Selenskyj beendet europĂ€ische Werbetour fĂŒr «Siegesplan»
12.10.2024 - 05:00:41Nach seiner dreitĂ€gigen Europatour hat der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj seinen Landsleuten weitere internationale UnterstĂŒtzung fĂŒr den Krieg gegen Russland in Aussicht gestellt. Es sei bereits das dritte Jahr dieses Krieges mit der Ukraine, die Millionen Ukrainer verdienten diese UnterstĂŒtzung, sagte der Staatschef in seiner tĂ€glichen Videobotschaft vor seinem Abflug aus Berlin.Â
Er habe dabei in Deutschland, GroĂbritannien, Frankreich und Italien seinen «Siegesplan» vorgestellt. «Alle Details unserer Strategie zum NĂ€herbringen des Friedens - geopolitische, militĂ€rische, ökonomische», sagte Selenskyj, ohne konkreter zu werden.Â
Der Plan ist bisher öffentlich nicht bekannt. Klar ist nur, dass die Ukraine etwa die Freigabe von Langstreckenwaffen fĂŒr SchlĂ€ge gegen militĂ€rische Ziele tief im russischen Hinterland und eine offizielle Einladung zur Mitgliedschaft in die Nato verlangt. Die ukrainische FĂŒhrung hatte immer wieder erklĂ€rt, dass es Ziel sein mĂŒsse, Russland militĂ€risch zu zerstören, damit es nie wieder einen Krieg beginnen könne.
Selenskyj plant wirksamen zweiten Friedensgipfel
Wichtig sei gemeinsames Handeln, appellierte Selenskyj an die auslĂ€ndischen Partner. «Jeder, der die entsprechenden KrĂ€fte, den notwendigen Einfluss hat, um einen zuverlĂ€ssigen Frieden zu garantieren und Russland zum Frieden zu zwingen», sagte er. Es mĂŒsse gehandelt werden. Ab jetzt werde sein Team mit den Partnern in Europa zusammenarbeiten, um die geplanten Schritte maximal mit Inhalten zu fĂŒllen.
«Und dieser unser Plan muss zu einem wirksamen zweiten Friedensgipfel fĂŒhren, damit der Krieg beendet wird», fĂŒhrte der PrĂ€sident aus. Es gehe um ein gerechtes, faires Ende des Krieges. «Ich bin mir sicher, dass der Siegesplan - wenn die Partner tatsĂ€chlich entschlossen an unserer Seite sein werden - zu einer zuverlĂ€ssigen BrĂŒcke zwischen der Situation jetzt und dem Frieden wird, den wir anstreben», unterstrich Selenskyj.
In seiner Ansprache dankte er vor allem Deutschland fĂŒr die MilitĂ€rhilfe. «Ich danke besonders fĂŒr die Flugabwehrsysteme. Dabei ist Deutschland fraglos fĂŒhrend bei der UnterstĂŒtzung», sagte der PrĂ€sident und hob ein weiteres Iris-T-Flugabwehrsystem hervor. Mit Kanzler Olaf Scholz (SPD) sei dabei bereits die UnterstĂŒtzung fĂŒr das kommende Jahr besprochen worden. «FĂŒr uns ist es besonders wichtig, dass der Hilfsumfang von Deutschland stabil bleibt, und das wird trotz allem ein Signal fĂŒr den sicheren Weg zum Frieden.»
HĂ€me aus Moskau nach Selenskyjs Deutschlandbesuch
Im russischen Parlament wurde mit hĂ€mischen Kommentaren auf den Deutschlandbesuch von Selenskyj und weitere angekĂŒndigte MilitĂ€rhilfen reagiert. «Rettet dies das Kiewer Regime? Definitiv nicht!», schrieb der Chef des AuswĂ€rtigen Ausschusses der Staatsduma, Leonid Sluzki, bei Telegram. Alle gelieferten Haubitzen und Panzer wĂŒrden brennen, wie einst die deutschen Tiger-Panzer wĂ€hrend des Zweiten Weltkrieges. Ein russischer Sieg sei unausweichlich. «Und Scholz sollte sich besser um die Probleme der deutschen WĂ€hler kĂŒmmern», sagte Sluzki.
Russische Medien begleiteten Selenskyjs Europareise in den vergangenen Tagen mit groĂer Aufmerksamkeit. In mehreren Kommentaren hieĂ es, dass die militĂ€rische UnterstĂŒtzung des Westens fĂŒr die Ukraine zurĂŒckgehe und Selenskyj mit seinen ĂuĂerungen zu FriedensgesprĂ€chen und dem «Siegesplan» versuche, die VerbĂŒndeten bei Laune zu halten und Zeit zu gewinnen. Ziel der Ukraine sei es weiter, mit neuen Waffenlieferungen aus dem Westen und der eigenen hochgefahrenen RĂŒstungsproduktion den Krieg zur RĂŒckeroberung der eigenen Gebiete fortzusetzen.
Neue russische und ukrainische DrohnenangriffeÂ
Das russische MilitĂ€r hat in der Nacht zum Samstag erneut Kampfdrohnen in diverse Regionen der Ukraine gestartet. Mehrere SchwĂ€rme der unbemannten, mit Sprengstoff ausgestatteten Flugkörper wurden sowohl bei Sumy und Charkiw im Osten als auch aus Saporischschja gemeldet. Ăber die Auswirkungen dieser Angriffe lagen zunĂ€chst keine Informationen vor.Â
Die Ukraine selbst griff in ihrem Abwehrkampf gegen die seit mehr als zweieinhalb Jahren andauernde Invasion erneut mehrere Regionen in Russland mit Drohnen an. Das russische Verteidigungsministerium meldete am Morgen den Abschuss von 47 dieser Flugkörper, davon viele im Raum Krasnodar im SĂŒden des Landes. Dort meldeten die Behörden zahlreiche SchĂ€den an HĂ€usern durch herabgefallene TrĂŒmmer, aber keine Verletzten.
Weiter KĂ€mpfe in der Region Kursk
Unterdessen wollen die russischen Truppen mehr als ein Dutzend Orte im Grenzgebiet Kursk wieder zurĂŒckerobert haben. «Von den Kursker Siedlungen, die vom Gegner besetzt wurden, sind 15 bereits befreit», behauptete der Kommandeur der tschetschenischen Spezialeinheit «Achmat», Apti Alaudinow, in einem Interview fĂŒr die Zeitung «Komsomolskaja Prawda». Die Angaben konnten nicht unabhĂ€ngig geprĂŒft werden.Â
Russischen Behörden zufolge hatten ukrainische Truppen 28 russische Ortschaften unter ihre Kontrolle gebracht. Nach Angaben aus Kiew waren allerdings nach dem Vorstoà von Anfang August fast 100 russische Orte im Kursker Gebiet unter ukrainische Kontrolle geraten.
Drohender Heizungsausfall in Pokrowsk
Die frontnahe ostukrainische Stadt Pokrowsk droht, wegen des stĂ€ndigen russischen Beschusses im kommenden Winter ohne FernwĂ€rmeversorgung zu bleiben. «Aufgrund fehlenden Erdgases, Wassers und Stroms ist die Heizsaison gefĂ€hrdet, und es wird sie wahrscheinlich wohl nicht geben», erklĂ€rte der Chef der MilitĂ€rverwaltung der Stadt, Serhij Dobrjak, in einer Mitteilung.Â
Von einst ĂŒber 60.000 sollen noch mehr als 12.000 Einwohner in der Stadt geblieben sein. Die Frontlinie verlĂ€uft etwa acht Kilometer sĂŒdöstlich von Pokrowsk. In einem kĂŒrzlichen Bericht hatten die Vereinten Nationen vor drohenden Heizungs- und StromausfĂ€llen in der gesamten Ukraine aufgrund der durch russischen Beschuss verursachten KraftwerksschĂ€den gewarnt.
Nach einem UN-Bericht war der September der Monat mit der gröĂten Zahl an zivilen Opfern im Jahr 2024. Demnach wurden 208 Zivilisten getötet und 1.200 verletzt. Etwa die HĂ€lfte der Opfer sei ĂŒber 60 Jahre alt gewesen; acht Prozent der Opfer seien dabei in den von Russland kontrollierten Gebieten verzeichnet worden. Seit Juli steigen die zivilen Opferzahlen wieder.







