Selenskyj, Moskau

Selenskyj: MĂŒssen Moskau zu einem Ende des Kriegs zwingen

25.09.2024 - 04:55:35

Der ukrainische PrĂ€sident ist in den USA und hat einen geheimnisvollen Plan in der Tasche: Sein Land sucht Hilfe fĂŒr einen Sieg und einen gerechten Frieden. AllmĂ€hlich werden die Details klarer.

  • Der ukrainische PrĂ€sident Selenskyj spricht im UN-Sicherheitsrat. Verhandlungen mit Russland sieht er skeptisch. - Foto: Michael Kappeler/dpa

    Michael Kappeler/dpa

  • Mindestens drei Menschen sind bei EinschlĂ€gen von Gleitbomben in Charkiw getötet worden. - Foto: ---/Kharkiv City Administration/AP/dpa

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Der ukrainische PrÀsident Selenskyj spricht im UN-Sicherheitsrat. Verhandlungen mit Russland sieht er skeptisch. - Foto: Michael Kappeler/dpaMindestens drei Menschen sind bei EinschlÀgen von Gleitbomben in Charkiw getötet worden. - Foto: ---/Kharkiv City Administration/AP/dpa

Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj hat im UN-Sicherheitsrat seine VerbĂŒndeten beschworen, gemeinsam ein Ende des russischen Angriffskrieges zu erzwingen. Kremlchef Wladimir Putin habe «so viele internationale Gesetze und Regeln gebrochen, dass er nicht von allein damit aufhören wird. Russland kann nur zum Frieden gezwungen werden, und genau das ist nötig», sagte Selenskyj in einer Sitzung des höchsten Gremiums der Vereinten Nationen in New York. Dort wird er heute auch in der UN-Generaldebatte das Wort ergreifen und versuchen, politische und militĂ€rische UnterstĂŒtzung fĂŒr sein Land zu mobilisieren.

Aus der Heimat kamen unterdessen schlechte Nachrichten. Nach einem russischen Luftangriff mit Gleitbomben auf die Stadt Charkiw stieg die Zahl der Opfer bis Dienstagabend auf mindestens 3 Tote und 34 Verletzte. Bei den BodenkĂ€mpfen im Osten der Ukraine sind die Verteidiger weiter unter schwerem Druck. Russische Truppen rĂŒcken an der Stadt Wuhledar im Gebiet Donezk vor und drohen sie einzukreisen. In der Nacht auf Mittwoch herrschte in der OsthĂ€lfte der Ukraine Luftalarm. In den Gebieten Sumy, Poltawa sowie in der Hafenstadt Odessa waren nach Behördenangaben Explosionen zu hören.

Selenskyj arbeitet auf Siegesplan hin

Selenskyj nutzte den Auftritt im UN-Sicherheitsrat, um die diplomatische Initiative vorzubereiten, die Ziel seiner US-Reise ist. Er will am Donnerstag beim scheidenden US-PrÀsidenten Joe Biden einen Plan vorstellen, wie ein Sieg der Ukraine und ein gerechter Frieden erreicht werden kann. Auch dessen mögliche Nachfolger Kamala Harris und Donald Trump sollen informiert werden.

Russland begehe mit dem Krieg ein internationales Verbrechen, sagte Selenskyj. «Deshalb kann dieser Krieg nicht einfach verschwinden. Deshalb kann dieser Krieg nicht durch GesprĂ€che beruhigt werden.» Er fĂŒgte hinzu: «Es muss gehandelt werden.» Er sei «allen Nationen dankbar, die wirklich auf eine Weise helfen, die das Leben unserer Menschen rettet». WĂ€hrend Selenskyj sprach, blĂ€tterte der russische Botschafter Wassili Nebensja demonstrativ in seinen Unterlagen und schaute aufs Handy. In seiner Erwiderung warf Nebensja dem ukrainischen PrĂ€sidenten vor, sein eigenes Land und Volk zu zerstören.

Ukraine will keine vorĂŒbergehende Besatzung akzeptieren

Die einzelnen Schritte, die Selenskyj vorschlagen will, sind bislang nicht bekannt. Dazu gehört aber die Forderung nach einem Nato-Beitritt der Ukraine, wie Selenskyjs Stabschef Andrij Jermak bei einem Auftritt in New York sagte. Ein weiterer «obligatorischer Punkt» sei, dass die Ukraine auf dem Weg zu einem Frieden keine vorĂŒbergehende russische Besatzung ihrer Gebiete akzeptieren werde. Das teilte das Außenministerium in Kiew mit. Russland mĂŒsse vollstĂ€ndig aus dem international anerkannten Hoheitsgebiet der Ukraine abziehen. Russland hĂ€lt etwa ein FĂŒnftel des Nachbarlandes besetzt und beansprucht mindestens fĂŒnf Verwaltungsgebiete im SĂŒdosten des Landes und die schon 2014 annektierte Halbinsel Krim.

MilitĂ€risch bittet die Ukraine seit Monaten die USA darum, die BeschrĂ€nkungen fĂŒr den Einsatz gelieferter Waffen bis mehrere hundert Kilometer tief nach Russland hinein aufzuheben. Dort liegen Munitionsdepots, Kommandostellen und LuftwaffenstĂŒtzpunkte, von denen aus russische Kampfjets zu BombenabwĂŒrfen auf die Ukraine starten. In Selenskyjs Überlegungen dĂŒrfte die Besetzung von etwa 1000 Quadratkilometern im russischen Gebiet Kursk durch seine Armee ein Faustpfand fĂŒr die RĂ€umung ukrainischer Gebiet sein.

Bombentreffer auf Charkiw

Durch den Einschlag mehrerer russischer Gleitbomben in der ostukrainischen Großstadt Charkiw gab es zivile Opfer. «Die Ziele russischer Bomben sind ein Wohnhaus, eine Brotfabrik, ein Stadion. Das heißt, das normale Leben einfacher Leute», schrieb Selenskyj auf Telegram. Mindestens drei Menschen seien getötet worden. Außerdem gab es 34 Verletzte. BĂŒrgermeister Ihor Terechow sprach von BombeneinschlĂ€gen in vier Stadtvierteln und von zwei beschĂ€digten HochhĂ€usern. Die Millionenstadt Charkiw liegt nur etwas mehr als 20 Kilometer von der russischen Grenze entfernt und wird nahezu tĂ€glich vom russischen MilitĂ€r mit Raketen und Bomben angegriffen.

Russlands Haushalt 2025 auf Krieg ausgerichtet

Ungeachtet westlicher Sanktionen setzt Russland bei seiner Haushaltsplanung fĂŒr 2025 auf hohe Öl- und Gaserlöse. MinisterprĂ€sident Michail Mischustin sagte in Moskau, die staatlichen Einnahmen sollten um 12 Prozent auf 40,3 Billionen Rubel (etwa 390 Milliarden Euro) steigen. Der Anteil des Energiesektors an den Einnahmen werde auf knapp drei Viertel wachsen. Die Ausgabenseite solle weniger stark wachsen auf 41,4 Billionen Rubel (etwa 400 Milliarden Euro). So sei ein Defizit von 0,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes zu erwarten. 

Nach Medienberichten ist auch der kĂŒnftige Haushalt auf den Krieg gegen die Ukraine und eine große RĂŒstungsproduktion ausgerichtet. FĂŒr das MilitĂ€r seien 13,2 Billionen Rubel eingeplant, berichtete die Finanznachrichtenagentur Bloomberg aus Moskau. Insgesamt seien 40 Prozent aller Ausgaben fĂŒr Verteidigung und Sicherheit vorgesehen - mehr als die Ausgaben fĂŒr Bildung, Gesundheit, Soziales und Wirtschaft in Russland zusammen.

Das wird heute wichtig

Bei UN-Generaldebatte in New York werden unter anderem Selenskyj und der französische PrÀsident Emmanuel Macron sprechen.

@ dpa.de