Polens neuer PrÀsident Karol Nawrocki legt Amtseid ab
06.08.2025 - 04:30:41 | dpa.dePolens neuer rechtskonservativer PrĂ€sident Karol Nawrocki wird heute vereidigt. Der 42 Jahre alte parteilose Historiker steht der Oppositionspartei PiS nahe und war aus der Stichwahl am 1. Juni als Gewinner hervorgegangen. Der politische Newcomer hatte den Kandidaten des proeuropĂ€ischen Regierungslagers, Warschaus OberbĂŒrgermeister Rafal Trzaskowski, knapp geschlagen. Dies war eine schwere politische Niederlage fĂŒr Regierungschef Donald Tusk.
Mit dem Amtsantritt von Nawrocki könnte es nun in der polnischen Politik stĂŒrmisch werden - mit Folgen fĂŒr Deutschland und Europa. Der kĂŒnftige Staatschef hat bereits mĂ€chtig gegen den im Westen angesehenen Tusk ausgeholt. Dieser ist fĂŒr ihn der «schlechteste Regierungschef, den Polen seit 1989 hatte». Schon im Wahlkampf erklĂ€rte Nawrocki, sein Ziel sei es, die Regierung von Tusk zu Fall zu bringen.Â
FĂŒr Tusk ist Widerstand aus dem PrĂ€sidentenpalast nichts Neues. Auch der bisherige Staatschef Andrzej Duda, der nach zwei Amtszeiten jetzt ausscheiden muss, stammt aus den Reihen der PiS. Duda hat der Regierung viele Steine in den Weg gelegt. Nawrockis ĂuĂerungen deuten aber darauf hin, dass er mit noch gröĂerer Konsequenz vorgehen will.
Polens PrÀsident hat viel Macht
In Polen wird das Staatsoberhaupt fĂŒr eine Amtszeit von fĂŒnf Jahren gewĂ€hlt und hat mehr Vollmachten als etwa der BundesprĂ€sident in Deutschland. Der PrĂ€sident darf die Linien der AuĂenpolitik mitbestimmen, ist Oberbefehlshaber der StreitkrĂ€fte und kann vom Parlament beschlossene Gesetze mit seinem Vetorecht stoppen. So kann er zwar nicht mitregieren, aber das Regieren erheblich erschweren.Â
Nawrocki hatte noch nie ein politisches Amt inne. Zuletzt war er Direktor des Instituts fĂŒr Nationales Gedenken (IPN), das in etwa der mittlerweile aufgelösten Stasi-Unterlagen-Behörde in Deutschland entspricht. Seinen Aufstieg verdankt er dem mĂ€chtigen PiS-Chef Jaroslaw Kaczynski, einem politischen Erzfeind von Tusk. Seit Nawrockis Wahlerfolg wittert die PiS ihre Chance auf eine RĂŒckkehr an die Macht - zumal Regierungschef Tusk abgeschlafft wirkt und zuletzt unglĂŒcklich agierte.Â
Amateurboxer, TĂŒrsteher und Trump-Fan
Der gebĂŒrtige Danziger Nawrocki gibt gern den harten Kerl. Er wuchs im Arbeiterviertel Sielce auf und holte als junger Mann einen Titel im Amateurboxen. WĂ€hrend des Studiums jobbte er als TĂŒrsteher in einem Luxushotel im Ostseebadeort Sopot. Aus dieser Zeit werden ihm gute Kontakte zum Rotlichtmilieu nachgesagt.
Der Trump-Fan steht fĂŒr die Politik der PiS, die Polen von 2015 bis 2023 regierte. Der Vater von zwei Kindern, dessen Frau ihren Ă€ltesten Sohn als drittes Kind mit in die Ehe brachte, will polnische traditionelle Werte bewahren. Er warnt vor der Abgabe von Kompetenzen an die EU und fordert von Deutschland Reparationen fĂŒr die SchĂ€den des Zweiten Weltkriegs.Â
Als kĂŒrzlich ultrarechte BĂŒrgerwehren an der deutsch-polnischen Grenze eigenmĂ€chtige Patrouillen organisierten, um Migranten zu stoppen, lobte Nawrocki dies als «BĂŒrgerengagement».
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