Mordfall, Politkowskaja

Mordfall Politkowskaja: TĂ€ter kommt fĂŒr Kriegseinsatz frei

14.11.2023 - 14:27:18

Der Mörder der kremlkritischen Journalistin Anna Politkowskaja soll im Gegenzug fĂŒr einen Kriegsdienst in der Ukraine vorzeitig aus der Haft entlassen werden. UrsprĂŒnglich sollte er erst 2034 frei kommen.

Rund 17 Jahre nach dem Mord an der kremlkritischen Journalistin Anna Politkowskaja ist einer der verurteilten TĂ€ter in Russland vorzeitig aus der Haft entlassen worden - als Gegenleistung fĂŒr einen Kriegsdienst in der Ukraine. Das bestĂ€tigte der Anwalt des im Jahr 2014 zu 20 Jahren Straflager verurteilten Mannes dem Nachrichtenportal RBK laut einem Artikel. Dem Telegram-Kanal Baza zufolge kĂ€mpfte der ehemalige Polizist bereits Ende 2022 in der Ukraine. Nach einem halben Jahr soll er seinen Vertrag mit dem Verteidigungsministerium verlĂ€ngert haben. Wo genau er derzeit im Einsatz ist, sei nicht bekannt.

Zu dem Fall Ă€ußerte sich auch Dmitri Muratow, der Chefredakteur der renommierten Zeitung «Nowaja Gaseta», fĂŒr die Politkowskaja damals schrieb und die im Zuge des Angriffskrieg auf die Ukraine in Russland mittlerweile verboten wurde. «Die Rechte der Opfer werden vom Staat systematisch missachtet», sagte der 62-JĂ€hrige, der 2021 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden war, dem Internetmedium «Ostoroschno Media». Der StraftĂ€ter hĂ€tte ursprĂŒnglich erst 2034 aus der Haft entlassen werden sollen.

Mit «Blut auf dem Schlachtfeld» sĂŒhnen

In den vergangenen Wochen haben in Russland immer wieder FĂ€lle fĂŒr Aufsehen gesorgt, in denen teils Schwerverbrecher von PrĂ€sident Wladimir Putin begnadigt wurden, damit sie in den Krieg gegen das Nachbarland Ukraine ziehen können. Der Kreml verteidigt die umstrittene Rekrutierungspraxis als Möglichkeit fĂŒr die Verurteilten, ihre Taten durch «Blut auf dem Schlachtfeld» zu sĂŒhnen.

Politkowskaja war im Oktober 2006 vor ihrer Wohnung in Moskau erschossen worden. FĂŒr das weltweit beachtete Attentat wurden mehrere MĂ€nner aus der russischen Teilrepublik Tschetschenien im Nordkaukasus verurteilt. Der nun freigelassene Mann soll die fĂŒr ihre kritische Tschetschenien-Berichterstattung geschĂ€tzte Journalistin vor ihrer Tötung beschattet haben lassen. Politkowskajas Familie vermutet hinter dem Mord ein politisches Motiv und fordert bis heute eine vollstĂ€ndige AufklĂ€rung.

@ dpa.de