Es geht um zwei Kriege: Selenskyj und Netanjahu bei Trump
Veröffentlicht am: 28.07.2026 um 16:55 Uhr | dpa.deUS-PrĂ€sident Donald Trump hat in Washington den ukrainischen PrĂ€sidenten Wolodymyr Selenskyj empfangen. Bei dem GesprĂ€ch sollte es Selenskyj zufolge um weitere US-amerikanische UnterstĂŒtzung fĂŒr ein Ende des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine gehen. Auch eine StĂ€rkung der Flugabwehr habe PrioritĂ€t, sagte er. Die USA sehen sich in dem Krieg als Vermittler â ihre BemĂŒhungen um ein Kriegsende sind zuletzt aber wegen ihres eigenen Kriegs gegen den Iran in den Hintergrund geraten.
Unmittelbar danach stand fĂŒr Trump ein GesprĂ€ch mit dem israelischen MinisterprĂ€sidenten Benjamin Netanjahu an, bei dem es um den Iran-Krieg gehen sollte. Anlass der zwei internationalen Treffen im WeiĂen Haus war ein Trauerfall: Selenskyj und Netanjahu kamen nach Washington zur Trauerfeier fĂŒr den unlĂ€ngst gestorbenen US-Senator Lindsey Graham. Er hatte sich einen Namen als wichtiger UnterstĂŒtzer Israels und der Ukraine gemacht.Â
Zentrale Punkte der politischen GesprĂ€che des US-PrĂ€sidenten:Â
Selenskyj und Trump
Trump und Selenskyj haben sich in den vergangenen Wochen hĂ€ufiger gesehen: Anfang des Monats beim Nato-Gipfel in Ankara und Mitte Juni beim G7-Gipfel im französischen Ăvian. Bei beiden Gipfeln trugen die USA auch gemeinsame Positionen zum Ukraine-Krieg mit.
VerhÀltnis der beiden
Wenn Selenskyj nach Washington kommt, werden unweigerlich Erinnerungen an den Eklat im Oval Office wach. Kurz nach seinem Amtsantritt ĂŒberzog Trump seinen ukrainischen Kollegen dort vor laufenden Kameras lautstark mit heftigen VorwĂŒrfen und brach das Treffen abrupt ab.
Danach besserten sich die Beziehungen der beiden StaatsoberhĂ€upter â auch wenn sich Trump weiterhin Kritik ausgesetzt sah, nicht genug Distanz zum russischen PrĂ€sidenten Wladimir Putin zu zeigen. Der Wendepunkt war laut Selenskyj ein kurzes GesprĂ€ch im Vatikan im April 2025. «Das war ein historischer Moment, da wir unsere Beziehung in 15, 20 Minuten Ă€nderten», sagte Selenskyj der rechten US-Influencerin Laura Loomer kĂŒrzlich in Kiew.Â
Worum es Selenskyj bei Trump gehen könnte
Neben Sanktionen gegen Russland sind fĂŒr Selenskyj vor dem kommenden Winter neue Lieferungen von Patriot-Flugabwehrraketen relevant. Zwar soll Kiew eine Lizenz zur eigenen Produktion dieser Flugkörper bekommen. Doch der Aufbau einer Produktion in der Ukraine wird Monate dauern, die StĂŒckzahlen werden den Bedarf gegen russische Raketenangriffe kaum decken können. Mitte Juli hatte der ukrainische Staatschef als Mindestbedarf 300 dieser Raketen fĂŒr die drei Wintermonate angegeben.Â
Es wird erwartet, dass Selenskyj am Abend (US-OstkĂŒstenzeit) auch Senatoren beider Parteien trifft. Nach Informationen des US-Portals «The Hill» wurden alle 100 Senatoren zu dem Treffen eingeladen. In der Kongresskammer wird seit langem ĂŒber ein neues Sanktionspaket gegen Russland verhandelt, das der Trump-VerbĂŒndete Graham maĂgeblich vorangetrieben hatte. Es richtet sich unter anderem gegen LĂ€nder, die russische EnergietrĂ€ger importieren und damit helfen, den Krieg gegen die Ukraine zu finanzieren. Nach dem Tod Grahams versuchen mehrere Senatoren, das Anliegen ihres gestorbenen Kollegen zum Abschluss zu bringen.
Netanjahu und Trump
Trump empfing Netanjahu zuletzt im Februar im WeiĂen Haus. Im Zentrum der GesprĂ€che damals: der Umgang mit dem Iran. Rund zweieinhalb Wochen spĂ€ter starteten die USA und Israel ihre gemeinsamen Angriffe gegen die Islamische Republik. Seitdem sind fĂŒnf Monate vergangen â und unterschiedliche Interessen der USA und Israels in dem Krieg zunehmend sichtbar geworden. WĂ€hrend Israel den Krieg Medienberichte zufolge fortsetzen wollte, lag Trumps Fokus zuletzt lange auf einer diplomatischen Lösung.
Nach der jĂŒngsten Eskalation in dem Krieg sind jedoch sowohl die vereinbarte Waffenruhe als auch das Rahmenabkommen Washingtons mit Teheran aktuell Geschichte. FĂŒr Trump ist das ein Problem: In knapp 100 Tagen stehen die wichtigen Zwischenwahlen zum US-Kongress an. Der Krieg ist im eigenen Land unbeliebt â und einige in den USA machen Netanjahu dafĂŒr verantwortlich, Trump dazu ĂŒberredet zu haben.
VerhÀltnis der beiden
In den vergangenen Monaten galt das einst gute VerhĂ€ltnis der beiden wegen der Differenzen im Iran-Krieg als belastet. Gerade vor einer richtungsweisenden Wahl in Israel im Oktober ist es fĂŒr Netanjahu entscheidend, Einigkeit mit Trump zu zeigen.Â
Netanjahu betonte vor der Zusammenkunft, es sei bereits sein achtes Treffen mit Trump in dessen zweiter Amtszeit, «mehr als mit jedem anderen internationalen Staats- oder Regierungschef». Trump wiederum sagte am Montag, dass er und Netanjahu mit Blick auf den Iran zwar eine «kleine Unstimmigkeit» hÀtten, aber ziemlich nah beieinander lÀgen.
Worum es Netanjahu bei Trump gehen könnte
Netanjahu machte zu Beginn seiner US-Reise klar, wichtigstes Thema bei Trump werde der Iran sein. Der israelische TV-Sender N12 berichtete, Netanjahu wolle Geheimdienstinformationen ĂŒber mutmaĂliche Bestrebungen des Irans vorlegen, seine militĂ€rischen FĂ€higkeiten wiederaufzubauen. Dazu gehörten auch angebliche Bestrebungen von Irans oberstem FĂŒhrer, Ajatollah Modschtaba Chamenei, auf eine Atomwaffe hinzuarbeiten. Teheran dementiert solche Berichte schon seit Jahren. Medienberichten zufolge könnte Netanjahu Trump um die Zustimmung zu neuen Angriffen Israels im Iran bitten.
