Irans, PrÀsident

Irans neuer PrÀsident: Verteidigungsdoktrin ohne Atomwaffen

13.07.2024 - 11:08:58

Der Westen wirft dem Iran seit Jahren vor, Atombomben entwickeln zu wollen. Bei der Vorstellung seiner außenpolitischen Leitlinien versucht der neue PrĂ€sident Peseschkian, diese VorwĂŒrfe auszurĂ€umen.

Der Iran baut nach Angaben des neugewĂ€hlten PrĂ€sidenten Massud Peseschkian keine Atombomben. «Ich möchte betonen, dass die Verteidigungsdoktrin des Irans keine Atomwaffen vorsieht», schrieb der PrĂ€sident bei der Vorstellung seines außenpolitischen Kurses in der «Tehran Times». Die USA sollten sich mit dieser RealitĂ€t abfinden und auf weitere Unterstellungen verzichten.

Der Iran hatte sich 2015 im Wiener Atomabkommen verpflichtet, sein Atomprogramm stark einzuschrĂ€nken. Im Mai 2018 kĂŒndigte der damalige US-PrĂ€sident Donald Trump den Pakt, der den Bau iranischer Atombomben verhindern sollte, auf. Er verschĂ€rfte außerdem Sanktionen. Im Gegenzug baute Teheran die Anreicherung von Uran stark aus und schrĂ€nkte Kontrollen der Atomenergiebehörde IAEA ein.

Israel warnt vor Irans Atomprogramm

Zuletzt warnte Israels Verteidigungsminister Joav Galant wĂ€hrend eines Besuchs in den USA erneut vor der atomaren AufrĂŒstung des Irans. «Die grĂ¶ĂŸte Bedrohung fĂŒr die Zukunft der Welt ist der Iran», sagte Galant. Die Zeit laufe ab.

Israel sieht in dem Atom- und Raketenprogramm des Irans seine grĂ¶ĂŸte existenzielle Bedrohung. 

Peseschkian machte deutlich, dass sich in den Beziehungen zum Erzfeind nichts Ă€ndern wird. Der PrĂ€sident warf Israel unter anderem Apartheid, Kriegsverbrechen, Völkermord und ethnische SĂ€uberungen vor. Israel hat diese VorwĂŒrfe bereits in der Vergangenheit wiederholt zurĂŒckgewiesen. 

PrÀsident steht unter hohem Erwartungsdruck der WÀhler 

Gemeinsam mit seinem neuen Topberater und ehemaligen Chefdiplomaten Mohammed-Dschawad Sarif hofft Peseschkian, die Atomverhandlungen wieder aufzunehmen und die fĂŒr die iranische Wirtschaft lĂ€hmenden Sanktionen aufzuheben. Dies erwarten auch seine WĂ€hler von ihm. Die iranische Wirtschaftskrise der letzten fĂŒnf Jahre braucht eine außenpolitische Lösung. Dies wĂ€re in erster Linie die Wiederaufnahme der Atomverhandlungen. 

Irans neuer PrĂ€sident stellt kĂŒnftige Außenpolitik vor

Peseschkian wird am 30. Juli im Parlament vereidigt und dann offiziell seine Arbeit aufnehmen. In seinem Artikel mit der Überschrift «Botschaft an die Welt» stellte er seinen geplanten außenpolitischen Kurs vor. Ihm geht es demnach vor allem um gute Beziehungen zu den Regierungen in der Region und den islamischen Staaten. Die Zusammenarbeit mit Russland und China möchte er weiterhin intensiv fortsetzen, gleichzeitig plant er einen «konstruktiven Dialog» mit europĂ€ischen LĂ€ndern.

Außer Kroatien und Serbien hat bislang kein europĂ€isches Land Peseschkian zu seinem Wahlsieg gratuliert. Dies fĂŒhrte im Land zu der Frage, ob der Westen ĂŒberhaupt ein Interesse an einem Dialog mit ihm habe.

Kontakte zu politischem Erzfeind USA will Peseschkian nicht ausschließen, dafĂŒr mĂŒssten die USA auch ihrerseits ihre feindselige Politik revidieren.

 

@ dpa.de