Selenskyj: Putin muss Krieg persönlich verlieren
11.06.2024 - 15:57:35Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj hat die VerbĂŒndeten seines Landes dazu aufgerufen, den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine gemeinsam erfolgreich zu beenden.
Man dĂŒrfe Russland nicht einen weiteren Marsch durch Europa erlauben, sagte Selenskyj in einer emotionalen Rede im Deutschen Bundestag. «Es ist unser gemeinsames Interesse, dass Putin diesen Krieg persönlich verliert.» Der russische PrĂ€sident Wladimir Putin sei es gewohnt, andere zu unterwerfen.
Der ukrainische PrĂ€sident wurde von den Abgeordneten mit langanhaltendem Beifall begrĂŒĂt. Er kam an der Seite von BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier in den vollen Plenarsaal. Auch BundesratsprĂ€sidentin Manuela Schwesig (SPD) und Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) mit seinem Kabinett nahmen an der Sitzung teil. Vor dem Rednerpult, auf den PlĂ€tzen der Parlamentsstenografen, lagen drei groĂe Blumengestecke in den ukrainischen Farben blau und gelb.Â
Minutenlanger Applaus
Der Krieg mĂŒsse so beendet werden, dass kein Zweifel bestehe, wer gesiegt habe, sagte Selenskyj, der immer wieder von Beifall unterbrochen wurde. Am Ende applaudierten ihm die Abgeordneten minutenlang stehend. Russland mĂŒsse fĂŒr die Entfesselung des Krieges die volle Verantwortung ĂŒbernehmen. «Russland muss fĂŒr den ganzen Schaden zahlen, der durch diese Aggression verursacht wurde.»
Der ukrainische PrĂ€sident wĂŒrdigte mehrfach die deutsche UnterstĂŒtzung fĂŒr sein Land. «Ich danke Dir Deutschland.» Er nannte vor allem die Lieferung von Patriot-Flugabwehrsystemen. Diese hĂ€tten Tausende Menschenleben gerettet.Â
Selenskyj erinnerte die Deutschen an ihre eigene Geschichte wĂ€hrend des Kalten Krieges. «Das geteilte Europa war niemals friedlich. Und das geteilte Deutschland war niemals glĂŒcklich.» Das wisse Deutschland aus eigener Erfahrung. «Und daher können Sie uns, die Ukrainer verstehen. Sie können verstehen, warum wir so gegen die Versuche Russlands kĂ€mpfen uns zu teilen und die Ukraine zu teilen. Warum wir alles, einfach alles tun, um keine Mauer zwischen den Teilen unseres Landes zuzulassen. Kein Land sollte dazu verurteilt sein, dass Stacheldraht fĂŒr Jahrzehnte seinen Leib zerreiĂt.»
SolidaritÀtsbekundungen der BundestagsprÀsidentin
Selenskyj ging auch auf die bevorstehende Ukraine-Friedenskonferenz in der Schweiz ein. «Wir wollen der Diplomatie eine Chance geben», sagte er. «Die Ukraine hat niemals nur auf die StÀrke der Waffen gesetzt.»
Selenskyj hatte bereits am 17. MĂ€rz 2022, drei Wochen nach dem Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine, zu den Abgeordneten gesprochen. Damals wurde er per Video live in den Plenarsaal zugeschaltet.
BundestagsprÀsidentin BÀrbel Bas (SPD) sagte dem ukrainischen PrÀsidenten die SolidaritÀt des Parlaments zu - «in Kriegszeiten und beim Wiederaufbau», wie sie betonte. «Und ich bin mir sicher: Die russischen Kriegsverbrechen werden geahndet. Das ist Deutschland, das ist Europa, das ist die demokratische Welt den Menschen in der Ukraine schuldig», sagte Bas.
An der Sitzung nahmen fast alle Abgeordneten teil. Nur die AfD-Fraktion fehlte bis auf vier Abgeordnete. Die Gruppe BSW hatte vorher schon angekĂŒndigt, die Rede zu boykottieren.


