fĂŒr die Frage der richtigen UnterstĂŒtzung fĂŒr die Ukraine ebenso wie etwa fĂŒr die Frage der wirtschaftspolitischen Ausrichtung gegenĂŒber den Konkurrenten USA und China. Diese Fragen sollen nach dem Staatsbesuch bei einem deutsch-französischen Ministerrat am kommenden Dienstagnachmittag in Schloss Meseberg, dem GĂ€stehaus der Bundesregierung, nördlich von Berlin erörtert werden.

So predigt Macron eine grĂ¶ĂŸere europĂ€ische Autonomie mit eigener Verteidigungsstrategie und einem Schutz der Wirtschaft vor unlauterer Konkurrenz aus China und den USA. Kanzler Olaf Scholz (SPD) hingegen hĂ€lt an seiner transatlantischen Orientierung und dem wichtigen Handelspartner China fest. Und im Ukraine-Konflikt ĂŒberraschte Macron Scholz mit seinen Überlegungen zum Entsenden von Bodentruppen, was Scholz kategorisch ablehnt.

Auch eine Lieferung von weitreichenden Taurus-Marschflugkörpern an das von Russland angegriffene Land lehnt Scholz ab. Frankreich hingegen stellt seine Scalp-Raketen schon seit lĂ€ngerer Zeit bereit. Berlin wirft Paris im Gegenzug vor, als zweitgrĂ¶ĂŸte Volkswirtschaft der EU insgesamt viel zu wenig fĂŒr die Ukraine zu tun.

Europa-Reden ohne Antworten aus Berlin

Der CDU-Vorsitzende Friedrich Merz kritisiert, dass die Beziehungen zwischen beiden LĂ€ndern so schlecht wie seit Jahrzehnten nicht mehr seien. Er verlangte unmittelbar vor dem Besuch Macrons ein klares europapolitisches Signal der Bundesregierung. Merz kritisierte, dass Macron aus Berlin bei seinen beiden großen Europa-Reden an der Pariser Sorbonne-UniversitĂ€t keine Antwort aus Deutschland bekommen habe. «Das ist in Paris zu Recht und zwar parteiĂŒbergreifend auf große Irritation gestoßen», sagte Merz soeben dem Sender rbb24 Inforadio. Die erste Rede fiel noch in die Regierungszeit von Angela Merkel (CDU).

In seiner zweiten Rede im vergangenen April warnte Macron, es gebe ein großes Risiko, dass Europa im nĂ€chsten Jahrzehnt «geschwĂ€cht oder sogar deklassiert» werde. Er forderte eine europĂ€ische Verteidigungsstrategie mit einer gemeinsamen RĂŒstungsindustrie und eine ĂŒber Fonds der EU finanzierte beschleunigte AufrĂŒstung, um der Bedrohung Russlands gewachsen zu sein. Scholz kommentierte die Rede auf der Plattform X mit den Worten, gemeinsames Ziel Frankreichs und Deutschlands sei es, «dass Europa stark bleibt». Er fĂŒgte an Macron gewandt hinzu: «Deine Rede enthĂ€lt gute Impulse, wie uns das gelingen kann.»

Dresden und MĂŒnster als weitere Stationen

Um Europa wird es auch an Macrons zweitem Besuchstag gehen. Er und seine Frau werden zusammen mit ihren Gastgebern nach Dresden weiterreisen. Dort will der französische PrĂ€sident am Nachmittag vor der Frauenkirche eine weitere europapolitische Rede halten. Es wird spekuliert, dass Macron hier, unweit der Grenze zu Tschechien, die Gelegenheit nutzen könnte, um den Blick auf die osteuropĂ€ischen Partner zu richten. Unter ihnen ist die Sorge groß, dass sie die nĂ€chsten Opfer der Expansionspolitik von Kreml-Chef Wladimir Putin werden könnten. Danach geht es weiter nach MĂŒnster, wo Macron der Internationale Preis des WestfĂ€lischen Friedens verliehen werden soll. Dabei wird Steinmeier die Laudatio halten.

@ dpa.de