Russland-Sanktionen: US-Kongress gibt Trump weitreichende Vollmacht gegen Ăl- und Gasimporte
Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 00:48 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDer US-Kongress hat ein neues Sanktionsgesetz beschlossen, das Russland wegen des Angriffskriegs gegen die Ukraine stÀrker unter Druck setzen soll.
ReprÀsentantenhaus folgt Senat mit breiter Mehrheit
Nach dem Senat hat nun auch das ReprĂ€sentantenhaus fĂŒr das Gesetz gestimmt, das zusĂ€tzliche Sanktionen gegen russische Politiker, Unternehmen sowie die Ăl- und Gasexporte des Landes ermöglicht. Die Abgeordneten votierten mit einer ĂŒberparteilichen Mehrheit von 262 zu 159 Stimmen fĂŒr das Paket, das nun zur Unterzeichnung an US-PrĂ€sident Donald Trump weitergeleitet wird. Der Senat hatte den Entwurf bereits im vergangenen Monat mit deutlicher Mehrheit verabschiedet.
Gesetz zielt auf groĂe KĂ€ufer russischer Energie
Das Vorhaben trĂ€gt den Namen des im Juli gestorbenen Senators und Trump-Vertrauten Lindsey Graham, der als treibende Kraft hinter dem Projekt galt. Es berechtigt den PrĂ€sidenten unter anderem, die fĂŒnf gröĂten KĂ€ufer russischer EnergietrĂ€ger sowie die fĂŒnf LĂ€nder zu sanktionieren, die Russland besonders bei der Umgehung von Energiesanktionen unterstĂŒtzen. Die Zölle auf Einfuhren aus diesen Staaten in die USA können demnach auf bis zu 100 Prozent angehoben werden.
Flexible Ausnahmen fĂŒr VerbĂŒndete vorgesehen
Als Bemessungsgrundlage sollen zunĂ€chst die fĂŒnf gröĂten KĂ€ufer russischer Energie im Jahr vor Inkrafttreten des Gesetzes herangezogen werden; alle 180 Tage wird die Liste aktualisiert. Gleichzeitig enthĂ€lt das Gesetz Ausnahmen fĂŒr LĂ€nder, deren Einfuhren weniger als 15 Prozent der russischen Erdgas-Exporte in einem Zwölfmonatszeitraum ausmachen oder die nachweislich ihre KĂ€ufe reduzieren. Damit sollen insbesondere europĂ€ische VerbĂŒndete von den hĂ€rtesten MaĂnahmen ausgenommen werden.
VerlÀngerung der Iran-Sanktionen
Neben den Russland-Regelungen schafft das Gesetz auch den Rahmen, um bestehende Sanktionen gegen den Iran bis zum Jahr 2031 zu verlĂ€ngern. Damit wird die Sanktionspolitik der USA gegenĂŒber zwei zentralen Akteuren in den aktuellen Konflikten langfristig abgesichert.
Mögliche Spannungen mit China und Indien
Das Gesetz könnte die ohnehin angespannten Wirtschaftsbeziehungen der USA zu China und Indien weiter belasten. Beide LĂ€nder importieren groĂe Mengen russischen Erdöls und geraten damit potenziell in den Fokus der neuen MaĂnahmen. Trump hatte bislang gezögert, Peking wegen der Energieimporte aus Russland unter Druck zu setzen, wĂ€hrend Waren aus Indien zeitweise mit einem Zoll von 25 Prozent wegen der KĂ€ufe russischen Ăls belegt wurden.
Xi-Besuch in Washington und Handelskonflikt
In der kommenden Woche wird Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping zu GesprĂ€chen in Washington erwartet. Die Einladung hatte Trump bei seiner Chinareise ausgesprochen. Die beiden gröĂten Volkswirtschaften der Welt stehen seit lĂ€ngerem in einem heftigen Handelskonflikt, der durch mögliche neue Sanktionen im Energiesektor zusĂ€tzlichen ZĂŒndstoff erhalten könnte.
Signal an Putin und die Ukraine
Mit dem Gesetz setzt der Kongress ein klares Zeichen gegen Kremlchef Wladimir Putin und seinen seit Februar 2022 andauernden Angriffskrieg gegen die Ukraine. Zugleich erhöht er den Druck auf den US-PrÀsidenten, die erweiterten Befugnisse zu nutzen, um auf Moskau einzuwirken. Ob Trump die Möglichkeiten des Sanktionspakets ausschöpft, ist offen.
Innenpolitische Debatte ĂŒber Umfang der Befugnisse
Trump hatte im Wahlkampf vor seiner zweiten Amtszeit angedeutet, er könne den Krieg binnen eines Tages beenden, und betonte immer wieder seine angeblich guten Beziehungen zu Putin. Kritiker werfen ihm vor, Russland bislang nicht ausreichend unter Druck gesetzt zu haben. Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj begrĂŒĂte das Gesetz bereits im August, als es den Senat passierte.
Langer Weg durch den Kongress
Der erste Entwurf des Gesetzes war bereits 2025 eingebracht worden und steckte lange im Senat fest. Nach dem Tod Grahams, der kurz zuvor noch in der Ukraine fĂŒr das Paket geworben hatte, drĂ€ngten seine Kollegen in der Kongresskammer auf eine rasche Verabschiedung. Anfang August wurde der Entwurf dann wenige Wochen nach seinem Tod beschlossen.
Trumps Haltung zum Sanktionspaket
Trump wurde bereits im Juli gefragt, ob er das Paket unterzeichnen werde, falls es den Kongress passiert. Er vermied eine klare Festlegung, deutete aber UnterstĂŒtzung an und verwies darauf, wie wichtig das Vorhaben seinem verstorbenen Vertrauten Lindsey Graham gewesen sei. Die Chancen, dass die neuen Sanktionen umgesetzt werden, schĂ€tzte er damals als gut ein.
Neues Sanktionsinstrument im Ukraine-Krieg
Mit dem Beschluss des Sanktionsgesetzes zielt der US-Kongress direkt auf die Finanzierungsbasis des russischen Angriffskriegs. Indem Ăl- und Gasexporte sowie entscheidende Abnehmer ins Visier genommen werden, gewinnt die amerikanische Russland-Politik ein zusĂ€tzliches Druckmittel, das ĂŒber klassische Personen- und Unternehmenssanktionen hinausgeht. FĂŒr die Ukraine bedeutet dies die Aussicht auf eine langfristigere SchwĂ€chung der russischen Kriegswirtschaft und ein deutliches politisches Signal, dass Washington den Kurs der UnterstĂŒtzung fortsetzen will.
Globale Energiepartner unter Druck
Brisant ist vor allem, dass das Gesetz ausdrĂŒcklich die gröĂten KĂ€ufer russischer EnergietrĂ€ger adressiert und zugleich LĂ€nder erfasst, die Russland beim Umgehen bestehender Sanktionen helfen. Damit geraten groĂe ImportlĂ€nder wie China und Indien strukturell in den Fokus. Die Möglichkeit, Zölle auf Einfuhren dieser Staaten in die USA auf bis zu 100 Prozent anzuheben, erhöht den Hebel erheblich. Zugleich versucht der Kongress, transatlantische Spannungen zu vermeiden: Ăber festgeschriebene Ausnahmen sollen europĂ€ische VerbĂŒndete, deren Gasimporte nur einen kleineren Teil der russischen Ausfuhren ausmachen oder die ihre KĂ€ufe reduzieren, gezielt entlastet werden.
Innenpolitische Machtprobe und offene Fragen
Innenpolitisch verstĂ€rkt das Gesetz den Druck auf PrĂ€sident Trump. Der Kongress rĂ€umt ihm weitgehende Befugnisse ein, fordert aber faktisch ein entschiedeneres Vorgehen gegen Kremlchef Wladimir Putin, wĂ€hrend Trump sich im Wahlkampf als möglicher schneller Friedensstifter inszenierte. Kritische Stimmen im demokratischen Lager monieren, dass die erweiterten Zollbefugnisse nicht automatisch zu neuen Sanktionen fĂŒhren mĂŒssen und Trump damit groĂen Spielraum behĂ€lt. FĂŒr Leserinnen und Leser bleibt zentral, ob und in welchem Umfang der PrĂ€sident die neuen Instrumente tatsĂ€chlich nutzt â davon hĂ€ngt ab, wie stark Russland wirtschaftlich getroffen wird und wie sehr sich die Handelsbeziehungen der USA zu wichtigen Partnern wie China und Indien verĂ€ndern.
