Vor Londoner Treffen: Selenskyj schlieĂt Krim-Verzicht aus
23.04.2025 - 04:58:38Vor GesprĂ€chen westlicher VerbĂŒndeter in London ĂŒber ein Ende des russischen Angriffskrieges schlieĂt der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj Gebietsabtretungen an Russland kategorisch aus. «Da gibt es nichts zu bereden. Das steht auĂerhalb unserer Verfassung», sagte der Staatschef in Kiew mit Blick auf von Russland annektierte ukrainische Gebiete wie die Schwarzmeerhalbinsel Krim. Medienberichten zufolge sind ukrainische Gebietsabtretungen an Russland zumindest Gegenstand von GesprĂ€chen zwischen Washington und Moskau.
AuĂenministerinnen und AuĂenminister sowie Sicherheitsberater der USA, mehrerer europĂ€ischer VerbĂŒndeter sowie der Ukraine wollen heute in London ihre Beratungen ĂŒber eine Beendigung des russischen Angriffskrieges fortsetzen. In der vergangenen Woche hatte es bereits ein Ă€hnliches Treffen in Paris gegeben. US-PrĂ€sident Donald Trump und AuĂenminister Marco Rubio hatten danach gedroht, Washington könnte seine BemĂŒhungen um einen Frieden einstellen, sollte es nicht bald zu einer Einigung kommen.
Einem Bericht des «Wall Street Journal» zufolge erwartet das WeiĂe Haus bei den GesprĂ€chen in London eine Reaktion aus Kiew auf VorschlĂ€ge fĂŒr ZugestĂ€ndnisse an Moskau. Demnach soll die Ukraine nicht nur auf den Nato-Beitritt, sondern auch auf die 2014 von Russland annektierte Halbinsel Krim verzichten. Sollte es aus Kiew grĂŒnes Licht geben, könnten die PlĂ€ne Moskau vorgelegt werden, heiĂt es in dem Bericht.
Bericht: Putin bietet Stopp der Invasion an Frontlinie an
Derweil berichtete die «Financial Times» unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen, Kreml-Chef Wladimir Putin habe angeboten, die Invasion in der Ukraine an der derzeitigen Frontlinie zu stoppen. Wie die Zeitung weiter unter Berufung auf drei mit den GesprĂ€chen vertraute Personen berichtete, könnte Russland auf AnsprĂŒche auf die Teile der vier besetzten ukrainischen Regionen verzichten, die Kiew noch unter Kontrolle hat. Die bereits jetzt unter russischer Kontrolle stehenden Teile sollen demnach Russland zugeschlagen werden.Â
Laut «Washington Post» schlagen auch die USA vor, die derzeitigen Frontlinien als Teil eines Friedensabkommens einzufrieren. Im Gegenzug wĂŒrde Russland die Angriffe in der Ukraine in einem Moment beenden, in der das russische MilitĂ€r auf dem Vormarsch sei.Â
Unter Trump haben die USA einen scharfen Kurswechsel vollzogen und sind nicht mehr bereit, die Ukraine langfristig bei ihrem Abwehrkampf gegen die russische Invasion zu unterstĂŒtzen. Washington ĂŒbt vor allem Druck auf Kiew aus, um einen schnellen Frieden zu erreichen. Die Ukraine wehrt sich seit mehr als drei Jahren gegen eine russische Invasion. Die Krim wurde von Russland bereits 2014 annektiert.
Rubio nicht in London dabei
Rubio wird entgegen ersten Berichten nicht bei dem Treffen dabei sein, wie die Sprecherin seines Ministeriums mitteilte. Demnach nimmt der US-Sondergesandte Keith Kellogg wie geplant teil. Unklar blieb, ob der US-Sondergesandte Steve Witkoff kommt. Deutschland wird in London durch den auĂen- und sicherheitspolitischen Berater des Bundeskanzlers, Jens Plötner, und den Politischen Direktor im AuswĂ€rtigen Amt, GĂŒnter Sautter, vertreten.
Gastgeber ist der britische AuĂenminister David Lammy. Es wird erwartet, dass die ukrainische Delegation Ă€hnlich wie vorher bereits bei derartigen Unterredungen in Paris vom Chef des PrĂ€sidentenbĂŒros, Andrij Jermak, geleitet wird. Ebenso wird die Anreise von AuĂenminister Andrij Sybiha und Verteidigungsminister Rustem Umjerow erwartet. Eine BestĂ€tigung dafĂŒr stand zunĂ€chst noch aus.Â
Selenskyj bereit fĂŒr teilweise Waffenruhe
Selenskyj sagte am Dienstag mit Blick auf seine Delegation: «Sie hat morgen ein Mandat fĂŒr die Besprechung einer bedingungslosen Waffenruhe oder einer Teilwaffenruhe.» Die Ukraine sei bereit dazu. Allerdings werde die Ukraine die russische Annexion der Halbinsel Krim und anderer ukrainischer Gebiete nicht juristisch anerkennen. Dies sei das Gebiet des ukrainischen Volkes, und er als PrĂ€sident habe bereits mehrfach erklĂ€rt, dass es keine Anerkennung der russischen Oberhoheit ĂŒber diese Territorien geben könne.
Gleichzeitig zeigte Selenskyj sich erneut bereit, einer Teilwaffenruhe mit Russland zuzustimmen. «Die Ukraine ist zu einer bedingungslosen Waffenruhe bereit, und wenn diese Waffenruhe teilweise ist, dann sind wir zu spiegelbildlichen MaĂnahmen bereit», sagte der Staatschef. Als Beispiele fĂŒhrte er den Verzicht auf Angriffe auf Energieanlagen oder den Einsatz von weitreichenden Waffen an.
FĂŒr Selenskyj ist dabei die von Russland um den vergangenen Ostersonntag ausgerufene Waffenruhe ein Beleg, dass es einzig von Moskau abhĂ€ngt, den Beschuss zu verringern. «Aber bis zu einer bedingungslosen Waffenruhe ist es noch sehr weit», unterstrich der PrĂ€sident.Â
Der US-Sondergesandte Witkoff will in den kommenden Tagen erneut nach Moskau reisen, um mit Kremlchef Wladimir Putin ĂŒber eine Beendigung des russischen Angriffskrieges zu beraten. Ein solches GesprĂ€ch kĂŒndigte die Sprecherin des WeiĂen Hauses, Karoline Leavitt, fĂŒr «spĂ€ter in dieser Woche» an. Witkoff hatte in der Vergangenheit mehrfach persönlich mit Putin gesprochen und sich im Anschluss an die Unterredungen immer auffĂ€llig positiv ĂŒber den russischen PrĂ€sidenten geĂ€uĂert.Â
Heftige russische Drohnenangriffe
Russische Kampfdrohnen griffen am Abend Ziele in der Ukraine an. Nach EinschlĂ€gen berichteten Medien ĂŒber BrĂ€nde in der sĂŒdukrainischen Hafenstadt Odessa und im zentralukrainischen Poltawa. Nach Behördenangaben wurden in Odessa mindestens zwei Menschen verletzt.









