Ukraine, Russland

Selenskyj erwartet Details aus Ukraine-GesprÀchen in den USA

23.12.2025 - 04:58:04

Der ukrainische PrÀsident Selenskyj erwartet sein Verhandlungsteam nach den GesprÀchen mit US-Vertretern nun in Kiew mit Ergebnissen. Zugleich hat er wenig Zuversicht, dass es einen Frieden gibt.

Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj erwartet heute sein Verhandlungsteam nach GesprĂ€chen in den USA in der Ukraine zurĂŒck. Er wolle die Details hören, sagte Selenskyj in seiner abendlichen Videobotschaft. Der US-Sondergesandte Steve Witkoff hatte in Miami mit ukrainischen und russischen Vertretern getrennt voneinander gesprochen und die Verhandlungen im Anschluss konstruktiv genannt.

US-PrĂ€sident Donald Trump sagte am Montagnachmittag (Ortszeit), die GesprĂ€che gingen weiter. Deren Verlauf bezeichnete er als «okay». Er hoffe, dass man es hinbekomme. Zwischen Selenskyj und Kremlchef Wladimir Putin gebe es einen großen Hass. Die USA sehen sich als Vermittler in dem Konflikt.

In Miami im US-Bundesstaat Florida hatten sich am Wochenende eine russische sowie eine ukrainische Delegation separat mit UnterhĂ€ndlern der USA zu GesprĂ€chen ĂŒber ein Ende russischen Angriffskriegs getroffen. Ein direktes Treffen der beiden Kriegsparteien, Russland und Ukraine, gab es zumindest nach offiziellen Angaben in Miami nicht. Eine Einigung auf einen Friedensplan, den Trump angestoßen hatte, ist bisher nicht in Sicht. 

Die KĂ€mpfe zwischen den Kriegsparteien gingen auch in der Nacht weiter. Die Verwaltung des nordukrainischen Gebiets Sumy meldete StromausfĂ€lle nach russischen Drohnenangriffen auf die zivile Infrastruktur. Aus dem ostukrainischen Gebiet Charkiw gab es Berichte ĂŒber Explosionen nach Angriffen mit Lenkbomben und Drohnen. 

US-VizeprÀsident Vance unsicher nach Verhandlungen

US-VizeprĂ€sident JD Vance Ă€ußerte sich in einem am Montag veröffentlichten Interview unsicher zu den Aussichten fĂŒr eine von Washington angestrebte Friedensvereinbarung. Er glaube, dass es zwar Fortschritte gebe, sagte er dem britischen Portal «Unherd». Er könne aber nicht mit Sicherheit sagen, dass es am Ende eine Friedensvereinbarung gebe. «Ich denke, es ist gut möglich, dass wir eine bekommen. Ich denke, es ist gut möglich, dass wir keine kriegen», sagte er. 

Nato-GeneralsekretÀr Rutte vorsichtig

Ähnlich vorsichtig Ă€ußerte sich der Nato-GeneralsekretĂ€r Mark Rutte im Interview der Deutschen Presse-Agentur auf die Frage, ob die US-Initiative fĂŒr ein Ende des Krieges im kommenden Jahr Erfolg haben könnte. «Ich möchte keine Vorhersagen machen», sagte Rutte. Er könne nur sagen, die Amerikaner, die EuropĂ€er und natĂŒrlich die Ukraine arbeiteten extrem hart daran. FĂŒr die Zeit nach einem möglichen Ende des Krieges brauche man auf jeden Fall sehr starke Sicherheitsgarantien fĂŒr die Ukraine. «Damit Putin weiß: Wenn ich es noch einmal versuche, wird die Reaktion verheerend sein.»

Selenskyj fordert erneut Sicherheitsgarantien

Selenskyj machte in seiner in Kiew verbreiteten abendlichen Videobotschaft ebenfalls erneut deutlich, dass die Ukraine bei einem möglichen Friedensabkommen vor allem Garantien fĂŒr die eigene Sicherheit brauche. Dazu gehöre auch eine StĂ€rke der ukrainischen Armee von etwa 800.000 Mann, sagte Selenskyj bei seinem Treffen mit Diplomaten. Das ist mehr als das Vierfache der aktuellen StĂ€rke der Bundeswehr. Deutschland und andere EU-Staaten mĂŒssten auch fĂŒr diese Kosten aufkommen mĂŒssen. Man brauche «zusĂ€tzliche UnterstĂŒtzung unserer Partner», sagte er. Schon jetzt zahlt die EU einen Großteil des Haushalts der Ukraine.

Wadephul fordert belastbare US-Sicherheitsgarantien fĂŒr Kiew

Auch Außenminister Johann Wadephul betonte angesichts der jĂŒngsten Verhandlungen die Bedeutung ernsthafter Sicherheitsgarantien des Westens und vor allem der USA. «Das bedeutet natĂŒrlich eine Zusage und eine wirkliche Bereitschaft auch der Versprechensgeber, einzutreten an der Seite der Ukraine, sollte sie von Russland erneut ĂŒberfallen werden», sagte der CDU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

Die Ukraine könne nur dann zu ZugestĂ€ndnissen bereit sein - auch was mögliche Gebietsabtretungen betreffe -, wenn dies begleitet werde von belastbaren Sicherheitszusagen des Westens, an allererster Stelle der USA, sagte Wadephul. Gleichzeitig wĂŒrden auch die EuropĂ€er dazu BeitrĂ€ge zu leisten haben. Wie man diese ausgestalte, «darĂŒber reden wir dann vertieft, wenn wir einen Waffenstillstand haben und wenn wir ernsthaft sehen, dass Russland ĂŒberhaupt bereit ist, ĂŒber Frieden ernsthaft nachzudenken». 

Moskau gebe sich verhandlungsbereit. Das sei aber etwas anderes als echte Friedensbereitschaft, kritisierte der Außenminister. «Die haben wir bis zum heutigen Zeitpunkt noch nicht gesehen.»

CSU-Politiker fĂŒr GesprĂ€che der EuropĂ€er mit Putin

Der CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann sprach sich unterdessen grundsĂ€tzlich fĂŒr direkte GesprĂ€che der EuropĂ€er mit Putin aus. «Das SelbstverstĂ€ndnis von Europa muss sein, auf diesem Spielfeld ein Mitspieler zu sein», sagte der Vorsitzende der CSU-Abgeordneten im Bundestag der Deutschen Presse-Agentur. «Wir mĂŒssen europĂ€ische Interessen vertreten und das darf man und kann man auch in GesprĂ€chen mit Putin.» Wichtig sei aber, dass Europa dabei mit einer Stimme spreche. «Ansonsten diskutieren wir untereinander mit VerhandlungsfĂŒhrern, die allein mit den Russen diskutieren werden. Das ist nicht optimal», sagte er. 

Der französische PrĂ€sident Emmanuel Macron hatte am Freitag direkte GesprĂ€che mit Putin angeregt. Auch der Kreml signalisierte daraufhin GesprĂ€chsbereitschaft. Die Bundesregierung hatte sich am Montag reserviert dazu geĂ€ußert

Keine Ruhe an Weihnachten 

Mit Blick auf das Kampfgeschehen rechnet Selenskyj auch an Weihnachten nicht mit einer Atempause. Es liege in der Natur der Russen, dass sie ausgerechnet an Weihnachten massive SchlĂ€ge gegen das Land ausfĂŒhren könnten, sagte Selenskyj in Kiew vor Diplomaten. 

Die Ukraine feiert anders als in frĂŒheren Jahren Weihnachten offiziell gemĂ€ĂŸ dem Wunsch der FĂŒhrung in Kiew nach westlichem Brauch. Viele ukrainische Christen halten sich aber weiter an orthodoxe Traditionen, Weihnachten wie in Russland zum 7. Januar zu feiern. Das Land wehrt sich seit fast vier Jahren gegen den russischen Angriffskrieg.

@ dpa.de