MilitÀrexperte, Europa

MilitĂ€rexperte hĂ€lt Europa fĂŒr unvorbereitet auf Trump-RĂŒckkehr

01.01.2024 - 01:00:00

Der MilitĂ€rexperte Carlo Masala hĂ€lt Europa fĂŒr weitgehend unvorbereitet auf eine RĂŒckkehr von Donald Trump als US-PrĂ€sident.

Er sehe "weder bei der Bundesregierung noch beim Rest Europas eine ernsthafte Vorbereitung darauf", sagte der Politikwissenschaftler von der UniversitĂ€t der Bundeswehr MĂŒnchen den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Montagsausgaben). "Vermutlich haben wir den richtigen Zeitpunkt auch schon verpasst."

Europa mĂŒsse die Sicherheit des Kontinents unter völlig verĂ€nderten Vorzeichen selbst gewĂ€hrleisten können. "Trump wĂŒrde den europĂ€ischen Nato-Staaten vermutlich sagen: Ihr mĂŒsst jetzt viel mehr Geld ausgeben, sonst entziehen wir Euch den Schutz", sagte er voraus. "Und da reden wir nicht mehr von zwei Prozent der jeweiligen Wirtschaftsleistung, sondern von deutlich mehr." Masala bekrĂ€ftigte: "Trump wĂŒrde wahrscheinlich nur noch bilaterale Sicherheitsgarantien geben, aber keine mehr ĂŒber das BĂŒndnis." Unter US-Schutz stĂŒnden dann nur noch jene Staaten, die seinen Forderungen nachkomme - etwa mit Blick auf die Verteidigungsausgaben. Diejenigen europĂ€ischen Staaten, die nicht mitmachten, stĂŒnden dann ohne US-Sicherheitsgarantien da. "Im Grunde wĂ€re das Erpressung." Wenn die Amerikaner keinen Schutz mehr garantierten, brauche man einen europĂ€ischen Nuklearschirm. Masala rĂ€t zu einer Sondierung, "inwieweit Frankreich ein Interesse daran hat, dass seine nationale Atomstreitmacht auch aus anderem Geld bezahlt wird". Frankreichs Nuklearstrategie sei bislang rein national: "Vielleicht gelingt es, diese dahingehend zu verĂ€ndern, dass Frankreich unter bestimmten UmstĂ€nden auch bereit wĂ€re, europĂ€ische Nachbarstaaten mit seinen Atomwaffen zu verteidigen." Masala plĂ€dierte dafĂŒr, auch die zweite europĂ€ische Atommacht Großbritannien mit an Bord zu holen. "Die gehört zwar nicht mehr der EuropĂ€ischen Union an", sagte er, "aber fĂŒr LĂ€nder wie Polen oder RumĂ€nien dĂŒrfte die Vorstellung, allein vom französischen Atomschirm abzuhĂ€ngen, inakzeptabel sein." Es werde jedenfalls keinen Atomkoffer geben, der in BrĂŒssel lagere oder "zwischen den europĂ€ischen HauptstĂ€dten hin- und herwandert", so Masala. "Entsprechende Forderungen sind Blödsinn." Als seine grĂ¶ĂŸte Sorge fĂŒr das neue Jahr nannte Masala, "dass es uns nicht gelingt, eine dauerhafte UnterstĂŒtzung der Ukraine zu garantieren". In diesem Fall wĂŒrde sich "der Aggressor Russland durchsetzen", so der Experte. "Ein russischer Sieg wĂŒrde Europas Sicherheit nachhaltig destabilisieren - außenpolitisch wie innenpolitisch."

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