Trump, Supreme

Trump siegt vor Supreme Court

04.03.2024 - 17:46:18

Der Sturm auf das US-Kapitol war eine ZÀsur. Trumps Gegner argumentieren, dass dieser deswegen nicht noch einmal PrÀsident werden kann. Der Supreme Court macht ihnen einen Strich durch die Rechnung.

Bedeutender Sieg fĂŒr den frĂŒheren US-PrĂ€sidenten Donald Trump vor dem obersten Gericht der USA: Der Republikaner hat erfolgreich Versuche seiner Gegner abgewehrt, ihn aus dem Rennen um die PrĂ€sidentschaft auszuschließen. Der Supreme Court entschied einstimmig, dass Colorado und andere Bundesstaaten keine Befugnis haben, den Republikaner vom Wahlzettel der parteiinternen Vorwahlen zu streichen. Diese liege stattdessen beim US-Kongress. Damit schaffte das Gericht kurz vor dem wichtigen Vorwahltag «Super Tuesday» Klarheit. An diesem Dienstag stimmen Republikaner und Demokraten in mehr als einem Dutzend Bundesstaaten ĂŒber ihre Kandidaten fĂŒr die PrĂ€sidentschaftskandidatur ab - darunter auch in Colorado. 

Urteil von großer Tragweite

Die Entscheidung ist zwar keine Überraschung - aber dennoch von großer Tragweite. Bei einer Anhörung Anfang Februar hatte sich bereits angedeutet, dass die neun Richterinnen und Richter in Trumps Sinne entscheiden werden. FĂŒr viele Fachleute hatte die Entscheidung des Supreme Courts bereits vor dem eigentlichen Urteil eine historische Dimension, weil der Richterspruch unmittelbaren Einfluss auf den Verlauf der PrĂ€sidentenwahl hat. Trump feierte den Sieg auf der von ihm mitbegrĂŒndeten Plattform «Truth Social» und schrieb in Versalien: «Großer Sieg fĂŒr Amerika!!!»

Trump will bei der US-PrĂ€sidentenwahl Anfang November erneut fĂŒr die Republikaner kandidieren. Wer als PrĂ€sidentschaftskandidat antreten will, muss sich in parteiinternen Vorwahlen durchsetzen. KlĂ€ger versuchen seit einiger Zeit in verschiedenen Bundesstaaten, Trumps Teilnahme an den Vorwahlen zu verhindern und den Namen des 77-JĂ€hrigen von Wahlzetteln streichen zu lassen. Hintergrund der Auseinandersetzung ist der beispiellose Angriff auf den US-Parlamentssitz vor fast genau drei Jahren. AnhĂ€nger Trumps hatten am 6. Januar 2021 gewaltsam das Kapitol in Washington gestĂŒrmt. Dort war der Kongress zusammengekommen, um den Sieg des Demokraten Joe Biden bei der PrĂ€sidentenwahl von 2020 formal zu bestĂ€tigen. 

Gegner argumentieren mit Trumps Rolle beim Sturm aufs Kapitol

Trump hatte seine AnhĂ€nger zuvor bei einer Rede durch unbelegte Behauptungen aufgewiegelt, dass ihm der Wahlsieg durch massiven Betrug gestohlen worden sei. Trumps Gegner sind der Auffassung, dass Trump wegen seines Verhaltens nach der Wahl 2020 nicht noch einmal ins Weiße Haus einziehen darf. Sie argumentieren mit der sogenannten Aufstandsklausel in der Verfassung. Sie besagt sinngemĂ€ĂŸ, dass niemand ein höheres Amt im Staat bekleiden darf, der sich zuvor als AmtstrĂ€ger an einem Aufstand gegen den Staat beteiligt hat. Zwar werden in der Passage fĂŒr solche höheren Ämter einige Beispiele genannt, nicht explizit aufgefĂŒhrt wird aber das Amt des PrĂ€sidenten. 

Den Stein ins Rollen gebracht hatte ein explosives Urteil im Dezember. Das höchste Gericht des Bundesstaats Colorado entschied, dass Ex-PrĂ€sident Trump sich wegen seiner Rolle beim Sturm auf das US-Kapitol fĂŒr die Vorwahl der Republikaner fĂŒr die PrĂ€sidentschaftskandidatur in dem Bundesstaat disqualifiziert habe. Trump legte Berufung ein. Das Urteil wurde so lange ausgesetzt, bis die Frage endgĂŒltig geklĂ€rt ist. So landete der Fall schließlich beim höchsten Gericht der USA. In den Bundesstaaten Maine und Illinois fielen Ă€hnliche Entscheidungen. Die oberste Wahlaufseherin von Colorado, Jena Griswold, Ă€ußerte sich enttĂ€uscht ĂŒber die Entscheidung des Obersten Gerichts. Sie schrieb, Colorado sollte in der Lage sein, «eidbrĂŒchige AufrĂŒhrer» vom dortigen Wahlzettel streichen. 

Supreme Court Ă€ußert sich nicht inhaltlich zum Kapitol-Sturm

Der Supreme Court machte nun deutlich, dass Bundesstaaten keine Befugnis haben, PrÀsidentschaftskandidaten unter Bezug auf die Aufstandsklausel vom Wahlzettel zu streichen. Stattdessen liege diese Befugnis beim US-Kongress, so das Gericht. Daher könne das Urteil des höchsten Gerichts von Colorado keinen Bestand haben. Auch die Entscheidungen anderer Bundesstaaten sind damit hinfÀllig. Das Gericht warnte vor Chaos, sollten in unterschiedlichen Staaten Kandidaten vom Wahlzettel gestrichen werden.

Bereits vor der Entscheidung hatte sich angedeutet, dass der Supreme Court dem Kongress die Verantwortung zuschieben könnte. Der Gerichtshof hat damit nicht inhaltlich dazu Stellung bezogen, ob es sich bei dem Sturm auf das Kapitol um einen Aufstand handelt oder nicht. Einige Juristinnen und Juristen hatten vorab davor gewarnt, dass der Supreme Court urteilen könnte, dass erst der Kongress handeln muss, bevor die Aufstandsklausel auf eine bestimmte Person angewendet werden kann. Sie hatten stattdessen darauf gesetzt, dass die Richterinnen und Richter eine inhaltliche Entscheidung treffen. Einige befĂŒrchten gar eine Verfassungskrise bei kĂŒnftigen Wahlen mit Blick auf die Befugnis des Kongresses. 

Alle Augen auf den «Super Tuesday»

Es wurde erwartet, dass der Supreme Court noch vor dem «Super Tuesday» Stellung bezieht. Der Wahltag ist der nĂ€chste große Meilenstein im Wahljahr. Bei den Republikanern liefert sich Trump derzeit noch ein Duell mit der ehemaligen US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Nikki Haley, um die Nominierung der Partei um die Kandidatur fĂŒr die PrĂ€sidentschaftswahl Anfang November. Der Nominierungsparteitag der Republikaner findet Mitte Juli in Milwaukee im Bundesstaat Wisconsin statt.

Trump liegt dabei haushoch in FĂŒhrung. Haley hatte am Sonntag zwar erstmals eine der Vorwahlen fĂŒr sich entschieden - allerdings lediglich im Hauptstadtdistrikt Washington, der als Hochburg von Trump-Gegnern gilt und zahlenmĂ€ĂŸig in dem Rennen nicht sehr ins Gewicht fĂ€llt. FĂŒr die Demokraten möchte Amtsinhaber Biden fĂŒr eine weitere Amtszeit kandidieren. Er hat in dem internen Rennen seiner Partei keine ernstzunehmende Konkurrenz. Derzeit deutet also alles darauf hin, dass am Ende erneut Biden und Trump gegeneinander antreten dĂŒrften.

Der Supreme Court beschĂ€ftigt sich derzeit noch mit einem anderen Fall, der aber nichts mit der Frage nach dem Wahlzettel zu tun hat. Das Gericht will klĂ€ren, ob ehemalige PrĂ€sidenten vor Strafverfolgungen fĂŒr Handlungen im Amt geschĂŒtzt sind. Hintergrund ist der Strafprozess gegen Trump in Washington wegen versuchten Wahlbetrugs. Eine Anhörung vor dem obersten US-Gericht ist fĂŒr Ende April angesetzt. 

@ dpa.de