Deutsch-britischer Freundschaftsvertrag in Kraft: Merz und Burnham besiegeln neue Zusammenarbeit
Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 14:03 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Bundeskanzler Friedrich Merz und der britische Premierminister Andy Burnham haben im Kanzleramt mit dem Austausch der Ratifizierungsurkunden den deutsch-britischen Freundschaftsvertrag in Kraft gesetzt.
Neue Grundlage nach dem Brexit
Der Vertrag wurde im vergangenen Jahr in London unterzeichnet und soll mehr als sechs Jahre nach dem Brexit ein neues Kapitel in den Beziehungen beider Länder eröffnen. Das 27 Seiten starke Dokument wird wegen des Unterzeichnungsorts im Londoner Stadtteil Kensington auch Kensington-Vertrag genannt.
Begleitet wird die Vereinbarung von einem Aktionsplan mit 17 Punkten. Vorgesehen ist eine engere Zusammenarbeit in der Verteidigungs- und Wirtschaftspolitik, bei der Eindämmung irregulärer Migration sowie bei der Bekämpfung grenzüberschreitender Kriminalität.
Erleichterungen für Reisen geplant
Geplant sind außerdem konkrete Reiseerleichterungen. Dazu gehören eine Visafreiheit für Klassenfahrten von Schülergruppen und eine direkte Bahnverbindung zwischen Deutschland und Großbritannien.
Merz und Burnham betonen Zusammenhalt
Merz sprach von einem historischen Tag und verwies besonders auf bessere Zugangsmöglichkeiten für Schülerinnen und Schüler sowie Studenten. Die junge Generation solle erleben, wie gut Europäer zusammenarbeiten und wie sehr sie zusammengehörten, sagte der Kanzler.
Burnham erklärte, in herausfordernden Zeiten brauche es eine Zusammenarbeit von höchster Güte mit den engsten Partnern. Der Vertrag werde nach seiner Darstellung die Sicherheit in Europa verbessern, das Wirtschaftswachstum fördern und den Lebensstandard erhöhen.
Deutschland könnte an GCAP beteiligt werden
Burnham signalisierte Merz zudem die Offenheit Großbritanniens für einen deutschen Beitritt zum Kampfjet-Programm GCAP. Großbritannien betreibt das Vorhaben gemeinsam mit Italien und Japan. Das deutsch-französische Kampfjet-Projekt FCAS war in diesem Sommer gescheitert.
Der britische Premierminister sagte, das Programm solle in der kommenden Zeit gemeinsam mit Italien und Japan vorangetrieben werden. Eine deutsche Beteiligung ist damit als mögliche Perspektive nach dem FCAS-Aus im Gespräch.
Neuer Rahmen nach dem Brexit
Mit dem Kensington-Vertrag erhalten die Beziehungen zwischen Deutschland und Großbritannien erstmals seit dem EU-Austritt einen umfassenden bilateralen Rahmen. Die Vereinbarung ersetzt nicht die Zusammenarbeit Großbritanniens mit der Europäischen Union, sondern ergänzt sie um eigene Projekte zwischen Berlin und London.
Politisch reicht das Spektrum von Verteidigung und Wirtschaft bis zu Migration und grenzüberschreitender Kriminalität. Der begleitende Aktionsplan mit 17 Punkten soll die Vereinbarung in konkrete Vorhaben übersetzen. Entscheidend wird sein, wie schnell daraus sichtbare Verbesserungen entstehen.
Reisen, Sicherheit und Industrie
Für Bürgerinnen und Bürger könnten vor allem die geplante Visafreiheit für Klassenfahrten und eine direkte Bahnverbindung Bedeutung gewinnen. Beide Projekte hängen jedoch von ihrer praktischen Umsetzung und den erforderlichen Vereinbarungen ab.
Strategisch steht die engere Sicherheitskooperation im Mittelpunkt. Die britische Öffnung für eine deutsche Beteiligung am GCAP-Programm fällt in eine Phase, in der Berlin nach dem Ende des FCAS-Projekts eine neue Perspektive für die nächste Kampfflugzeuggeneration benötigt. Ein Einstieg könnte Zeit sparen, würde aber auch Fragen nach Kosten, industriellen Anteilen und militärischen Anforderungen aufwerfen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Deutschlandfunk: „Britischer Premier Burnham kommt in Berlin mit Kanzler Merz zusammen“ (08.10.2026)
Der Bericht hebt hervor, der Vertrag stelle sechs Jahre nach dem EU-Austritt Großbritanniens die Beziehungen beider Länder auf eine neue Grundlage. Als Schwerpunkte nenne er Verteidigung, Wirtschaft, irreguläre Migration und grenzüberschreitende Kriminalität; zusätzlich verweist er auf Reiseerleichterungen und eine geplante Bahnverbindung. Die Sicherheits- und Industrieperspektive des möglichen GCAP-Einstiegs bleibe dort offen.
Der Artikel ordnet die britische Gesprächsbereitschaft zum GCAP in die Suche Deutschlands nach dem Ende des FCAS-Projekts ein. Er schreibe, Berlin prüfe neben einem Beitritt zum bereits laufenden britisch-italienisch-japanischen Programm auch eine Alternative mit Spanien und Schweden. Anders als der Deutschlandfunk-Bericht konzentriere sich der Beitrag auf offene Fragen zu industriellem Einfluss, militärischen Anforderungen und Zeitplan.
Beide Berichte bestätigten die engere deutsch-britische Zusammenarbeit und verwiesen auf sicherheitspolitische Ziele. Während der Deutschlandfunk die neue vertragliche Grundlage in den Mittelpunkt stelle, beleuchte FOCUS online vor allem die noch offene industriepolitische Entscheidung beim Kampfjetprogramm.
