Nord Stream, Deutschland

Nord-Stream-Ermittler: Sprengstoffspuren auf Segelboot

12.07.2023 - 03:58:45

Deutschland, DĂ€nemark und Schweden liefern dem UN-Sicherheitsrat neue Erkenntnisse zu den Explosionen an den Ostsee-Pipelines Nord Stream 1 und 2. Wer ist fĂŒr die Tat verantwortlich?

Bei den Untersuchungen zu den Explosionen an den Gas-Pipelines Nord Stream 1 und 2 in der Ostsee haben die Ermittler Sprengstoffspuren auf einer verdÀchtigen Segeljacht entdeckt. Es seien Spuren von Unterwassersprengstoff gefunden worden, schrieben die UN-Botschaften Deutschlands, DÀnemarks und Schwedens in einem gemeinsamen Brief an den UN-Sicherheitsrat in New York.

In dem auf Montag datierten Schreiben heißt es, es bestehe der Verdacht, dass die Segeljacht zum Transport des Sprengstoffs genutzt worden sei, der bei der Sabotage im September eingesetzt wurde. Wahrscheinlich geht es um die Jacht «Andromeda», die laut Medienberichten schon lĂ€nger im Fokus der Untersuchungen steht, doch geht dies nicht eindeutig aus dem Brief hervor.

In dem Schreiben heißt es, die Ermittler seien dabei, die genaue Route des Bootes nachzuzeichnen. Man habe herausgefunden, dass das Boot im Namen einer Person angemietet worden sei, die Dokumente verwendet habe, mit denen die IdentitĂ€t des echten Mieters verschleiert werden sollte. Ob sich diese Person tatsĂ€chlich dann an Bord befunden habe, sei noch nicht festgestellt worden.

Botschafterinnen-Brief: TÀterfrage ungeklÀrt

Nach ExperteneinschĂ€tzungen sei es möglich, dass ausgebildete Taucher SprengsĂ€tze an den Orten angebracht haben könnten, an denen die Gasleitungen beschĂ€digt worden seien, heißt es in dem Schreiben weiter. Unterzeichnet war es von der deutschen UN-Botschafterin Antje Leendertse sowie den Botschafterinnen DĂ€nemarks und Schwedens.

Die Landesvertreterinnen betonten gegenĂŒber dem mĂ€chtigsten Gremium der Vereinten Nationen, dass die Ermittlungen andauerten - und die TĂ€terfrage ungeklĂ€rt sei. «Zum jetzigen Zeitpunkt ist es nicht möglich, die IdentitĂ€t der TĂ€ter und ihre Motive zuverlĂ€ssig zu klĂ€ren, insbesondere im Hinblick auf die Frage, ob der Vorfall von einem Staat oder einem staatlichen Akteur gesteuert wurde.»

Am 26. September 2022 waren mehrere Explosionen in der NĂ€he der dĂ€nischen Ostsee-Insel Bornholm registriert und wenig spĂ€ter vier Lecks an drei der insgesamt vier Leitungen der Nord-Stream-Pipelines entdeckt worden. Der Betreiber von Nord Stream 1 sprach spĂ€ter von metertiefen Kratern und weit verteilten TrĂŒmmern am Meeresgrund. Tagelang blubberte Gas an die MeeresoberflĂ€che - ohne dass klar war, wer fĂŒr die Detonationen verantwortlich war.

Sprengstoffreste an mehreren Fremdkörpern

Die schwedische Staatsanwaltschaft hatte im November die von Anfang an gehegte Vermutung bestÀtigt, dass es sich um Sabotage handelte. Analysen hÀtten Sprengstoffreste an mehreren Fremdkörpern gezeigt, erklÀrte der zustÀndige schwedische Staatsanwalt Mats Ljungqvist.

Nord Stream 1 und 2 verlaufen jeweils als Unterwasser-Doppelstrang ĂŒber eine Strecke von rund 1200 Kilometern von Russland nach Deutschland. Nord Stream 1 lieferte seit 2011 einen erheblichen Anteil des nach Europa importierten Gases. Allerdings hatte Moskau die Lieferungen im Zuge der Konfrontation mit dem Westen nach seinem Angriff auf die Ukraine schon vor der Zerstörung gedrosselt und dann ganz eingestellt. Die neuere Nord-Stream-2-Pipeline war bereits mit Gas gefĂŒllt, aber mangels Zertifizierung noch nicht in Betrieb.

Sowohl in Deutschland als auch in DĂ€nemark und Schweden sind zu den Explosionen Ermittlungen aufgenommen worden. Offiziell Ă€ußern sich die zustĂ€ndigen Behörden kaum zu ihren ErmittlungsstĂ€nden. Russland kritisiert, nicht in die Untersuchungen einbezogen zu werden. Dazu heißt es in dem Schreiben, die russischen Behörden seien ĂŒber die laufenden Ermittlungen informiert worden. Eine eigene Beteiligung an der Sabotage hat der Kreml stets dementiert und stattdessen behauptet, dass westliche Geheimdienste etwas damit zu tun hĂ€tten.

Informationen zur TĂ€terfrage frĂŒhestens im Herbst

Wann die Untersuchungen abgeschlossen seien, lasse sich weiter nicht sagen, schrieben Leendertse und ihre skandinavischen Kolleginnen. Die Art der Sabotageakte sei beispiellos, die Nachforschungen seien komplex. Ljungqvist hatte vor wenigen Wochen im schwedischen Radio gesagt, er hoffe, dass man im Herbst Stellung zur TÀterfrage beziehen könne - das sei zumindest das Ziel.

In Deutschland haben die Ermittler Berichten zufolge schon lĂ€nger eine gecharterte Segeljacht in den Fokus genommen, mit der das Sabotageteam mutmaßlich unterwegs war. ARD, SWR und «Zeit» hatten im MĂ€rz berichtet, dass ein Einsatzkommando den Ermittlern zufolge von Rostock aus in See gestochen sein soll. In dem Bericht hieß es, die Jacht sei angeblich von einer Firma mit Sitz in Polen angemietet worden, die offenbar zwei Ukrainern gehöre.

Auch von Zwischenstopps der Jacht in Wiek auf RĂŒgen und an der dĂ€nischen Insel ChristiansĂž nordöstlich von Bornholm war die Rede. SpĂ€teren Medienberichten zufolge handelte es sich um das von einem Vermieter auf der Insel RĂŒgen bereitgestellte Schiff «Andromeda».

@ dpa.de