Wladimir Putin, Wagner

Putin: Faktisch «BĂŒrgerkrieg» in Russland verhindert

27.06.2023 - 13:17:32

Der russische PrĂ€sident Wladimir Putin hat die SicherheitskrĂ€fte fĂŒr ihren Einsatz gegen die Söldnergruppe gelobt. Der Kreml kann dem Aufstand aber auch noch etwas anderes Gutes abgewinnen.

Nach dem Ende des bewaffneten Aufstands der Söldnerarmee Wagner hat Kremlchef Wladimir Putin in einer weiteren Rede den Sicherheitsdiensten fĂŒr ihren Einsatz zum Schutz Russlands gedankt.

Soldaten und Mitarbeiter der Geheimdienste hĂ€tten sich dem Versuch einer Revolte am 24. Juni entgegengestellt und so einen «BĂŒrgerkrieg» verhindert, sagte Putin bei der Rede vor Uniformierten auf dem KremlgelĂ€nde. Unter den Anwesenden war auch Verteidigungsminister Sergej Schoigu.

«Sie haben die verfassungsmĂ€ĂŸige Ordnung, das Leben, die Sicherheit und die Freiheit unserer BĂŒrger verteidigt, unsere Heimat vor ErschĂŒtterungen bewahrt, faktisch einen BĂŒrgerkrieg verhindert», sagte Putin bei der Rede, die im Staatsfernsehen gezeigt wurde. «Wir wussten, dass wir gewinnen, die AufstĂ€ndischen hĂ€tten Moskau nicht eingenommen», betonte er.

In seiner Rede im Freien vor den Hundertschaften verschiedener Sicherheitsdienste erinnerte Putin auch an die Piloten, die am Samstag bei ihren Angriffen auf die Wagner-Kolonne getötet wurden. Die Angehörigen des Verteidigungsministeriums, der Nationalgarde, des Inlandsgeheimdienstes FSB, des Innenministeriums und des Sicherheitsdienstes des PrÀsidenten gedachten mit Putin in einer Schweigeminute der Toten. Die Wagner-Truppen hatten mehrere Hubschrauber und ein Flugzeug am Samstag abgeschossen.

Russische Nationalgarde fordert Panzer

Nach dem bewaffneten Aufstand der Wagner-Söldnerarmee forderte der Chef der russischen Nationalgarde, Viktor Solotow, Panzer und schwere Waffen mit großer Reichweite fĂŒr seine Einheiten. Die Nationalgarde habe beides nicht, sagte Solotow in Moskau nach Angaben russischer Nachrichtenagenturen. Über Artillerie und Kampfhubschrauber verfĂŒge die Nationalgarde bereits.

Die 2016 von PrĂ€sident Wladimir Putin gegrĂŒndete Nationalgarde (Rosgwardija) ist dem Kremlchef direkt unterstellt. Alle ihre KrĂ€fte seien wĂ€hrend des Wagner-Aufstands an den Zufahrten zur russischen Hauptstadt konzentriert gewesen, sagte Solotow. Die aufstĂ€ndischen KĂ€mpfer hĂ€tten zwar bis nach Moskau vordringen können, «aber sie hĂ€tten Moskau nicht eingenommen». Die Nationalgarde soll nach SchĂ€tzungen bis zu 200.000 Mann umfassen.

Prigoschin nach Belarus geschickt

Söldnerchef Jewgeni Prigoschin hatte am Samstag nach Verhandlungen seinen Marsch Richtung Moskau ĂŒberraschend gestoppt. Nach eigenen Angaben wollte er ein Blutvergießen unter russischen Soldaten verhindern und kehrte deshalb 200 Kilometer vor der russischen Hauptstadt wieder um. Er hatte auch die sĂŒdrussische Stadt Rostow am Don besetzt und zog dort ebenfalls ab.

PrĂ€sident Putin hatte am Montagabend bestĂ€tigt, dass sein in Ungnade gefallener Ex-Vertrauter in Belarus mit seinen KĂ€mpfern Zuflucht finden könne. Er bezeichnete die abtrĂŒnnigen Wagner-Leute als «VerrĂ€ter». Ob Prigoschin schon in Belarus ist, war zunĂ€chst weiter unklar. Dem Moskau gegenĂŒber loyalen Teil der Wagner-Truppe bot Putin an, VertrĂ€ge mit dem russischen Verteidigungsministerium zu schließen.

Kreml sieht Russland nicht geschwÀcht

Der Kreml sieht das MachtgefĂŒge in Russland nach dem Aufstand der Wagner-Söldnereinheiten nicht erschĂŒttert. Es gebe jetzt eine Menge «ultra-emotionaler Hysterie» unter Experten und «Pseudo-Experten», sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow nach Angaben russischer Nachrichtenagenturen.

Das habe «nichts mit der RealitÀt zu tun». «Diese Ereignisse haben gezeigt, wie konsolidiert die Gesellschaft um den PrÀsidenten herum ist», behauptete Peskow.

@ dpa.de