Bericht: Sankt Petersburger Flughafen wird militÀrisch genutzt
19.07.2023 - 18:33:36Das berichten die SĂŒddeutscher Zeitung (Donnerstagausgabe), WDR und NDR unter Verweis auf Satellitenaufnahmen. Frankfurts teilstaatlicher Flughafenbetreiber Fraport hĂ€lt seit Jahren eine 25-prozentige Beteiligung am Sankt Petersburger Flughafen.
Das Frankfurter Unternehmen wiederum gehört zu 30 Prozent dem Land Hessen. Hessens Finanzminister Michael Boddenberg (CDU), zugleich Aufsichtsratschef von Fraport, hatte einen RĂŒckzug aus dem Unternehmen in Sankt Petersburg bislang abgelehnt. Am 4. Mai 2022 sagte er, ein RĂŒckzug der Beteiligung an dem russischen Flughafen sei nur möglich, wenn der "Flughafen direkt in kriegerische Ereignisse verwickelt wĂ€re". Dann wĂ€re "Force Majeure", höhere Gewalt, im Spiel - Fraport mĂŒsste seine vertraglichen Pflichten in Pulkowo nicht weiter erfĂŒllen. Den Recherchen von SĂŒddeutscher Zeitung, WDR und NDR zufolge sind seitdem mehrmals MilitĂ€rmaschinen in Pulkowo gestartet und gelandet, darunter mit US-Sanktionen belegte Transportmaschinen der Söldnertruppe Wagner und ein Langstreckenbomber. Ob die Flugzeuge fĂŒr den Krieg gegen die Ukraine oder fĂŒr andere Operationen eingesetzt wurden, lĂ€sst sich anhand der Satellitenaufnahmen nicht zweifelsfrei belegen. Aus Sicht der Opposition geraten Regierung und Konzern nun in ErklĂ€rungsnot. "Minister Boddenberg muss sich fragen lassen, wie viele Indizien die schwarz-grĂŒne Landesregierung noch braucht, um der Beteiligung am Flughafen Pulkowo ein Ende zu setzen", sagte die hessische FDP-Politikerin Marion Schardt-Sauer. Sie fragte, warum die Landesregierung im FrĂŒhjahr 2022 nicht selber Satellitenbilder angefordert habe, um sich "ĂŒber die tatsĂ€chliche Nutzung des Flughafens zu informieren". Fraport antwortet auf Anfrage, dass dem Konzern nicht bekannt sei, dass die Flughafenbetriebsgesellschaft MilitĂ€rflĂŒge im Zusammenhang mit den laufenden Kriegshandlungen abwickle. Unmittelbar aus dem Projekt auszusteigen, sei nicht möglich. Pulkowo sei ein Flughafen der zivilen Luftfahrt. GrundsĂ€tzlich gelte jedoch, dass jeder zivile Flughafen weltweit im Sonderfall auch militĂ€risch genutzt werden könnte, so der Konzern.
dts Deutsche Textservice Nachrichtenagentur GmbH


