Bundeswehr, Transatlantische Sicherheit

Transatlantische Rüstungskooperation: Pistorius und Hegseth vereinbaren engere Waffenproduktion

Veröffentlicht am: 15.09.2026 um 21:26 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Deutschland und die USA wollen ihre Rüstungskooperation deutlich vertiefen: Verteidigungsminister Boris Pistorius und sein US-Amtskollege Pete Hegseth haben in Washington eine Absichtserklärung über gemeinsame Projekte und Lieferketten unterzeichnet. Dabei spielt auch der Empfang des ersten F-35-Jets für die Bundeswehr eine zentrale Rolle.

  • Pistorius trifft seinen US-Kollegen Hegseth im Pentagon. - Bild: Kay Nietfeld/dpa
    Pistorius trifft seinen US-Kollegen Hegseth im Pentagon. - Bild: Kay Nietfeld/dpa
  • Pistorius hatte Hegseth zuletzt im Sommer 2025 in Washington besucht. - Bild: Kay Nietfeld/dpa
    Pistorius hatte Hegseth zuletzt im Sommer 2025 in Washington besucht. - Bild: Kay Nietfeld/dpa
  •  Die USA haben ihre Tonlage gegenüber Deutschland geändert. - Bild: Kay Nietfeld/dpa
    Die USA haben ihre Tonlage gegenüber Deutschland geändert. - Bild: Kay Nietfeld/dpa
Pistorius trifft seinen US-Kollegen Hegseth im Pentagon. - Bild: Kay Nietfeld/dpa Pistorius hatte Hegseth zuletzt im Sommer 2025 in Washington besucht. - Bild: Kay Nietfeld/dpa  Die USA haben ihre Tonlage gegenüber Deutschland geändert. - Bild: Kay Nietfeld/dpa

Deutschland und die USA bauen ihre Zusammenarbeit bei Rüstungsprojekten deutlich aus: Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) und sein US-Amtskollege Pete Hegseth haben in Washington eine Absichtserklärung zur verstärkten Kooperation der Verteidigungsindustrien unterzeichnet.

Politischer Rahmen für gemeinsame Rüstungsprojekte

Nach Angaben des Verteidigungsministeriums sind sich beide Staaten einig, dass die aktuellen sicherheitspolitischen Herausforderungen eine robuste, eng verzahnte Verteidigungsindustriebasis auf beiden Seiten des Atlantiks erfordern. Die Vereinbarung setzt einen politischen Rahmen für künftige Projekte in Entwicklung, Produktion, Lizenzfertigung und Instandhaltung von Rüstungsgütern.

Ziel ist eine Stärkung der Lieferketten, eine Überprüfung der Regelungen zum Technologietransfer sowie eine intensivere Zusammenarbeit bei Forschung und Entwicklung. Der hohe Bedarf an Rüstungsgütern erfordert demnach erhöhte Produktionskapazitäten, kurze Lieferzeiten und eine verlässliche Versorgung, um Versorgungssicherheit und Einsatzfähigkeit der Allianz zu gewährleisten.

F-35, Patriot und Tomahawk als Beispiele

Vor dem Treffen mit Hegseth hatte Pistorius auf bestehende und geplante Projekte verwiesen, darunter den Tarnkappenjet F-35 und die Fertigung von Lenkflugkörpern für das Luftverteidigungssystem Patriot in Deutschland. Die Bundesregierung will zudem Marschflugkörper des Typs Tomahawk in den USA erwerben; darüber wurde am Rande des Nato-Gipfels in Ankara im Juli eine grundsätzliche Einigung erzielt.

Pistorius betonte, Deutschlands industrielle Basis, die qualifizierten Fachkräfte und die technologische Spitzenkompetenz könnten genutzt werden, um zusätzliche Produktionskapazitäten zu schaffen. Wenn die USA und Deutschland ihre jeweiligen Stärken noch enger zusammenführten, könnten Systeme für Abschreckung und Verteidigung schneller und in größerer Zahl bereitgestellt werden, was die Einsatzbereitschaft beider Länder und des gesamten Bündnisses stärken soll.

Geänderte Tonlage aus Washington

Ein weiterer Schwerpunkt der Reise sind die Rolle der US-Streitkräfte in Europa und mögliche Änderungen ihrer Truppenpräsenz, die für Abschreckung und Verteidigung von zentraler Bedeutung ist. Deutschland hat der Nato als Ersatz für bislang garantierte Fähigkeiten des US-Militärs Schiffe, Kampfflugzeuge und unbemannte Waffensysteme angeboten und drängt auf einen Zeitplan für die Übernahme entsprechender Aufgaben.

Pistorius hatte Hegseth zuletzt im Sommer 2025 in Washington getroffen. Im Mai dieses Jahres war der Minister in Nordamerika, um in Kanada für eine Rüstungskooperation rund um deutsche U-Boote zu werben; ein Treffen mit Hegseth fand damals nicht statt, da dieser am Shangri-La-Dialog in Singapur teilnahm.

Von Kritik zu Lob für Deutschlands Kurs

Der spätere Zeitpunkt des aktuellen Treffens fällt in eine Phase veränderter US-Bewertungen. US-Präsident Donald Trump und sein Kabinett hatten Deutschland und andere europäische Staaten lange scharf kritisiert und ihnen mangelnde Verteidigungsanstrengungen vorgeworfen. Inzwischen wird der Kurswechsel der Bundesregierung ausdrücklich anerkannt.

So lobte US-Staatssekretär Elbridge Colby Deutschland im August im Nato-Hauptquartier als Modell für andere Verbündete. Die in den vergangenen 18 Monaten angestoßenen Maßnahmen seien demnach eine außergewöhnliche tektonische Verschiebung und ein historischer Wandel von einer weitgehenden Demilitarisierung hin zu einer schnellen Wiederbewaffnung. Deutschland trete aus US-Sicht sehr kooperativ auf, und es würden ergebnisorientierte Diskussionen über gemeinsame Rüstungsproduktion und andere Formen der Zusammenarbeit geführt.

UN-Gespräche und Übergabe des ersten F-35

Von Washington aus reist Pistorius zunächst nach New York weiter. Dort stehen Gespräche mit Vertretern der Vereinten Nationen auf dem Programm, darunter ein Treffen mit Generalsekretär António Guterres. Thema sind die Zukunft von Blauhelm-Einsätzen sowie das weitere internationale Engagement im Libanon, wo die Bundeswehr am UN-Einsatz Unifil beteiligt ist.

Zum Abschluss seiner Reise besucht Pistorius den US-Flugzeugbauer Lockheed Martin im texanischen Fort Worth. Dort wird ihm am Freitag der erste von Deutschland bestellte Tarnkappenjet vom Typ F-35 offiziell übergeben. Die Maschinen sollen die veraltete Tornado-Flotte der Luftwaffe ablösen.

F-35 für Ausbildung und nukleare Teilhabe

Deutschland hat im Rahmen eines milliardenschweren Modernisierungsprogramms 35 F-35 bei Lockheed Martin bestellt. Die ersten ausgelieferten Flugzeuge bleiben zunächst in den USA, wo sie für die Ausbildung deutscher Piloten genutzt werden.

Die F-35 gilt als eines der modernsten Kampfflugzeuge der Welt und wird auch im Rahmen der nuklearen Teilhabe gekauft, einem Abschreckungskonzept der Nato, bei dem Verbündete Zugriff auf US-Atombomben haben. Aufgrund ihrer speziellen Form und Außenbeschichtung ist die Maschine für gegnerisches Radar nur schwer zu entdecken.

Vertiefte Rüstungskooperation als Signal an die Nato-Partner

Die jetzt unterzeichnete Absichtserklärung zwischen Deutschland und den USA markiert eine weitere Etappe der sicherheitspolitischen Neuorientierung der Bundesrepublik. Nach Jahren begrenzter Verteidigungsausgaben wird die Zusammenarbeit in Entwicklung, Produktion und Instandhaltung von Rüstungsgütern ausdrücklich als gemeinsames Projekt begriffen. Für Leserinnen und Leser bedeutet dies, dass Beschaffungsprogramme wie F-35, Patriot-Lenkflugkörper oder Marschflugkörper vom Typ Tomahawk nicht mehr isoliert betrachtet werden, sondern Teil einer breiteren industriellen Verzahnung der beiden Länder sind.

Industriebasis, Lieferketten und Abschreckung

Ein zentraler Punkt ist die Stärkung der transatlantischen Verteidigungsindustriebasis und der Lieferketten. In der Praxis kann dies dazu führen, dass bestimmte Komponenten künftig in Deutschland gefertigt, andere in den USA produziert und Wartungskapazitäten zwischen beiden Ländern verteilt werden. Kurzere Lieferzeiten und höhere Produktionskapazitäten stehen dabei im Vordergrund. Vor dem Hintergrund der angespannten Lage an der Nato-Ostflanke und der massiven Unterstützung für die Ukraine ist eine verlässliche Versorgung mit Munition und komplexen Waffensystemen für die Einsatzfähigkeit des Bündnisses von unmittelbarer Bedeutung.

Politische Tonlage und deutsche Rolle im Bündnis

Bemerkenswert ist die veränderte Tonlage aus Washington gegenüber Berlin. Während die USA Deutschland früher scharf für zu geringe Verteidigungsanstrengungen kritisierten, wird die jüngste Wiederbewaffnung nun als „historischer Wandel“ beschrieben. Für Leser ordnet dies ein, dass Rüstungsprojekte wie der F-35-Kauf und die angebotenen Ersatzfähigkeiten für US-Truppenpräsenz in Europa nicht nur technische, sondern auch politische Signale sind: Deutschland präsentiert sich als kooperativer, verlässlicher Partner, der bereit ist, mehr Verantwortung im Bündnis zu übernehmen – von der nuklearen Teilhabe bis zur Beteiligung an UN-Einsätzen wie im Libanon.

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