Abkommen, Ukraine

Bald Abkommen fĂŒr die Ukraine? Trump positiv gestimmt

26.04.2025 - 05:41:57

Der US-PrĂ€sident berichtet von guten GesprĂ€chen zur Beendigung des Ukraine-Kriegs. Auch PrĂ€sident Selenskyj erwĂ€hnt eine nĂ€her rĂŒckende «Ruhe» fĂŒr sein Land. Welche Kompromisse wird es geben?

  • Laut einem Bericht der «New York Times» könnte sich ein Kompromiss andeuten. - Foto: Evgeniy Maloletka/AP/dpa

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  • Trump hatte ein GesprĂ€ch mit Selenskyj in Rom in Aussicht gestellt.  - Foto: Evan Vucci/AP/dpa

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Laut einem Bericht der «New York Times» könnte sich ein Kompromiss andeuten. - Foto: Evgeniy Maloletka/AP/dpaTrump hatte ein GesprÀch mit Selenskyj in Rom in Aussicht gestellt.  - Foto: Evan Vucci/AP/dpa

Ein mögliches Friedensabkommen zwischen Russland und der Ukraine ist nach Ansicht von US-PrĂ€sident Donald Trump nicht mehr weit entfernt. «Sie stehen kurz vor einer Einigung, und die beiden Seiten sollten sich nun auf sehr hoher Ebene treffen, um die Sache "zu Ende zu bringen"», schrieb Trump in der Nacht auf der Plattform Truth Social. In den «meisten wichtigen Punkten» sei man sich einig, so Trump. Der Republikaner forderte ein sofortiges Ende des «Blutvergießens».

Es sei ein Tag mit «guten GesprÀchen» mit Russland und der Ukraine gewesen, so Trump. Der US-Sondergesandte Steve Witkoff hatte sich am Freitag erneut in Moskau mit Kremlchef Wladimir Putin getroffen.

Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj kĂŒndigte derweil in seiner abendlichen Videobotschaft nicht nĂ€her benannte Treffen an, die zu einer Waffenruhe fĂŒhren sollen. «In den kommenden Tagen finden sehr bedeutende Treffen statt - Treffen, die uns Ruhe fĂŒr die Ukraine nĂ€her bringen sollten», sagte Selenskyj.

Bericht spekuliert ĂŒber Gebietsabtretungen

Einem Medienbericht zufolge arbeitete Kiew einen Gegenvorschlag zu den US-PlĂ€nen fĂŒr eine Beendigung des russischen Angriffskriegs in der Ukraine aus, der Raum fĂŒr mögliche Kompromisse lĂ€sst. So werde in dem Plan, der der «New York Times» vorliegt, etwa nicht erwĂ€hnt, dass die Ukraine das gesamte von Russland beschlagnahmte Territorium vollstĂ€ndig zurĂŒckerhĂ€lt. Auch werde laut der Zeitung nicht auf einen Nato-Beitritt der Ukraine bestanden. Dies sind zwei Punkte, die bisher von ukrainischer Seite als nicht verhandelbar galten. 

Selenskyj reagierte zuvor mit klaren Worten auf eine Äußerung Trumps zu russischen AnsprĂŒchen auf die Schwarzmeer-Halbinsel Krim. «Unsere Position ist unverĂ€ndert: Nur das ukrainische Volk hat das Recht zu entscheiden, welche Territorien ukrainisch sind», sagte der Staatschef Journalisten in Kiew, wie die Agentur Interfax-Ukraine meldete. GemĂ€ĂŸ der ukrainischen Verfassung gehören die von Russland besetzten Gebiete weiter zur Ukraine und es werde keine juristische Anerkennung der russischen Oberhoheit geben.

Trump hatte in einem Interview mit dem «Time Magazine» gesagt: «Die Krim wird bei Russland bleiben». Die Halbinsel wurde bereits 2014 von Moskau annektiert. Medienberichten zufolge sind ukrainische Gebietsabtretungen an Russland Gegenstand von laufenden GesprÀchen zwischen Moskau und Washington. 

Selenskyj gestand gleichzeitig ein: «Die Ukraine hat nicht genĂŒgend Waffen, um mit Waffen die Kontrolle ĂŒber die Halbinsel Krim zurĂŒckzuholen.» Doch gebe es Möglichkeiten, dies mittels Sanktionen sowie ökonomischem und diplomatischem Druck zu erreichen.

Kiew zieht rote Linien

Das Außenministerium pflichtete dem Staatsoberhaupt bei und definierte weitere prinzipielle Positionen. Kiew werde niemals irgendeine Begrenzung der StreitkrĂ€fte, der RĂŒstungskapazitĂ€ten oder auslĂ€ndischer MilitĂ€rhilfen akzeptieren. «Und drittens, kein Drittstaat hat ein Vetorecht bei der Wahl von Allianzen oder BĂŒndnissen fĂŒr die Ukraine», unterstrich Außenamtssprecher Heorhyj Tychyj. 

In dem ukrainischen Plan soll es laut «New York Times» nun heißen: «Der Beitritt der Ukraine zur Nato hĂ€ngt vom Konsens zwischen den Mitgliedern des BĂŒndnisses ab», schreibt die Zeitung. Russland lehnt eine Nato-Mitgliedschaft der Ukraine vehement ab.

Nach Angaben der «New York Times» sieht Kiews Plan weiterhin vor, dass es keine BeschrĂ€nkungen fĂŒr die GrĂ¶ĂŸe des ukrainischen MilitĂ€rs gibt. Zudem solle ein von den USA unterstĂŒtztes «europĂ€isches Sicherheitskontingent» auf ukrainischem Territorium stationiert werden. Eingefrorene russische Vermögenswerte sollen demnach zur Behebung von KriegsschĂ€den in der Ukraine verwendet werden.

Selenskyj drÀngt weiter auf Sicherheitsgarantien der USA

Selenskyj erwartet trotz mehrerer gegenteiliger Äußerungen aus Washington weiter US-Sicherheitsgarantien fĂŒr sein Land. «Wir wollen unbedingt, dass sie stark sind, mindestens so stark wie die israelischen», erklĂ€rte der Staatschef laut Interfax-Ukraine Journalisten in Kiew. Zudem drĂ€ngte er auf die Lieferung weiterer Flugabwehrsysteme des Typs «Patriot» aus US-Produktion.

Weiterhin erwartet Selenskyj eine militĂ€rische PrĂ€senz der europĂ€ischen VerbĂŒndeten. An der «Infrastruktur» der Sicherheitsgarantien werde gearbeitet. «Selbst dort, wo es europĂ€ische Truppen gibt, sprechen wir ĂŒber eine RĂŒckendeckung durch die Vereinigten Staaten von Amerika», hob Selenskyj hervor. Mit US-PrĂ€sident Trump habe er besprochen, dass diese RĂŒckendeckung nicht unbedingt US-Truppen in der Ukraine erfordere. Dabei sei eine Zusammenarbeit der Geheimdienste, Abwehr von Cyberangriffen und Flugabwehr diskutiert worden. 

Kiew drÀngt auf westliche Sicherheitsgarantien bereits vor einem möglichen Friedensschluss, um Russland von weiteren Angriffen abzuhalten. Moskau lehnt die PrÀsenz westlicher Truppen im Nachbarland ab.

Selenskyjs Teilnahme an Papst-Beerdigung unsicher

Der ukrainische PrĂ€sident deutete an, der Trauerfeier fĂŒr den verstorbenen Papst Franziskus in Rom am Samstag wegen Konsultationen mit der MilitĂ€rfĂŒhrung fernzubleiben. «Sollte ich es nicht schaffen, dann wird die Ukraine wĂŒrdig vertreten werden. Der Außenminister (Andrij Sybiha) und die First Lady (Olena Selenska) werden anwesend sein», sagte Selenskyj vor Journalisten in Kiew. 

Bei der Trauerfeier auf dem Petersplatz werden zahlreiche StaatsgÀste aus aller Welt erwartet, darunter auch der US-PrÀsident, der ein dortiges Treffen mit Selenskyj nicht ausgeschlossen hatte. Ende Februar war es bei einem GesprÀch von Trump, JD Vance und Selenskyj in Washington zu einem Eklat gekommen.

In der Nacht zum Donnerstag hatte das russische MilitĂ€r einen massiven Angriff aus der Luft gegen die Ukraine gefĂŒhrt. In der Hauptstadt Kiew starben bei dem kombinierten russischen Raketen- und Drohnenangriff mindestens zwölf Menschen. Selenskyj sagte mit Blick auf eine mögliche Absage der Rom-Reise: «Was mich anbelangt, so war es fĂŒr mich wichtig, hier zu sein.»

Angriffe auf ukrainische StÀdte gehen weiter

Auch am Freitag und in der Nacht zu Samstag gingen die Angriffe auf die Ukraine weiter. Ein neunstöckiges Wohnhaus in der Stadt Kamjanske in der ukrainischen Region Dnipropetrowsk wurde bei einem Drohnenangriff getroffen - ein Toter und vier Verletzte waren die Folge, wie der MilitĂ€rgouverneur der Region, Serhij Lyssak, auf Telegram mitteilte. Unter den Verletzten sei ein 11-jĂ€hriges MĂ€dchen. Wohnungen hĂ€tten gebrannt, außerdem seien Autos beschĂ€digt worden. Auch in anderen Gebieten gab es demnach Verletzte und SchĂ€den durch russische Drohnenangriffe.

Zuvor hatte es am Freitagabend demnach auch einen Angriff auf die Stadt Nikopol gegeben, die sich in der NÀhe der Frontlinie befindet. Ein 46-jÀhriger Mann starb. Die Ukraine verteidigt sich seit mehr als drei Jahren gegen den russischen Angriffskrieg.

@ dpa.de