Trumps Sieg und Hitzerekorde: Schwieriger UN-Klimagipfel
11.11.2024 - 04:45:36Ăberschattet vom Wahlsieg Donald Trumps sowie neuen Hitzerekorden beginnt am Montag in Aserbaidschan die UN-Klimakonferenz. Knapp 200 Staaten beraten in Baku zwei Wochen lang ĂŒber die EindĂ€mmung der Erderhitzung und die Abfederung ihrer fatalen Folgen - also hĂ€ufigere und heftigere Ăberschwemmungen wie jĂŒngst in Spanien, Hitzewellen und WaldbrĂ€nde oder verheerende StĂŒrme wie an der US-KĂŒste. AuĂenministerin Annalena Baerbock sieht in der Klimakrise die gröĂte Sicherheitsherausforderung unserer Zeit, wie die GrĂŒnen-Politikerin vorab erklĂ€rte. «Jedes verhinderte Zehntelgrad ErderwĂ€rmung bedeutet weniger Krisen, weniger Leid, weniger Vertreibung.»
Im Fokus der Beratungen stehen erneuerte Finanzzusagen an arme LĂ€nder: Entwicklungsstaaten und Umweltorganisationen erwarten, dass die reichen Industriestaaten jĂ€hrlich mindestens eine Billion US-Dollar mobilisieren - zehnmal mehr als die aktuell zugesagten 100 Milliarden pro Jahr. Zur Finanzierung schlagen Klimaaktivisten Vermögenssteuern fĂŒr Reiche oder Abgaben auf die Förderung von Kohle, Ăl und Gas vor.
Ăberschattet von Trumps WahlsiegÂ
Erwartet werden in der autoritĂ€r regierten Ex-Sowjetrepublik, in der Presse- und Meinungsfreiheit stark eingeschrĂ€nkt sind, mehrere Zehntausend Regierungsvertreter, Journalisten, Aktivisten und politische Lobbyisten. Nach der ersten Plenumssitzung am Montag auf dem GelĂ€nde rund um das Olympiastadion in Baku folgen am Dienstag und Mittwoch Reden Dutzender Staats- und Regierungschefs. Kanzler Olaf Scholz (SPD) hat seine Reise zur Klimakonferenz nach dem Aus fĂŒr seine Ampel-Regierung abgesagt.
Nichtregierungsorganisationen befĂŒrchten, dass die Klimakonferenz COP29 von der Wahl Donald Trumps zum US-PrĂ€sidenten ĂŒberschattet wird. Bereits nach seinem ersten Wahlsieg 2016 hatte Trump angeordnet, dass die USA aus dem Pariser Klimaabkommen aussteigen - was sein Nachfolger Joe Biden wieder rĂŒckgĂ€ngig machte.
Das Climate Action Network, das Hunderte Umweltorganisationen umfasst, forderte, die Industriestaaten dĂŒrften nicht mit Verweis auf knappe Staatshaushalte die notwendige drastische Aufstockung der Klimafinanzierung blockieren. IndustrielĂ€nder könnten leicht Billionen aufbringen fĂŒr den Klimaschutz: Indem sie bei MilitĂ€rausgaben kĂŒrzen oder bei klimaschĂ€dlichen Subventionen fĂŒr fossile Brennstoffe sowie bei Steuererleichterungen fĂŒr hochprofitable, aber umweltschĂ€dliche Unternehmen sowie fĂŒr MilliardĂ€re.
Das wÀrmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen
Der Handlungsdruck ist groĂ: In diesem Jahr hat sich der Planet erstmals um mehr als 1,5 Grad aufgeheizt im Vergleich zur vorindustriellen Zeit - es wird nach Berechnungen des EU-Klimadienstes wohl das wĂ€rmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Das 2015 auf der Pariser Klimakonferenz vereinbarte Ziel, die Erhitzung möglichst auf 1,5 Grad zu deckeln, gilt aber noch nicht als verfehlt, denn dafĂŒr sind lĂ€ngerfristige Durchschnittswerte maĂgeblich.
Kurz vor der COP29 hat UN-Klimachef Simon Stiell festgestellt: Das Engagement der Weltgemeinschaft ist weiter unzureichend. Alle KlimaplĂ€ne, die die Staaten bei der UN eingereicht haben, wĂŒrden den AusstoĂ klimaschĂ€dlicher Gase wie Kohlendioxid nur um 2,6 Prozent bis 2030 drĂŒcken, verglichen mit 2019. Nötig wĂ€ren laut Weltklimarat IPCC aber 43 Prozent, um die schlimmsten Folgen der Klimakrise abzuwenden. Selbst wenn alle KlimaschutzplĂ€ne wirklich umgesetzt werden, steuert der Planet bis zur Jahrhundertwende auf eine Erhitzung um 2,6 bis 3,1 Grad zu.
Lichtblick beim Ausbau der Erneuerbaren
Es gibt aber auch Lichtblicke. Im Jahr 2023 ist die weltweite Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien schneller gestiegen als jemals zuvor in den letzten drei Jahrzehnten, wie die Internationale Energieagentur (IEA) festgehalten hat. Damit besteht eine echte Chance, das auf der vorherigen Klimakonferenz in Dubai festgelegte Ziel zu erreichen, die globale KapazitĂ€t fĂŒr Erneuerbare bis 2030 zu verdreifachen.









