NeugewÀhlter, PrÀsident

NeugewÀhlter slowakischer PrÀsident will eher Ukraine-Kurs

07.04.2024 - 04:24:38

Der neugewĂ€hlte slowakische PrĂ€sident Pellegrini will das polarisierte EU-Land beruhigen. Er verspricht einen prowestlichen Kurs, aber keine Waffen fĂŒr die Ukraine.

  • Rund 4,4 Millionen slowakische Wahlberechtigte waren aufgerufen, in einer Stichwahl ein neues Staatsoberhaupt zu wĂ€hlen. Ein PrĂ€sidentschaftskandidat ist Peter Pellegrini. - Foto: Denes Erdos/AP

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  • PrĂ€sidentschaftskandidat Peter Pellegrini, Mitte, feiert nach der Stichwahl in der Slowakei. Laut AuszĂ€hlungen gewinnt er noch in der Nacht die Kandidatur. - Foto: Denes Erdos/AP/dpa

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Rund 4,4 Millionen slowakische Wahlberechtigte waren aufgerufen, in einer Stichwahl ein neues Staatsoberhaupt zu wÀhlen. Ein PrÀsidentschaftskandidat ist Peter Pellegrini. - Foto: Denes Erdos/APPrÀsidentschaftskandidat Peter Pellegrini, Mitte, feiert nach der Stichwahl in der Slowakei. Laut AuszÀhlungen gewinnt er noch in der Nacht die Kandidatur. - Foto: Denes Erdos/AP/dpa

Mit dem Slogan «Die Slowakei braucht Ruhe» hat der sozialdemokratische ParlamentsprĂ€sident Peter Pellegrini die PrĂ€sidentschaftswahl in der politisch tief gespaltenen Slowakei gewonnen. Sein von liberalen und konservativen Oppositionsparteien unterstĂŒtzter Gegenkandidat Ivan Korcok unterlag in der Stichwahl am Samstag deutlicher, als Umfragen erwarten ließen.

Konstruktive Zusammenarbeit mit der Regierung

Korcok wollte ein Gegenpol zur Dreiparteienkoalition unter dem linkspopulistischen MinisterprĂ€sidenten Robert Fico sein, gegen den die Opposition schon seit Dezember Massenproteste organisierte. Pellegrini versprach hingegen nach seinem Wahlsieg erneut eine «konstruktive Zusammenarbeit» mit der Regierung. Aber auch gegenĂŒber der Opposition wolle er als PrĂ€sident stets offen fĂŒr GesprĂ€che sein.

Beobachter sehen im Wahlsieg Pellegrinis nicht nur einen persönlichen Erfolg des nach Umfragen seit Jahren sehr populĂ€ren 48-JĂ€hrigen, sondern auch eine BestĂ€tigung fĂŒr Ficos Regierungspolitik. Denn die von Pellegrini gefĂŒhrte Partei «Stimme - Sozialdemokratie» (Hlas-SD) ist zweitstĂ€rkste Regierungspartei. «Wenn Pellegrini gewinnt, heißt das, dass die Menschen mit der Politik der Regierung zufrieden sind», hatte der an der WirtschaftsuniversitĂ€t Bratislava lehrende Politikwissenschaftler Radoslav Stefancik schon vor der Wahlentscheidung gesagt.

Korcok hatte Pellegrini im Wahlkampf vorgeworfen, sich dem populistischen Kurs Ficos unterzuordnen. Er sei lediglich ein «Taschenhalter» des Regierungschefs und werde auch im PrĂ€sidentenamt sein ErfĂŒllungsgehilfe bleiben. DemgegenĂŒber betonte Wahlsieger Pellegrini, wo immer die Regierung von westlichen Werten abzuweichen drohe, werde er es als seine Pflicht ansehen, dagegen einzuschreiten.

Krieg gegen die Ukraine - Pellegrini mahnt zur Vorsicht

Fico fĂ€llt im Unterschied zu Pellegrini immer wieder durch kritische Stellungnahmen zur Ukraine- und Russland-Politik der EU auf. Korcok und der Opposition nahestehende Thinktanks warfen ihm deshalb vor, die Slowakei auf einen Ă€hnlichen Kurs wie Ungarn unter Viktor Orban zu fĂŒhren und «prorussisch» zu sein. TatsĂ€chlich stimmte die Slowakei aber im Unterschied zu Ungarn allem zu, was in BrĂŒssel zugunsten der Ukraine und gegen Russland beschlossen wurde. Die Fico-Regierung befĂŒrwortet auch einen Beitritt der Ukraine zur EU, nicht aber zur Nato.

Pellegrini betonte zwar im Wahlkampf, die Slowakei sei «fest verankert in der EuropÀischen Union und in der Nato». Ebenso wie Regierungschef Fico verurteilte er den russischen Angriffskrieg als klaren Völkerrechtsbruch und unterstrich die Unverletzlichkeit der ukrainischen Grenzen. Bei Waffenlieferungen an die Ukraine mahnte er jedoch zur Vorsicht, damit die Slowakei nicht in den Krieg hineingezogen werde.

Diese außenpolitische Linie werde sich nach seinem Wechsel vom Parlament ins PrĂ€sidentenamt nicht Ă€ndern, versprach Pellegrini. Einer ungeschriebenen Tradition entsprechend wird er allerdings aus der von ihm gegrĂŒndeten sozialdemokratischen Partei austreten, um als Staatsoberhaupt parteilos zu sein wie alle seine VorgĂ€nger.

@ dpa.de