Joe Biden, Hunter Biden

Sonderermittler zu Bidens Sohn Hunter eingesetzt

11.08.2023 - 18:35:53 | dpa.de

Der Sohn von US-PrÀsident Joe Biden hat seit geraumer Zeit mit juristischen Problemen zu kÀmpfen. Die Republikaner greifen Hunter Biden immer wieder an. Nun reagiert der US-Justizminister.

Joe Biden, damals VizeprÀsident der USA, und sein Sohn Hunter bei einem Basketballspiel. - Foto: Nick Wass/AP/dpa
Joe Biden, damals VizeprÀsident der USA, und sein Sohn Hunter bei einem Basketballspiel. - Foto: Nick Wass/AP/dpa

Die juristischen Probleme fĂŒr Joe Bidens Sohn Hunter spitzen sich dramatisch zu und werden zur zunehmenden politischen Belastung fĂŒr den US-PrĂ€sidenten. Justizminister Merrick Garland teilte am Freitag in Washington mit, dass er einen Sonderermittler fĂŒr Untersuchungen gegen Hunter Biden eingesetzt habe.

Außerdem platzte kĂŒrzlich eine Vereinbarung zwischen dem 53-JĂ€hrigen und der gegen ihn ermittelnden Staatsanwaltschaft vorerst, was einen Gerichtsprozess gegen den PrĂ€sidentensohn wahrscheinlicher macht. All das fĂ€llt mitten in Joe Bidens Wahlkampf fĂŒr eine zweite Amtszeit und in eine Zeit höchst aufgeladener politischer Stimmung in den USA mit Blick auf das Justizsystem des Landes.

ZusĂ€tzliche Befugnisse fĂŒr David Weiss

Gegen Hunter Biden laufen bereits seit mehreren Jahren Ermittlungen, unter anderem mit Blick auf mögliche Steuervergehen. Staatsanwalt David Weiss aus dem Bundesstaat Delaware hatte die Untersuchungen schon zuvor geleitet und bekommt nun als Sonderermittler zusÀtzliche Befugnisse. Unter anderem kann er damit auch jenseits von Delaware Nachforschungen vorantreiben.

Garland sagte, Weiss habe ihn am Dienstag darĂŒber informiert, dass «die Ermittlungen seines Erachtens ein Stadium erreicht hĂ€tten, in dem er seine Arbeit als Sonderermittler fortsetzen» sollte. «Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass es im öffentlichen Interesse liegt, ihn als Sonderermittler zu ernennen», betonte der Justizminister.

Im Juni hatte die Staatsanwaltschaft in Delaware formale VorwĂŒrfe gegen den PrĂ€sidentensohn veröffentlicht: Demnach betrug Hunter Bidens steuerpflichtiges Einkommen in den Jahren 2017 und 2018 mehr als 1,5 Millionen US-Dollar (rund 1,37 Millionen Euro). Die auf Bundesebene fĂ€llige Einkommenssteuer in Höhe von jeweils mehr als 100.000 US-Dollar habe er in beiden Jahren jedoch nicht rechtzeitig bezahlt.

Gab es einen fragwĂŒrdigen Deal?

Außerdem legte die Staatsanwaltschaft Hunter Biden zur Last, er habe 2018 unerlaubt eine Schusswaffe besessen. Beim Kauf der Waffe habe er seine Drogensucht verschwiegen. Als Drogenkonsument hĂ€tte er keine Waffe erwerben dĂŒrfen. Hunter Biden hatte seine langjĂ€hrige Drogensucht 2021 selbst in einem Buch öffentlich gemacht.

Parallel zur Veröffentlichung der VorwĂŒrfe gegen Hunter Biden hatte die Staatsanwaltschaft in Delaware im Juni außerdem eine mögliche Vereinbarung zwischen beiden Seiten publik gemacht: Hunter Biden habe sich bereiterklĂ€rt, sich in Bezug auf die Steuervergehen schuldig zu bekennen und in Bezug auf das Waffendelikt eine Vereinbarung mit bestimmten Bedingungen einzugehen, um einen Prozess abzuwenden, hieß es damals. Ein Gericht hĂ€tte jeglichen Deal dieser Art absegnen mĂŒssen. Bei einer Anhörung dazu Ende Juli brachte eine Richterin jedoch EinwĂ€nde gegen die Vereinbarung vor und billigte diese vorerst nicht. Stattdessen sollten beide Seiten nachverhandeln.

Das fĂŒhrte nicht zum Erfolg. «Nach der Anhörung setzten die Parteien ihre Verhandlungen fort, gerieten aber in eine Sackgasse», hieß es in Gerichtsdokumenten von Weiss, die am Freitag veröffentlicht wurden. Ein Prozess sei daher angebracht.

Politisch heikle Situation

Hunter Biden und seine AnwĂ€lte dĂŒrften gehofft haben, den Fall durch den geplanten Deal mit Staatsanwaltschaft schnell abzuschließen und ein Gerichtsverfahren zu umgehen. Stattdessen weiten sich die Ermittlungen gegen den 53-JĂ€hrigen nun noch aus.

Dass der Sohn eines amtierenden US-PrĂ€sidenten fĂŒr mehrere Vergehen auf Bundesebene von der Justiz belangt wird, ist an sich bereits höchst ungewöhnlich - wenn nicht beispiellos. Und es ist politisch heikel. In diesen Zeiten gilt das umso mehr: Der Demokrat Joe Biden will bei der Wahl 2024 fĂŒr eine zweite Amtszeit antreten. Sein Sohn ist schon seit Jahren Ziel politischer Angriffe aus den Reihen der Republikaner, allen voran von Ex-PrĂ€sident Donald Trump. Der erhob gegen Hunter Biden KorruptionsvorwĂŒrfe im Zusammenhang mit GeschĂ€ften in der Ukraine und in China. Im Kongress treiben die Republikaner dazu seit geraumer Zeit Untersuchungen gegen Hunter Biden voran.

Republikaner: Zwei-Klassen-Justiz-System

Gegen Trump wiederum wurden in den vergangenen Monaten wegen verschiedener VorwĂŒrfe drei Anklagen erhoben. Trump stehen in allen FĂ€llen Prozesse bevor - eine vierte Anklage könnte bald folgen. Mehrere Republikaner beklagten daher in den vergangenen Wochen, es gebe in den USA ein Zwei-Klassen-Justiz-System, in dem gegen Trump mit aller HĂ€rte vorgegangen werde, wĂ€hrend Hunter Biden durch einen Deal mit der Staatsanwaltschaft geschont werden solle.

Auch angesichts dieser politischen AngriffsflĂ€che dĂŒrfte sich Garland fĂŒr die Ernennung eines Sonderermittlers entschieden haben. Der Minister hatte bereits zuvor in heiklen FĂ€llen Sonderermittler eingesetzt - etwa um die Untersuchungen gegen Trump auszulagern. Der Minister beauftragte ebenfalls einen Sonderermittler damit, Joe Bidens Umgang mit Geheimunterlagen aus dessen Zeit als VizeprĂ€sident zu untersuchen. Garland wurde als Justizminister von PrĂ€sident Biden vorgeschlagen und vom Senat bestĂ€tigt.

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