Neue Waffen und humanitĂ€re Hilfe fĂŒr die Ukraine
Veröffentlicht am: 07.09.2024 um 04:53 Uhr | dpa.deDie Ukraine hat beim Treffen der internationalen VerbĂŒndeten auf dem US-LuftwaffenstĂŒtzpunkt im rheinland-pfĂ€lzischen Ramstein Zusagen fĂŒr weitere militĂ€rische UnterstĂŒtzung erhalten. Die offiziell verkĂŒndeten Zusagen blieben jedoch hinter den Erwartungen Kiews zurĂŒck, zudem wurde die erhoffte Erlaubnis der VerbĂŒndeten zum Einsatz von weitreichenden Waffen gegen militĂ€rische Ziele auf russischem Staatsgebiet nicht erteilt. Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj war zu den GesprĂ€chen in Ramstein angereist, flog am Abend nach Italien weiter.
Bei einem Auftritt auf dem Ambrosetti-Forum am Como-See lehnte der Ukrainer dann ein Einfrieren des Krieges nach dem Vorbild des Koreakrieges erneut ab. Verhandlungen mit Russland werde es zudem nur aus einer Position der StĂ€rke heraus geben. Kremlchef Wladimir Putin, dem Selenskyj ein «krankes Hirn» attestierte, wolle die Ukraine einfach nur vernichten und nicht verhandeln. Daher mĂŒsse er zum Frieden gezwungen werden, betonte Selenskyj.
Der ukrainische PrĂ€sident bekrĂ€ftigte, dass die StreitkrĂ€fte seines Landes nur militĂ€rische Ziele auf russischem Staatsgebiet mit weitreichenden Waffen angreifen wollten. «Wir wollen diese weitreichenden Waffen nur fĂŒr militĂ€rische Ziele von 100 bis 300 Kilometer Entfernung einsetzen, das ist alles», sagte er. «Wir greifen niemals, niemals ihre zivile Infrastruktur an.»
US-Verteidigungsminister Lloyd Austin hatte sich zuvor sich mit Blick auf Forderungen der Ukraine, Waffen mit gröĂerer Reichweite auch gegen Ziele in Russland richten zu dĂŒrfen, zurĂŒckhaltend gezeigt. «Ich glaube nicht, dass eine bestimmte FĂ€higkeit entscheidend sein wird», sagte Austin zum Abschluss des Treffens der Ukraine-Kontaktgruppe in Ramstein. Das aktuelle Gefechtsfeld zeige, dass Russland bestimmte Flugzeuge, die Gleitbomben einsetzen können, verlegt hĂ€tten - so dass sie auĂerhalb der Reichweite von Raketen vom US-Typ ATACMS stationiert sind.
Auf das Nachhaken eines Journalisten, wonach Selenskyj gesagt habe, es gebe strategische Ziele in Russland, die mit Waffen gröĂerer Reichweite getroffen werden könnten, reagierte Austin ausweichend. Es gebe viele Ziele in Russland und die Ukraine verfĂŒge ĂŒber zahlreiche Möglichkeiten, diese anzugreifen - etwa mit Drohnen. «Ich denke, dass wir in absehbarer Zukunft dafĂŒr sorgen werden, dass wir uns weiterhin darauf konzentrieren, der Ukraine dabei zu helfen, ihr Hoheitsgebiet wirksam zu verteidigen», so Austin weiter.Â
Neue MilitĂ€rhilfe fĂŒr die Ukraine
Rund um das Ramstein-Treffen erhielt die Ukraine Zusagen fĂŒr neue militĂ€rische UnterstĂŒtzung. Die USA wollen laut Austin zur Abwehr des russischen Angriffskriegs weitere MilitĂ€rhilfe im Umfang von rund 250 Millionen US-Dollar (rund 225 Millionen Euro) zur VerfĂŒgung zu stellen. In den vergangenen Monaten haben die USA bereits mehrere Tranchen an MilitĂ€rhilfe bereitgestellt, nachdem der US-Kongress Ende April neue Mittel im Umfang von rund 61 Milliarden US-Dollar (56,2 Milliarden Euro) fĂŒr Kiew freigegeben hatte. Die USA sind der wichtigste VerbĂŒndete und gröĂte Waffenlieferant der Ukraine in deren Abwehrkampf gegen Russland.Â
Der zweitwichtigste Waffenlieferant Deutschland sagte ebenfalls neue Waffen zu und unterstĂŒtzt die Ukraine mit zwölf weiteren Panzerhaubitzen 2000 im Wert von 150 Millionen Euro. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) sagte Selenskyj zu, die ersten sechs der modernen ArtilleriegeschĂŒtze noch in diesem Jahr zu liefern, die anderen sechs dann im kommenden Jahr.
GroĂbritannien sagte Kiew weitere Flugabwehr-Waffen zu, die Niederlande kĂŒndigten ein Waffen- und AusrĂŒstungspaket fĂŒr ukrainische Kampfflugzeuge vom Typ F-16 im Wert vom 80 Millionen Euro an. Auch Kanada wollte weitere Waffen und Munition zur VerfĂŒgung stellen. Unter anderem werden Raketentriebwerke und zugehörige Gefechtsköpfe fĂŒr von Hubschraubern eingesetzte Luft-Boden-Raketen geliefert. Dazu hat Kanada in dieser Woche mit der Ausbildung ukrainischer Piloten fĂŒr F-16-Kampfflugzeuge begonnen. Spaniens Regierung kĂŒndigte an, den Ukrainern eine komplette Batterie Hawk-Raketen zur Flugabwehr bereitzustellen.
EU stockt humanitĂ€re Hilfe aufÂ
Die EU stockt nach den jĂŒngsten russischen Angriffen auf die Energieinfrastruktur der Ukraine ihre humanitĂ€re Hilfe auf. Vor dem kommenden Winter sollen zusĂ€tzliche 35 Millionen Euro bereitgestellt werden, wie die EuropĂ€ische Kommission mitteilte. Weitere fĂŒnf Millionen Euro sind zur UnterstĂŒtzung ukrainischer FlĂŒchtlinge und ihrer Aufnahme im Nachbarland Moldau vorgesehen.
In der Ukraine will die EU mit dem Geld unter anderem dazu beitragen, dass beschĂ€digte GebĂ€ude repariert werden und die Strom- und WĂ€rmeversorgung sichergestellt werden kann. In Moldau sollen die neuen Mittel etwa dazu dienen, die Vorbereitung auf zusĂ€tzliche FlĂŒchtlinge zu verbessern.
EinschlieĂlich der an diesem Freitag angekĂŒndigten Mittel hat die Kommission nach eigenen Angaben bereits 966 Millionen Euro bereitgestellt, um die vom Krieg in der Ukraine betroffene Zivilbevölkerung zu unterstĂŒtzen. Laut des zustĂ€ndigen Kommissars Janez Lenarcic erhöht sich der diesjĂ€hrige Gesamtbetrag nun auf 110 Millionen Euro fĂŒr die Ukraine und auf 13 Millionen Euro fĂŒr Moldau.
