Putin: Wagner-Gruppe war komplett vom Staat finanziert
27.06.2023 - 14:46:51Kremlchef Wladimir Putin hat erstmals eingerÀumt, dass die Wagner-Armee des GeschÀftsmanns Jewgeni Prigoschin vollkommen vom russischen Staat finanziert wurde. «Wir haben diese Gruppe komplett finanziert», sagte Putin der russischen Nachrichtenagentur Interfax zufolge bei einem Treffen mit Soldaten.
Putin hatte die Wagner-Leute am Samstag angesichts ihres inzwischen beendeten Aufstands als «VerrÀter» bezeichnet. Nach Darstellung Putins erhielt die Gruppe von Mai 2022 bis Mai 2023 insgesamt 86,26 Milliarden Rubel (rund 930 Millionen Euro) aus dem Staatshaushalt. Offiziell nennt sich die Wagner-Armee ein privates MilitÀrunternehmen.
Zugleich kĂŒndigte Putin eine Untersuchung der Geldströme bei der Muttergesellschaft der Wagner-Armee, der Concord-Holding, an. Denn wĂ€hrend die Wagner-Truppe vollstĂ€ndig vom Staat finanziert worden sei, habe Concord zugleich 80 Milliarden Rubel verdient. «Ich hoffe, dass niemand etwas gestohlen hat oder, sagen wir, ein bisschen gestohlen hat», sagte der Kremlchef.
Putin Ă€uĂerte sich auch zu den Folgen, die ein erfolgreicher Aufstand der Wagner-Armee fĂŒr den Fortgang des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine hĂ€tte haben können. Vieles Erreichte wĂ€re bei der «militĂ€rischen Spezialoperation» nach Worten des Kremlchefs in dem Fall «verloren gegangen».
Die Wagner-Einheiten des Söldnerchefs Jewgeni Prigoschin waren eine der schlagkrÀftigsten und brutalsten Truppen im seit 16 Monaten andauernden russischen Angriffskrieg. Neben vielen Ex-HÀftlingen sind in der Privatarmee hochprofessionelle Söldner mit langer Kampferfahrung im Einsatz.
Putin kĂŒndigte «in nĂ€chster Zukunft» VerĂ€nderungen in der FĂŒhrungsetage der russischen StreitkrĂ€fte an. Das «RĂŒckgrat» der StreitkrĂ€fte-FĂŒhrung werde kĂŒnftig aus Personen zusammengesetzt sein, die sich im Kampfeinsatz bewĂ€hrt hĂ€tten. Dazu gehöre auch der Bereich der Luftwaffe. Der Kremlchef Ă€uĂerte sich nicht dazu, ob er an seinem Verteidigungsminister Sergej Schoigu festhĂ€lt.
Schoigu steht seit Monaten wegen der Misserfolge beim Angriffskrieg gegen die Ukraine in der Kritik und hatte auch dem Aufstand Prigoschins - eines seiner gröĂten Widersachers - nichts entgegenzusetzen.
Putin: Faktisch «BĂŒrgerkrieg» in Russland verhindert
Zuvor hatte Putin in einer Rede den Sicherheitsdiensten fĂŒr ihren Einsatz zum Schutz Russlands gedankt. Soldaten und Mitarbeiter der Geheimdienste hĂ€tten sich dem Versuch einer Revolte am 24. Juni entgegengestellt und so einen «BĂŒrgerkrieg» verhindert, sagte Putin bei der Rede vor Uniformierten auf dem KremlgelĂ€nde. Unter den Anwesenden war auch Schoigu.
«Sie haben die verfassungsmĂ€Ăige Ordnung, das Leben, die Sicherheit und die Freiheit unserer BĂŒrger verteidigt, unsere Heimat vor ErschĂŒtterungen bewahrt, faktisch einen BĂŒrgerkrieg verhindert», sagte Putin bei der Rede, die im Staatsfernsehen gezeigt wurde. «Wir wussten, dass wir gewinnen, die AufstĂ€ndischen hĂ€tten Moskau nicht eingenommen», betonte er.
In seiner Rede im Freien vor den Hundertschaften verschiedener Sicherheitsdienste erinnerte Putin auch an die Piloten, die am Samstag bei ihren Angriffen auf die Wagner-Kolonne getötet wurden. Die Angehörigen des Verteidigungsministeriums, der Nationalgarde, des Inlandsgeheimdienstes FSB, des Innenministeriums und des Sicherheitsdienstes des PrÀsidenten gedachten mit Putin in einer Schweigeminute der Toten. Die Wagner-Truppen hatten mehrere Hubschrauber und ein Flugzeug am Samstag abgeschossen.
Söldnerchef Prigoschin hatte am Samstag nach Verhandlungen seinen Marsch Richtung Moskau ĂŒberraschend gestoppt. Nach eigenen Angaben wollte er ein BlutvergieĂen unter russischen Soldaten verhindern und kehrte deshalb 200 Kilometer vor der russischen Hauptstadt wieder um. Er hatte auch die sĂŒdrussische Stadt Rostow am Don besetzt und zog dort ebenfalls ab.


