UN-Sicherheitsrat unterstĂŒtzt Plan fĂŒr Waffenruhe
10.06.2024 - 23:19:07Der UN-Sicherheitsrat hat sich fĂŒr einen von US-PrĂ€sident Joe Biden vorgestellten mehrstufigen Plan fĂŒr eine Waffenruhe im Gaza-Krieg ausgesprochen. Eine entsprechende Resolution wurde vom mĂ€chtigsten Gremium der Vereinten Nationen in New York angenommen. 14 MitgliedslĂ€nder stimmten dem Entwurf zu, die Veto-Macht Russland enthielt sich.
Mit dem völkerrechtlich bindenden Entschluss unterstĂŒtzte das Gremium erstmals seit Kriegsbeginn einen spezifischen Plan fĂŒr eine Waffenruhe. Das Papier spricht einem von Biden vorgestellten Plan, der eine Beendigung der KĂ€mpfe im Gazastreifen in drei Phasen vorsieht, seine UnterstĂŒtzung aus.Â
Der von Biden vorgestellte Plan widerspricht nach Worten eines israelischen Regierungsvertreters nicht den Kriegszielen Israels. «Israel wird den Krieg nicht beenden, bevor alle seine Kriegsziele erreicht sind: die Zerstörung der militĂ€rischen und RegierungsfĂ€higkeiten der Hamas, die Freilassung aller Geiseln und die GewĂ€hrleistung, dass Gaza fĂŒr Israel kĂŒnftig keine Bedrohung darstellen wird», sagte der israelische ReprĂ€sentant. «Der Vorschlag ermöglicht es Israel, diese Ziele zu erreichen, und Israel wird dies tatsĂ€chlich tun.»
Hamas begrĂŒĂt Resolution
Die Hamas begrĂŒĂte die Resolution des Sicherheitsrats und bekrĂ€ftigte den Willen, die indirekten Verhandlungen fĂŒr eine Ăbereinkunft fortzufĂŒhren. Die positive Reaktion schien jedoch keine formelle Annahme des vorgeschlagenen mehrstufigen Plans darzustellen. Katar, Ăgypten und die USA bemĂŒhen sich als Vermittler seit Monaten darum, ein Abkommen fĂŒr eine Feuerpause im Gaza-Krieg, eine Befreiung der Geiseln und die Entlassung palĂ€stinensischer HĂ€ftlinge aus israelischen GefĂ€ngnissen zu erreichen.Â
Zuvor hatten ReprĂ€sentanten der Hamas und des Islamischen Dschihad bei einem Treffen in Katar bekrĂ€ftigt, Teil jeglicher Vereinbarung mĂŒssten ein vollstĂ€ndiges Ende des Krieges, ein umfassender israelischer Abzug aus dem Gazastreifen, ein Wiederaufbau des KĂŒstenstreifens sowie ein Ende der Blockade sein.Â
Der von Biden Ende Mai vorgestellte Entwurf eines Deals sieht zunĂ€chst eine vollstĂ€ndige und uneingeschrĂ€nkte Waffenruhe von sechs Wochen vor. In diesem Zeitraum wĂŒrde eine bestimmte Gruppe von Geiseln freigelassen. Im Gegenzug wĂŒrden PalĂ€stinenser freikommen, die in Israel inhaftiert sind.
In der nĂ€chsten Phase wĂŒrden die KĂ€mpfe dann dauerhaft eingestellt und die verbliebenen Geiseln freigelassen. In einer letzten Phase soll dem Entwurf zufolge der Wiederaufbau des Gazastreifens beginnen. Es war bereits das elfte Mal seit Beginn des Kriegs im Gazastreifen, dass der UN-Sicherheitsrat ĂŒber eine Resolution zu dem Konflikt abgestimmt hat. Nur vier ResolutionsvorschlĂ€ge wurden angenommen.Â
Die EuropĂ€ische Union rufe zur sofortigen Umsetzung des Plans auf, teilte EU-Chefdiplomat Josep Borrell am Abend mit. Die Staatengemeinschaft unterstĂŒtze den von Biden vorgelegten umfassenden Fahrplan uneingeschrĂ€nkt, bekrĂ€ftigte der AuĂenbeauftragte.
Hamas ĂŒbermittelt Antwort
Eigenen Angaben zufolge hat die islamistische Terrororganisation Hamas den katarischen und Ă€gyptischen Vermittlern ihre Antwort auf den US-Vorschlag fĂŒr eine Waffenruhe im Gaza-Krieg ĂŒbermittelt.
Die Hamas und die kleinere militante Gruppe PalĂ€stinensischer Islamischer Dschihad bekundeten in einer gemeinsamen ErklĂ€rung zudem, sich «positiv zu verhalten», um eine Einigung zur Beendigung des Kriegs zu erzielen. Dies hĂ€tten sie gegenĂŒber Katar und Ăgypten zum Ausdruck gebracht.
Der genaue Inhalt ihrer Antwort an die Vermittler blieb zunĂ€chst unklar. In der ErklĂ€rung hieĂ es lediglich, dass die PrioritĂ€t fĂŒr Hamas und Islamischen Dschihad darin bestehe, den Krieg im Gazastreifen vollstĂ€ndig zu beenden, und dass Israels Armee sich vollstĂ€ndig zurĂŒckzieht.Â
Netanjahu steht hinter US-Vorschlag fĂŒr Waffenruhe in Gaza
Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu unterstĂŒtzt den von den USA vorgestellten Plan fĂŒr eine Waffenruhe im Gaza-Krieg nach Angaben von US-AuĂenminister Antony Blinken. «Ich habe gestern Abend MinisterprĂ€sident Netanjahu getroffen, und er hat sein Bekenntnis zu dem Vorschlag bekrĂ€ftigt», sagte Blinken in Tel Aviv vor Journalisten. Die Frage, ob Netanjahu sein weiteres Engagement fĂŒr den Fall zusichere, dass die Hamas dem Plan zustimme, bejahte Blinken.
Der US-AuĂenminister fĂŒhrte ebenfalls GesprĂ€che mit Verteidigungsminister Joav Galant und weiteren hochrangigen israelischen Regierungsvertretern. «Und ich denke, dass es einen starken Konsens gibt, den Vorschlag voranzutreiben», sagte er weiter.
Festhalten an Vision einer Zweistaatenlösung
In der nun verabschiedeten Resolution betont der UN-Sicherheitsrat auch das Festhalten an der Vision einer Zweistaatenlösung, bei der Israel und die PalĂ€stinenser friedlich nebeneinander leben können. DafĂŒr sei es wichtig, das Westjordanland und den Gazastreifen wieder unter der FĂŒhrung der palĂ€stinensischen Autonomiebehörde zu vereinen. Israels Regierung lehnt dies aktuell aber vehement ab.Â
Terroristen der Hamas und anderer extremistischer Gruppen aus dem Gazastreifen waren am 7. Oktober ĂŒberraschend in den SĂŒden Israels eingedrungen. Dort töteten mehr als 1200 Menschen und nahmen ĂŒber 250 Geiseln. Das Massaker löste den Gaza-Krieg aus. Seither wurden nach Angaben der Gesundheitsbehörde mehr als 37.100 PalĂ€stinenser getötet und rund weitere 85.000 verletzt. Diese Angaben, die nicht zwischen KĂ€mpfern und Zivilisten unterscheiden, lassen sich nicht unabhĂ€ngig verifizieren.
Israels Armee steht wegen ihres Vorgehens im Gazastreifen und der hohen Zahl ziviler Opfer international stark in der Kritik. Die humanitĂ€re Lage fĂŒr die mehr als zwei Millionen Menschen im Gazastreifen ist Hilfsorganisationen zufolge verheerend.
Blinken erhöht Druck auf Hamas
Derweil erhöht US-AuĂenminister Antony Blinken bei seinen diplomatischen BemĂŒhungen um eine Waffenruhe den Druck vor allem auf die islamistische Hamas. Bei seinem achten Besuch im Nahen Osten seit Kriegsbeginn vor acht Monaten traf Blinken in Jerusalem Netanjahu. Blinken machte bei dem Treffen deutlich, dass die USA und fĂŒhrende Politiker weltweit hinter dem von Biden vorgestellten Plan fĂŒr eine Waffenruhe stehen, wie das US-AuĂenministerium mitteilte.
Blinken hatte zuvor in Ăgypten gesagt, dem von Biden vorgestellten Plan habe nur die islamistische Hamas nicht zugestimmt. «Die einzige Partei, die nicht Ja gesagt hat, ist Hamas», sagte er in Kairo. «LĂ€nder in der Region und weltweit» wĂŒrden den Plan unterstĂŒtzen. «Der einzige AuĂenseiter derzeit ist Hamas.»Â
Heute kommt Blinken mit dem israelischen StaatsprĂ€sidenten Izchak Herzog zusammen. WĂ€hrend seiner Nahostreise will Blinken auĂer Ăgypten und Israel auch Jordanien und Katar besuchen. In Jordanien nimmt er an einer Konferenz teil, die mehr humanitĂ€re Hilfe fĂŒr den Gazastreifen erreichen will.Â
Israelische Offensive im Gazastreifen geht weiter
Nach der Befreiung von vier Geiseln aus einem FlĂŒchtlingsviertel im zentralen Abschnitt des Gazastreifens setzt die israelische Armee ihre EinsĂ€tze in dem Gebiet fort. Israelische Truppen seien unter anderem in Deir al-Balah und in Al-Bureidsch aktiv, teilte das MilitĂ€r mit. Sie gingen dort gegen Terror-Infrastruktur ĂŒber und unter der Erde vor sowie gegen Raketen-Abschussrampen.
Es seien mehrere unterirdische Tunnel zerstört worden. In Al-Bureidsch hĂ€tten Soldaten mehrere Terroristen getötet, darunter ein Mitglied der Nuchba-Truppen der Hamas, der an dem Massaker am 7. Oktober teilgenommen habe. Die Angaben lieĂen sich nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfen. Bilder aus Deir al-Balah zeigten weinende PalĂ€stinenser, die in einem Krankenhaus um ihre bei israelischen Luftangriffen getöteten Angehörigen trauerten.Â
Im Westjordanland sind vier Mitglieder des bewaffneten Arms der islamistischen PalĂ€stinenserorganisation Hamas getötet worden. Die israelische Armee teilte mit, israelische SicherheitskrĂ€fte seien am Montagabend in einen Ort nahe Ramallah eingedrungen, um nach einem Anschlagsversuch einen TatverdĂ€chtigen festzunehmen.Â
Als sich die Truppen dem GebĂ€ude nĂ€herten, in dem sich der Mann und drei weitere Hamas-Mitglieder versteckten, hĂ€tten diese in einem Fahrzeug fliehen wollen. Sie hĂ€tten versucht, die Soldaten anzufahren. Diese hĂ€tten daraufhin das Feuer eröffnet. In dem Fahrzeug seien ein Gewehr sowie SprengsĂ€tze gefunden worden. Hamas-Medien berichteten, die vier Getöteten seien Mitglieder der Kassam-Brigaden, des militĂ€rischen Hamas-Arms, gewesen.Â
Vier israelische Soldaten bei Explosion in GebÀude in Rafah getötet
Bei einer Explosion in einem GebĂ€ude in Rafah im SĂŒden des Gazastreifens sind nach MilitĂ€rangaben vier israelische Soldaten getötet worden. Die Armee gab den Tod der vier MĂ€nner im Alter von 19 bis 24 Jahren am Dienstag bekannt. Nach israelischen Medienberichten hatten die Soldaten einen Sprengsatz in ein verdĂ€chtiges dreistöckiges GebĂ€ude in Rafah geworfen, um mögliche Sprengfallen zur Explosion zu bringen. Es sei jedoch erst zur Explosion gekommen, als die Truppen bereits das GebĂ€ude betreten hĂ€tten. Das Haus sei eingestĂŒrzt und habe mehrere Soldaten unter sich begraben.Â
Die Armee habe spĂ€ter einen Tunneleingang in dem GebĂ€ude gefunden und gehe davon aus, dass dort ein ranghohes Mitglied der islamistischen PalĂ€stinenserorganisation Hamas gewohnt habe. Es seien auch sieben Soldaten verletzt worden, einige davon schwer.Â
Weiter heftiger Beschuss zwischen Israel und Hisbollah
Zwischen Israel und der Hisbollah im Libanon hat es erneut heftigen gegenseitigen Beschuss gegeben. Bei einem israelischen Angriff wurde nach libanesischen Informationen ein Mensch getötet. Die staatliche Nachrichtenagentur NNA berichtete, der Drohnenangriff habe auf den Grenzort Nakura gezielt. Das israelische MilitĂ€r teilte mit, die Angelegenheit zu prĂŒfen.
Die Hisbolla reklamierte mehrere Angriffe auf Nordisrael fĂŒr sich. Die Schiitenmiliz feuerte nach eigenen Angaben auch Dutzende Raketen vom Typ Katjuscha auf israelische Ziele ab. Das israelische MilitĂ€r berichtete, dass etwa 50 Geschosse aus dem Libanon identifiziert worden sein. Einige seien erfolgreich abgeschossen worden, andere seien in offenes GelĂ€nde gefallen. Es habe keine Verletzten gegeben.
Mindestens drei Tote bei israelischem MilitÀreinsatz
Bei einem israelischen MilitĂ€reinsatz bei Dschenin im Westjordanland sind nach palĂ€stinensischen Angaben mindestens drei Menschen getötet worden. Dies teilte das Gesundheitsministerium in Ramallah mit. Wie israelische Medien berichteten, fĂŒhrte eine Spezialeinheit eine Razzia in dem Ort Kafr Dan nördlich von Dschenin durch. Bewaffnete PalĂ€stinenser nahmen sie demnach unter Feuer, das die Truppen erwiderten. Bei dem Gefecht erhielten sie UnterstĂŒtzung von einem Kampfhubschrauber.
Wie der israelische Fernsehsender Channel 12 berichtete, seien Mitglieder der verdeckt operierenden Spezialeinheit in den Ort eingedrungen, um jemanden festzunehmen.Â

























