Gedenken an Nawalny: Moskau weist Vergiftungsvorwurf zurĂŒck
16.02.2026 - 14:33:50 | dpa.deZwei Jahre nach dem Tod des Kremlgegners Alexej Nawalny haben in Russland und anderen LĂ€ndern viele Menschen an den OppositionsfĂŒhrer erinnert. In Moskau legten Angehörige, darunter seine Mutter, Blumen am Grab auf dem Borissowskoje Friedhof nieder. Trotz teils heftigen Schneefalls und eines von den Behörden verbreiteten Klimas der Angst und EinschĂŒchterung erinnerten viele Menschen an ihr Idol fĂŒr ein freies Russland, fĂŒr das der Gegner von Kremlchef Wladimir Putin gekĂ€mpft hatte.Â
Nach Angaben des im auslĂ€ndischen Exil arbeitenden Nawalny-Teams waren Gedenkveranstaltungen in mehr als 20 Staaten geplant. Allein in Deutschland sollte in einem Dutzend StĂ€dten erinnert werden, darunter in Berlin, Hamburg und Leipzig.Â
Nawalny war am 16. Februar 2024 in einem Straflager in der Arktisregion umgekommen. Seine Witwe, Julia Nawalnaja, wirft Putin Mord vor. Nawalny galt als prominentester Gegner Putins, auch weil er KorruptionsfĂ€lle aufdeckte und dessen nach auĂen getragenen konservativen Werte als hohl entlarvte.
In Russland waren Kundgebungen wie immer verboten. Trotzdem legten in vielen StĂ€dten Menschen Blumen an GedenkstĂ€tten fĂŒr die Opfer politischer Verfolgung nieder - ungeachtet der teils auffĂ€lligen PolizeiprĂ€senz. In St. Petersburg und Wolgograd gab es Berichte ĂŒber jeweils eine Festnahme.
Kreml weist MordvorwĂŒrfe zurĂŒck
Julia Nawalnaja, die die politische Arbeit ihres Mannes fortsetzt, geht davon aus, dass ihr Mann nach mehreren misslungenen AnschlĂ€gen mit einem Nervengift im Straflager getötet wurde. Schon 2020 hatte Nawalny knapp ein Attentat mit dem chemischen Kampfstoff Nowitschok ĂŒberlebt.
Der Kreml weist die Giftmord-VorwĂŒrfe â zuletzt unter anderem auch von BundesauĂenminister Johann Wadephul (CDU) â zurĂŒck. «Wir akzeptieren solche Anschuldigungen natĂŒrlich nicht, wir sind mit ihnen nicht einverstanden, wir halten sie fĂŒr voreingenommen und unbegrĂŒndet», sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow.Â
Laut Wadephul soll Nawalny mit dem Gift eines Pfeilgiftfrosches getötet worden sein, dies hĂ€tten Analysen der sterblichen Ăberreste Nawalnys ergeben. Genaue Details dazu wurden zunĂ€chst nicht prĂ€sentiert.
Nawalnaja: Wahrheit von Nawalnys Tod nun bekanntÂ
Dagegen betonte Nawalnaja in einem Instagram-Beitrag, dass es nun Klarheit gebe ĂŒber die Todesursache. «Zwei Jahre. Die Wahrheit haben wir ergrĂŒndet, und die Gerechtigkeit werden wir auch eines Tages erreichen», schrieb sie vor einem am Abend in Paris geplanten Auftritt bei einer Kundgebung. Sie unterlegte den Post mit dem Lied «My Way» von Frank Sinatra.
Nawalnaja hatte am Samstag in MĂŒnchen mit Wadephul am Rande der Sicherheitskonferenz Laborergebnisse bekanntgegeben, denen zufolge ihr Mann mit dem Nervengift getötet worden sein soll. Wadephul zeigte sich schockiert, er sprach von Vergiftung. Nur der russische Staat habe «Möglichkeit, Motiv und Mittel» gehabt, den Oppositionellen zu vergiften, bekrĂ€ftigte das AuswĂ€rtige Amt auch am Montag.
Die russischen Behörden behaupten hingegen seit langem, dass Nawalny eines natĂŒrlichen Todes gestorben sei. Sie hatten seine Leiche trotz Bitten von Nawalnys Mutter tagelang nicht herausgegeben. Deshalb wurde befĂŒrchtet, dass etwaige Giftspuren womöglich nicht mehr nachgewiesen werden können. Unklar ist, wie die Gewebeproben Nawalnys in den Westen gelangt sind.
Amnesty fordert AufklÀrung der TodesumstÀnde
Menschenrechtler kritisieren, dass es in Russland keine AufklĂ€rung gab. «Bis heute vertuschen die russischen Behörden die UmstĂ€nde seines Todes», erklĂ€rt Julia Duchrow, GeneralsekretĂ€rin von Amnesty International in Deutschland. Zugleich fĂŒhre der Machtapparat eine «gnadenlose Kampagne» gegen AnhĂ€nger Nawalnys. Seine AnwĂ€lte sind inhaftiert. «Diese systematische Repression zeigt, wie kompromisslos der russische Staat gegen jede Form friedlicher Kritik vorgeht», sagte sie.Â
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Duchrow appellierte an die russischen Behörden, die Inhaftierten freizulassen und «ungerechtfertigte Verurteilungen» aufzuheben. Zugleich forderte sie die Bundesregierung dazu auf, politisch verfolgten Menschen aus Russland zu helfen, etwa durch flexible Visa- und Aufenthaltsregelungen.
Tausende politische Gefangene
Nawalny war einer von Tausenden politischen Gefangenen in Russland, von denen Putin bisher nur einige im Tausch mit im Westen inhaftierten Russen freigelassen hat. Menschenrechtler sehen viele Gefangene in Lebensgefahr in den russischen Straflagern - aufgrund von Folter oder anderer als menschenunwĂŒrdig kritisierten UmstĂ€nde.
Die Menschenrechtsorganisation Memorial geht davon aus, dass Russland mindestens 5.027 Menschen wegen politischer Motive in Gefangenschaft hĂ€lt. Memorial fĂŒhrt eine namentliche Liste. «Das ist eine minimale SchĂ€tzung. Wir gehen davon aus, dass es in Wirklichkeit mindestens doppelt so viele Gefangene geben könnte», hieĂ es in einer Mitteilung.
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