Ultrarechte Partei fordert Minister-Posten in Tschechien
06.10.2025 - 12:25:14Nach der Parlamentswahl in Tschechien erhebt die ultrarechte Partei Freiheit und direkte Demokratie Anspruch auf eine direkte Beteiligung an der kĂŒnftigen Regierung. «Wir hĂ€tten gerne mindestens ein Ministerium, besser zwei», sagte ihr Vorsitzender Tomio Okamura nach einem GesprĂ€ch mit PrĂ€sident Petr Pavel in Prag. Es werde noch darĂŒber verhandelt, um welche konkreten Ressort es sich handeln könne.Â
Die Partei, die auf Tschechisch SPD abgekĂŒrzt wird, forderte in ihrem Wahlprogramm die EinfĂŒhrung von Referenden - selbst ĂŒber Fragen wie die Nato- und EU-Mitgliedschaft Tschechiens. «Die Politik der SPD ist eine Politik aller Himmelsrichtungen», sagte Okamura nun.
Minderheitsregierung oder Koalition?
Die rechtspopulistische Partei ANO des Ex-Regierungschefs und MilliardĂ€rs Andrej Babis ging aus der Wahl vom Freitag und Samstag als stĂ€rkste Kraft hervor. Sie wird aber allein nur ĂŒber 80 der 200 Sitze im kĂŒnftigen Abgeordnetenhaus verfĂŒgen. Babis hatte am Wahlabend erklĂ€rt, er strebe eine Minderheitsregierung an, die von der SPD und einer neuen Autofahrerpartei, den Motoristen fĂŒr sich, toleriert werde. Die SPD errang 15, die Motoristen 13 Sitze. Mit der ANO zusammen ergĂ€be sich eine komfortable Mehrheit von 108 der 200 Sitze in der wichtigeren der beiden Parlamentskammern.
PrÀsident ernennt den Regierungschef
Der PrĂ€sident und Ex-Nato-General Pavel setzte mit dem Treffen mit Okamura seine GesprĂ€che mit allen Parteivorsitzenden fort. Er kĂŒndigte an, dass er das neue Abgeordnetenhaus erst Anfang November zu seiner ersten Sitzung einberufen werde. In Tschechien vergibt der PrĂ€sident den Auftrag zur Regierungsbildung - meist an den Wahlsieger - und ernennt den MinisterprĂ€sidenten. Der neue Regierungschef muss dann laut Verfassung innerhalb von 30 Tagen vor den Abgeordneten die Vertrauensfrage stellen.


